Heute vor drei Jahren wurden die rekonstruierten Meisterhäuser Gropius und Moholy-Nagy in Dessau wieder eröffnet. Wir werfen einen kurzen Blick auf die Originale wie ihre Neuschöpfungen.

Dessau, Meisterhaus Klee/Kandinsky, Treppenhaus Klee (Foto: Chrstian Stock/Flickr)
Dessau, Meisterhaus Klee/Kandinsky, Treppenhaus Klee (Foto: Chrstian Stock/Flickr)

Die Fotografien Lucia Moholys vom Ensemble der Meisterhäuser in Dessau prägen bis heute unser Bild vom Bauhaus und der modernen Architektur schlechthin. Das im Krieg zerstörte Einzelhaus für den Direktor und die drei Doppelhäuser für die Meister des Bauhauses waren von Walter Gropius geplant und von seinem Baubüro auf einem lang gestreckten Areal mit Kiefernbestand ausgeführt worden.

Die äußere Gestalt der Gebäude, die Organisation ihrer Räume nach Nutzungseinheiten und Lichteinfall sowie ihre Innenausstattung mit Einbauschränken und -regalen entsprechen den Prinzipien funktionalen Bauens und stellen eine Weiterentwicklung von Gropius’ Idee eines „Baukastens im Großen“ dar. 

Meisterhäuser, Doppelhaus Kandinsky-Klee, Nordwestseite, Architektur: Walter Gropius, 1926 / Foto: Lucia Moholy. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.
Meisterhäuser, Doppelhaus Kandinsky-Klee, Nordwestseite, Architektur: Walter Gropius, 1926 / Foto: Lucia Moholy. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.

Die Doppelhäuser bestehen aus um 90° gedrehten Spiegelungen ihrer jeweils grundrissgleichen Hälften, was deren optische Wirkung sehr heterogen erscheinen lässt. Zur Strukturierung der Baukörper wurden die vorkragenden Bauelemente bzw. Fensterlaibungen farbig gefasst.

Dem einheitlichen Gesamtbild der Anlage laufen die nach den Vorgaben der zukünftigen Bewohner ausgeführten, farbigen Gestaltungen der Innenräume zuwider. Sie waren den individuellen Vorlieben der Meister geschuldet und zeugen noch heute von ihren unterschiedlichen Charakteren.

Die Neuen Meisterhäuser Gropius und Moholy-Nagy, Architektur: Bruno Fioretti Marquez Architekten, 2010–14 / Foto: Doreen Ritzau, 2015. Stiftung Bauhaus Dessau.
Die Neuen Meisterhäuser Gropius und Moholy-Nagy, Architektur: Bruno Fioretti Marquez Architekten, 2010–14 / Foto: Doreen Ritzau, 2015. Stiftung Bauhaus Dessau.

Der Sieg der Nationalsozialisten bei den Kommunalwahlen in Dessau 1932 führte zur Schließung des Bauhauses. In der Folge verließen die Künstler ihre Wohnungen in der Meisterhaussiedlung. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Häuser von Walter Gropius und Lázló Moholy-Nagy durch einen Bombentreffer vollständig zerstört. 

Im Jahr 2014 ersetzte das Berliner Architekturbüro Bruno Fioretti Marquez (BFM) die verlorenen Gebäude durch zeitgemäße Interpretationen. Diese basieren auf einer „Architektur der Unschärfe“ und schaffen eigenständige Bauwerke, die eine klare Unterscheidung von Originalbestand und Neuinterpretation ermöglichen.

 

TIPP

Im Rahmen des Bauhausresidenz-Programms der Stiftung Bauhaus Dessau arbeitete zum ersten Mal seit 84 Jahren wieder ein Maler in den Meisterhäusern des Bauhauses. Mit der Werkpräsentation „Wasch mich, aber mach mich nicht nass!“ beendet der österreichische Künstler Clemens Krauss seine zweimonatige Residenz in den Meisterhäusern.

Anlässlich des Internationalen Museumstags lädt die Kunsthistorikerin Julia Rosenbaum zum ”Studio Visit“ mit Clemens Krauss.

Wann?
Sonntag, 21. Mai 2017, 16 Uhr

Wo?
Ensemble der Meisterhäuser
Haus Schlemmer
Ebertallee 67
06846 Dessau

 

Literatur:
Rehm, Robin (2009): Paradigma des Neuen Bauens, in: Modell Bauhaus, hrsg. von Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, Stiftung Bauhaus Dessau und Klassik Stiftung Weimar, Ausstellungskatalog, Ostfildern: Hatje Cantz, S. 199-202.
Wingler, Hans M. (1997): Walter Gropius, Bauhausbauten Dessau, Berlin (Neue Bauhausbücher).