Für sein Selbstporträt aus dem Jahr 1932 bediente sich der Fotograf Herbert Bayer beim Surrealismus, er experimentierte er mit ungewöhnlichen Perspektiven und Detailausschnitten. Der Grundstein hierfür wurde bereits am Bauhaus Dessau gelegt, wo László Moholy-Nagy das Medium Fotografie als künstlerische Disziplin etabliert wurde.

Selbstportrait, Foto: Herbert Bayer, 1932. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.
Selbstportrait, Foto: Herbert Bayer, 1932. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016.

Mit der Berufung von László Moholy-Nagy ans Bauhaus wurde ab 1923 Fotografie zunehmend über die rein dokumentarische Funktion hinaus als gestalterisches Medium verwendet. Zudem setzte sich besonders in den Dessauer Jahren ein experimenteller Umgang mit der Fotografie durch. Mehrfachbelichtungen, Detailausschnitte, Fotogramme, ungewöhnliche Perspektiven oder die von den Dadaisten entwickelte Technik der Fotomontage erfreuten sich großer Beliebtheit.

Das Selbstporträt von Herbert Bayer entstand allerdings erst einige Jahre nach seiner Zeit am Bauhaus. Die Wirklichkeit, symbolisiert durch den mit fotografischer Präzision wiedergegebenen Körper, verschmilzt mit der Welt des Traums, in der ein Spiegel nicht einfach nur das Abbild eines Realitätsausschnitts reflektiert, sondern Auflösungsprozesse buchstäblich am eigenen Leib erfahrbar macht. Bayer hatte 1928 auf der Suche nach neuen Herausforderungen Dessau verlassen. Er wollte praktisch arbeiten und die Chance dafür bot sich, als die international bekannte amerikanische Werbefirma Dorland 1928 in Berlin am Kurfürstendamm 211 eine Dependance eröffnete. Als künstlerischer Leiter etablierte Herbert Bayer dort die am Bauhaus entwickelten Gestaltungsprinzipien in der Werbung.

Auch in seinen späteren Berliner Jahren experimentierte Herbert Bayer, wie er selbst sagt. „weiter auf dem Gebiet der Photographie und besonders der Photomontage, einer Technik, die eine Verschmelzung von Sachlichkeit und Phantasie nahelegt“ sowie „surrealistische Bilder“ und die „Darstellung des Unsichtbaren oder einer Folge zusammengesetzter Handlungen“ ermöglichte. Unter anderem arbeitete er damals an einer Reihe von Fotomontagen, die er ursprünglich als Bildergeschichte „Mensch und Traum“ geplant, (dann aber) unvollendet abgebrochen“ hatte, wie er in einer Abhandlung aus dem Jahr 1967 über visuelle Kommunikation, Architektur und Malerei darlegte.

 


Literatur:

 

Hartmann, Udo (1990): Das Auge Herbert Bayers, in: Fiedler, Jeannine: Fotografie am Bauhaus, Berlin, S. 64–74.

Bayer, Herbert (1967): Visuelle Kommunikation Architektur Malerei. Das Werk des Künstlers in Europa und USA. Ravensburg.

Hansen, Stefan (Hg.), Schug, Alexander, Sack, Hilmer (2004): Moments of Consistency. Eine Geschichte der Werbung, Berlin.

 

 

[NO 2017]