Tasttafel aus Fäden, Arbeit aus dem Vorkurs von László Moholy-Nagy, 2. Semester, Autor: Otti Berger, 1928. Bauhaus-Archiv Berlin / © unbekannt.
Tasttafel aus Fäden, Arbeit aus dem Vorkurs von László Moholy-Nagy, 2. Semester, Autor: Otti Berger, 1928. Bauhaus-Archiv Berlin / © unbekannt.

László Moholy-Nagy, der als Nachfolger von Johannes Itten seit 1923 für den Vorkurs am Bauhaus zuständig war, setzte einen Unterrichtsschwerpunkt in der Ausbildung des Tastsinns, den sie in sogenannten Tastafeln erkundeten und ausprägten. Otti Bergers Tasttafel aus dem Jahr 1928 verwendete Moholy-Nagy sogar in seiner Publikation „Von Material zu Architektur“ aus dem Jahr 1929. Aus Fäden unterschiedlicher Stärke und Farbe spannte Berger Dreiecke auf einem metallenen Stoffuntergrund. Die Dreiecke können quadratische Papiere wie Lesezeichen aufnehmen, wodurch die Tafel per Tastsinn peu à peu lesbar wird. Im Ergebnis ersteht eine Art „Materialalphabet“, das Otti Bergers sensiblen Umgang mit Textilien, den sie auch nach Abschluss des Vorkurses weiterverfolgte, erahnen lässt.

Literatur: 
Radewaldt, Ingrid (2009): Otti Berger, in: Müller, Ulrike: Bauhaus-Frauen. Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design, München, S. 62-67.
Wortmann-Weltge, Sigrid (1993): Bauhaus-Textilien, Kunst und Künstlerinnen der Webwerkstatt, Schaffhausen.