Wie die Bauhäusler und ihre Nachfolger das Erbe der Gestaltungsschule reflektiert haben, damit beschäftigen sich im Bundesland Baden-Württemberg gleich drei Ausstellungen diesen und kommenden Herbst. Dabei liegt der Fokus sowohl auf einer kritischen Rezeptionsgeschichte als auch auf gegenwärtigen, stadtplanerischen Visionen. Eine begleitende Konferenz im September dieses Jahres in Stuttgart vertieft diese Ansätze noch einmal.

Es ist mit Sicherheit eine der ambitioniertesten Ausstellungen im Vorfeld des Bauhaus-Jubiläums: die Ausstellung „50 Jahre nach 50 Jahre Bauhaus 1968“, die noch bis zum 23. September im Württembergischen Kunstverein zu sehen ist. Sie hat sich die kritische Relektüre der legendären Ausstellung „50 Jahre Bauhaus“ zur Aufgabe gemacht. Die Schau wurde seinerzeit von Walter Gropius und Herbert Bayer als Retrospektive produziert und tourte erfolgreich bis 1971 um die Welt. Die gegenwärtige Ausstellung im Neu- und Altbau des Stuttgarter Kunstgebäudes folgt vier thematischen Strängen. Vertiefend dazu findet am 14. und 15. September im Haus eine Konferenz statt, die unter anderem folgende Themen behandelt: Die ambivalente Haltung einiger Bauhäusler und Bauhäuslerinnen gegenüber dem Nazi-Regime, die Befragung einer von Walter Gropius dominierten Rezeptionsgeschichte des Bauhauses und die globale Kontextuierung der berühmten Schule. Unter den Vortragenden befindet sich auch Marion von Osten (Kuratorin „bauhaus imaginista“), Axel Heil (Kurator und Professor an der Staatlichen Akademie der Künste in Karlsruhe), Philipp Oswalt (Professor für Architekturtheorie und Entwerfen an der Universität Kassel) und John Barker (Künstler und Autor aus London).

Eng mit der Historie dieser Ausstellung ist auch die Schau „wir demonstrieren! – (linksbündig bis zum schluss)“ im Studio HfG verbunden. Ausgerechnet 1968, im Jahr der Studentenrevolte, wurde die Ulmer Hochschule für Gestaltung (HfG) geschlossen. In den 1950er und 1960er Jahren hatte sich die Stadt Ulm zu einem Brennpunkt des politisch-kulturellen Lebens in der jungen Bundesrepublik entwickelt − nicht zuletzt wegen ihrer modernen Gestaltungshochschule und den Impulsen, die von dort ausgingen. Die HfG-Mitglieder – darunter ihr Gründer Max Bill, Inge Scholl und Otl Aicher – hatten sich zum Ziel gesetzt, die Moderne in einer festen, gut gestalteten Form zu befördern. Mit ihrer Neugründung setzten sie sich – wie schon am Bauhaus – für soziale Gerechtigkeit und gute Lebensbedingungen in einer gut gestalteten Umwelt für alle ein. Die Ausstellung ist noch bis zum 4. November geöffnet und setzt sich mit der Geschichte der HfG Ulm auseinander.

Auf Reisen durch Argentinien und Mexiko geht die ifa-Ausstellung "Die ganze Welt ein Bauhaus", die 2019 auch am ZKM (Zentrum für Kunst und Medien) in Karlsruhe zu sehen sein wird. Zum Gründungsjubiläum des Bauhauses spürt sie dem Phänomen nach, wie es dem Bauhaus gelang, zum Inbegriff einer sozialen, gestalterischen und didaktischen Radikalerneuerung zu werden. Mit jeder Tourneestation wird die Ausstellung um Bezüge zu den lokalen Modernen erweitert, die das Bauhaus in seiner internationalen Bedeutung und Wechselwirkung verortet.

Einen Blick in die Zukunft wirft die Staatsgalerie in Stuttgart im Jubiläumsjahr 2019: Dann kuratiert die Staatsgalerie die Ausstellung „Weissenhof City. Von Geschichte und Gegenwart der Zukunft einer Stadt“. Vom 7. Juni bis zum 20. Oktober geht man dort folgenden Fragen nach: Wie können wir Ambitionen des Bauhauses und des Universalismus der Moderne – wie sie in ihren Auswirkungen auch in Stuttgart manifest sind – weiterdenken und berechtigte Kritik daran produktiv machen? Wie können wir ihren utopischen Überschuss für unsere von Migration, Globalisierung und Klimawandel geprägte Gegenwart neu denken? In Zusammenarbeit mit internationalen Künstlern wird das spezifische „Labor der Moderne“ und den konkreten Zusammenhängen mit der Stadt Stuttgart im Kontext Bauhaus erforscht. Das Spektrum ihrer Beiträge reicht von Hörspielen über Malerei, Filme, Installationen und Interventionen bis zu Spaziergängen. Sie entstehen, dem Projektcharakter des Bauhauses entsprechend, im Prozess des Ausstellungsvorhabens. Orte ihrer Präsentation sind die Staatsgalerie Stuttgart, Stationen im Stadtraum Stuttgart und im Radio.


[CG 2018]