Das Schaffen zweier ganz unterschiedlicher Architekten, beide zeitweilig im Exil in Palästina, wird in der Ausstellung „Josef Rings und Erich Mendelsohn: Neues Bauen in Deutschland und Erez Israel“ in der Essener Alten Synagoge zusammengeführt. Wie Beide auf ganz unterscheidliche Art und Weise die moderne Architektur der Nachkriegszeit prägten, können Besucher noch bis Ende Oktober 2018 sehen.

Arbeiter in Tel Aviv in Israel / © American Colony Jerusalm (https://www.goodfreephotos.com/israel/tel-aviv/builder-in-tel-aviv-in-israel.jpg.php)
Arbeiter in Tel Aviv in Israel / © American Colony Jerusalm (https://www.goodfreephotos.com/israel/tel-aviv/builder-in-tel-aviv-in-israel.jpg.php)

Die Architekten Josef Rings (1878–1957) und Erich Mendelsohn (1887–1953) stehen beispielhaft für zwei Vertreter der architektonischen Moderne in Deutschland und später im Exil in Palästina. Ihre Lebenswege und beruflichen Karrieren geben einen Einblick in die vielen unterschiedlichen Wege, die unter den politischen Voraussetzungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eingeschlagen wurden. Ihre Gemeinsamkeit bestand darin, dass sie als angesehene Architekten und Planer ihren beruflichen Erfolg parallel zum sich entfaltenden Bauhaus erreicht hatten. Beide waren außerdem durch den Machtantritt der Nationalsozialisten gezwungen, Deutschland Richtung Palästina zu verlassen. Und beiden gelang es hier, sich erneut in ihrem Beruf zu etablieren und weiterhin größere Projekte zu verwirklichen. Obwohl Rings und Mendelsohn Modernisten waren, repräsentieren sie inhaltlich wie formal jedoch ein unterschiedliches architektonisches Schaffen, der eine – Rings – ist eher dem Sozialismus verpflichtet, der andere – Mendelssohn – dem Kapitalismus. Der eine widmete sein Werk der Arbeiterklasse, entwarf Arbeitersiedlungen und urbane Pläne zur Verbesserung der Lebensqualität der Massen. Der andere baute nach dem Ersten Weltkrieg Kaufhäuser, vornehme Villen für deren wohlhabenden Besitzer, sowie Großprojekte wie Spitäler, Universitäten und Banken.

Der Katalog, der in der Reihe des Bauhaus Centers Tel Aviv erscheint, umfasst circa 200 Seiten und 180 Abbildungen. Für die Publikation konnten anerkannte Wissenschaftler als Beiträger gewonnen werden, die das Werk beider Architekten und den historischen Kontext ihres Schaffens in Deutschland und im Mandatsgebiet Palästina eingehend beleuchten.