Das Bauhaus hat nicht nur Kunst und Handwerk, sondern auch erstaunlich viele Liebespärchen zusammengebracht. Anlässlich des Valentinstags gehen wir einigen Lovestories am Bauhaus nach.

Josef und Anni Albers in Dessau, Foto: unbekannt, 1928/29. © 2017 The Josef and Anni Albers Foundation.
Josef und Anni Albers in Dessau, Foto: unbekannt, 1928/29. © 2017 The Josef and Anni Albers Foundation.

Anni & Josef Albers 

Spätestens als Anni Fleischmann am Weimarer Bauhaus einen Druck von Giottos „Flucht nach Ägypten“ als Weihnachtsgruß von Josef Albers erhält, ist es um sie geschehen. Sie verliebt sich in den „hageren, halb verhungerten, asketischen Westfalen mit unwiderstehlichen blonden Haaren“ (1). Drei Jahre später 1925 geben sie sich das Ja-Wort und werden zu den wenigen Künstlerpaaren gehören, die das Bauhaus bis zur Schließung maßgeblich prägen. Josef revolutioniert unter anderem den Vorkurs, Anni dagegen entwirft Wandbehänge als künstlerische Unikate wie auch Stoffe für die industrielle Herstellung und leitet zeitweise die Textilwerkstatt. Künstlerisch agiert jeder im eigenen Revier, auch wenn sie zeitlebens eines verbindet: die Beschäftigung mit der Abstraktion. 1933 emigrieren sie in die USA und setzen ihre Lehrtätigkeit am neu gegründeten Black Mountain College in South Carolina fort. Ihrer Liebe jedoch bleiben Anni und Josef zeitlebens treu. Mehr als fünfzig Jahre wird ihre gemeinsame Geschichte dauern.

 

„An meinen zukünftigen Geh Mahl“, Ehe-
„An meinen zukünftigen Geh Mahl“, Ehe-"Kontrakt" zwischen Gertrud und Alfred Arndt, Collage: Gertrud Arndt, 1927. Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2017.

Gertrud & Alfred Arndt

Eigentlich möchte die Bauhaus-Studentin Gertrud Hantschk Architektin werden. Kurz nach der Hochzeit mit ihrem Kommilitonen Alfred Arndt 1927 in Dessau bekräftigt sie ihre beruflichen Ambitionen. In ihrem Ehevertrag versprechen sich die beiden, sportlich zu bleiben, viele Reisen zu unternehmen und die „völlige Gleichheit der Frau neben dem Manne“. So ganz wird sich diese Abmachung allerdings nicht einlösen. Alfred ist seit 1926 als Architekt für den Bau des Haus des Volkes im thüringischen Probstzella tätig und folgt 1929 dem Ruf nach Dessau, wo er die Ausbauwerkstatt leiten soll. Gertrud zieht mit, begräbt ihren ursprünglichen Berufstraum und fotografiert die Bauten ihres Gatten. Erst viel später wird man die „Maskenporträts“ entdecken, die Gertrud zu Hause aus purer „Langeweile“ anfertigt. Und so tritt sie am Ende doch noch aus dem klassischen Rollenmodell heraus, um lange Zeit nach dem Bauhaus als Fotografin im Licht der Öffentlichkeit zu glänzen.

 

Gunta Stölzl und Arieh Sharon im Garten der Meisterhäuser, Foto: unbekannt. Bauhaus-Archiv Berlin.
Gunta Stölzl und Arieh Sharon im Garten der Meisterhäuser, Foto: unbekannt. Bauhaus-Archiv Berlin.

Gunta Stölzl & Arieh Sharon

1920 notiert die Textildesignerin Gunta Stölzl in ihr Tagebuch: „Wir Menschen von heute haben einfach noch nicht die Form gefunden für Liebe und Ehe, dasselbe Suchen, das sich in allen unseren Werken ausdrückt, ist eben das verzweifelte Sehnen nach einer neuen Lebensform. Alle die Ehen scheitern oder sind unglücklich, Gropius wird sich scheiden lassen, Feininger quält sich, Itten wird von einem Vampyr beherrscht.“ (2) Gunta entscheidet sich für das „Seil der Betriebsamkeit“ (3) und etabliert sich als erste und einzige Jungmeisterin am männerdominierten Bauhaus. Sie verfällt zunächst Marcel Breuer, den sie in Weimar kennenlernt, doch die Liebesbeziehung scheitert. In Dessau dann trifft sie auf Arieh Sharon, der gerade als Bauleiter den Bau der ADGB Bundesschule in Bernau betreut. 1928 besiegeln die beiden ihre gegenseitige Liebe mit dem Ehering und 1929 mit der Geburt ihrer Tochter Yael. 1931 verlässt Gunta das Bauhaus und geht nach Zürich, während sich Arieh in Tel Aviv einen Namen als Architekt macht. Fünf Jahre später wird ihre Ehe geschieden.

Auch Lucia und László Moholy-Nagy oder Irene und Herbert Bayer gingen irgendwann getrennte Wege. Andere Beziehungen wiederum wie Lou und Hinnerk Scheper, Elisabeth und Hans Volger oder Ise und Walter Gropius hielten bis an ihr Lebensende. Oftmals ergänzten sich die Paare am Bauhaus nicht nur privat, sondern auch künstlerisch und beruflich, auch wenn die Frauen dabei häufig im Schatten ihrer Männer agierten. Lucia, deren Fotografien maßgeblich unser Bild vom Bauhaus prägen, etwa übernahm als gelernte Fotografin die Entwicklung der Fotos von László Moholy-Nagy, und auch Herbert Bayer profitierte vom fotografischen Können seiner Frau, während Ise Gropius für ihren Mann eine Vielzahl von Texten schrieb. Mindestens 70 Pärchen hat das Bauhaus hervorgebracht, ganz zu schweigen von den zahlreichen Liebschaften. Die Lovestories am Bauhaus, sie könnten ganze Bände füllen.

Text: Marte Kräher

Quellen:

(1) Fox Weber, Nicholas (1998): Josef und Anni Albers. Europa und Amerika. Künstlerpaare – Künstlerfreunde, Köln.

(2+3) Stölzl, Gunta (1919–20): Weimarer Tagebuch, 30. September 1919 bis Herbst 1920, Dokumentensammlung Gunta Stölzl, Mappe 153, Bauhaus-Archiv Berlin.