Bis zum 8. Januar 2018 ist im Bauhaus-Archiv Berlin die Ausstellung „Bauhaus in Bewegung“ zu sehen. Auch die Stiftung Bauhaus Dessau hat sich intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt. Vor Kurzem ist Ausgabe 8 der Zeitschrift Bauhaus zum Thema Bewegung erschienen. Für uns also ein doppelter Anlass, um bewegte O-Töne von Bauhäuslern zusammenzustellen.

Labanschule: Paargruppierung, Foto: G. Riebicke, aus: Fritz Giese: Körperseele, Gedanken über persönliche Gestaltung, München ca. 1924.
Labanschule: Paargruppierung, Foto: G. Riebicke, aus: Fritz Giese: Körperseele, Gedanken über persönliche Gestaltung, München ca. 1924.

Bewegung als neues Lebensgefühl

„statt sich, zu verhängen, einzuschließen, öffnet sich der heutige mensch. alles strebt nach licht und luft, nach befreiender weite.“ – László Moholy-Nagy (1)

„Wir verändern unsere Lebensformen in rascherer Folge als in früheren Zeiten. Es ist nur selbstverständlich, daß auch unsere Umgebung entsprechenden Veränderungen unterliegen muß. Wir kommen also zu Einrichtungen, zu Räumen, zu Bauten, welche in möglichst allen ihren Teilen veränderlich, beweglich und verschieden kombinierbar sind.“ – Josef Albers (2)

„Wir tanzen die ganze Nacht. Wir arbeiten auch die ganze Nacht, wenn wir am Tag nicht fertig werden.“ – Xanti Schawinsky (3)

Gestaltung in Bewegung

„Bewegung liegt allem Werden zugrunde. (…) Die bildnerische Form überhaupt beginnt beim Punkt der sich in Bewegung setzt.“ – Paul Klee (4)

„Das geistige Leben, zu dem auch die Kunst gehört und in dem sie eine der mächtigsten Agentien ist, ist eine komplizierte aber bestimmte und ins Einfache übersetzbare Bewegung vor- und aufwärts. Diese Bewegung ist die der Erkenntnis.“ – Wassily Kandinsky (5)

„Die Freiheit des Schaffens beruht nicht auf der Grenzenlosigkeit der Ausdrucks- und Gestaltungsmittel, sondern auf freier Bewegung innerhalb ihrer strengen gesetzmäßigen Begrenzung.“ – Walter Gropius (6)

„Die Bühne als Stätte zeitlichen Geschehens bietet hingegen die Bewegung von Form und Farbe; zunächst in ihrer primären Gestalt als bewegliche, farbige oder unfarbige, lineare, flächige oder plastische Einzelformen, desgleichen veränderlicher beweglicher Raum und verwandelbare architektonische Gebilde. Solches kaleidoskopisches Spiel, unendlich variabel, geordnet in gesetzmäßigem Verlauf, wäre – in der Theorie – die absolute Schaubühne.“ – Oskar Schlemmer (7)

Mehr zum Thema

In der Ausstellung „Bauhaus in Bewegung“ des Bauhaus-Archives in Berlin können bis zum 8. Januar 2018 Arbeiten aus dem Vorkurs sowie allen Werkstätten des Bauhauses entdeckt werden. Anhand von Fotografien lassen sich zudem die Ortswechsel nachvollziehen, die die Bauhäusler u. a. durch die Umzüge der Institutionen oder aus politischen Gründen vornehmen mussten.

Auch die Zeitschrift Bauhaus N° 8 der Stiftung Bauhaus Dessau veranschaulicht, wie bewegt die Zeit der Moderne und des Bauhauses war. Das Heft schlägt immer wieder den Bogen zum Hier und Jetzt, indem es an zeitgenössische Positionen von Gestaltern, Künstlern, Choreografen oder Fotografen anknüpft. So bietet die Ausstellungsmacherin und Autorin Marion von Osten bspw. Einblick in die Internationalität des Bauhauses und verweist damit auf die von ihr co-kuratierte internationale Ausstellungstournee „Migrant Bauhaus“, die als Jubiläumsprojekt in diesem Jahr starten wird. In Kürze mehr dazu. 

 

Bauhaus-Magazin Nr. 8
Bauhaus-Magazin Nr. 8 "Bewegung", Foto: Roksana Jankowski, 2017.

Quellen:

Überschrift: Gropius, Walter (1928): Vorwort, in: Ders.: Bauhausbauten in Dessau, Faksimile Nachdruck der Ausgabe von 1930, hrsg. von Florian Kupferberg, Mainz 1974, S. 7.

1. Moholy-Nagy, László (1929): Von Material zu Architektur, München, S. 206.

2. Albers, Josef (1928): metallmöbel und moderne räumlichkeit, in: Das neue Frankfurt 21, S. 11.

3. Schawinsky, Xanti (1924): Junger Bauhäusler, in: Walter Hammer (Hg.): Junge Menschen. Monatshefte für Politik, Literatur und leben aus dem Geiste der jungen Generation. 5. Jg., H. 8, S. 190.

4. Klee, Paul (1920): Schöpferische Konfession, in: Tribüne der Kunst und der Zeit. Eine Schriftensammlung, Band XIII, Berlin, S. 32.

5. Kandinsky, Wassily (1911): Über das Geistige in der Kunst. Insbesondere in der Malerei, München.

6. Gropius, Walter (1923): Idee und Aufbau des Bauhaus, in: Staatliches Bauhaus Weimar.

7. Schlemmer, Oskar (1925): Mensch und Kunstfigur, in: O. Schlemmer, L. Moholy-Nagy, F. Molnár (Hg.): Die Bühne im Bauhaus (= Bauhausbücher 4), München, S. 7.