Mit der Fotoaktion „Die Welt sieht Bauhaus“ lädt bauhaus100 dazu ein, persönliche Bauhaus-Perspektiven und ungewöhnliche Blickwinkel auf das Bauhaus festzuhalten und zu teilen. Hier stellen wir unseren Favoriten der Woche vor.

Eierkochs, Entwurf Wilhelm Wagenfeld, 1933/34, Jenaer Glaswerk Schott & Gen., Foto: Joachim Fliegner, Bremen / ©VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Eierkochs, Entwurf Wilhelm Wagenfeld, 1933/34, Jenaer Glaswerk Schott & Gen., Foto: Joachim Fliegner, Bremen / ©VG Bild-Kunst, Bonn 2017

16. April 2017 – Passend zum Osterfest erinnern wir an den „Eierkoch", den der einstige Bauhäusler Wilhelm Wagenfeld für das Jenaer Glaswerk Schott & Gen. in den frühen 1930er Jahren entwarf. Seitdem hat das kleine Glas nicht nur den Weg in Design-Museen gefunden, sondern sich auch in der Küche zum Bereiten von Eierstich, zum Pochieren und Kochen von Eiern, für Soufflés, Pasteten und Amuse Gueules durchgesetzt. 

Entstanden ist das Utensil durch eine glückliche Fügung in Jena. 1931 hielt Wilhelm Wagenfeld im dortigen Kunstverein einen Vortrag über „Maschine und Handwerk“ und bemängelte darin die fehlende künstlerische Gestaltung bei Industrieprodukten. Unter den Zuhörern befand sich auch der damalige Geschäftsführer der Glasfirma Erich Schott, der das zu der Zeit spektakuläre, weil feuerfeste „Jenaer Glas“ herstellte. Der Vortrag war die Initialzündung, Wagenfeld mit der Gestaltung einer ganzen Reihe von Glaswaren für die Küche zu beauftragen. Kurz darauf liefen Teekanne, Geschirr, Backschalen, Auflaufformen und vieles mehr millionenfach vom Band. „Haushaltsgeräte aus Glas waren eine Aufsehen erregende Innovation. Mit dem transparenten Werkstoff verband man auch die Hoffnung auf eine neue Gesellschaft“, sagt Julia Bulk, Direktorin der Wilhelm Wagenfeld Stiftung in Bremen. „Nicht nur die Kunst, auch Technik und Wissenschaft sollten dabei eine Rolle spielen. Georg Muche bspw. träumte 1925 von der Küche als dem ‚Laboratorium der Hausfrau.‘ – in dieses Konzept passten die sachlichen Formen aus Jenaer Glas natürlich hervorragend hinein.“ Einige Stilikonen wie das Teeservice und eben auch der Eierkoch werden bis heute produziert und schmücken in diesen Tagen ja vielleicht so manchen Ostertisch.