Mit der Fotoaktion „Die Welt sieht Bauhaus“ lädt bauhaus100 dazu ein, persönliche Bauhaus-Perspektiven und ungewöhnliche Blickwinkel auf das Bauhaus festzuhalten und zu teilen. Hier stellen wir unseren Favoriten der Woche vor.

Marianne Brandt: Guten Tag, Frau (Die Welt ist so), Collage aus Zeitungsausschnitten, 1929 / Stiftung Bauhaus Dessau (I 499 G) © VG Bild-Kunst, Bonn 2017 / Reproduktion: Uwe Jacobshagen © VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Marianne Brandt: Guten Tag, Frau (Die Welt ist so), Collage aus Zeitungsausschnitten, 1929 / Stiftung Bauhaus Dessau (I 499 G) © VG Bild-Kunst, Bonn 2017 / Reproduktion: Uwe Jacobshagen © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

16. Juni 2017 – Mit diesem Motiv erinnern wir an das große Bauhaus-Talent Marianne Brandt, die am 18. Juni 1983 im Alter von 90 Jahren verstarb. Als Metallgestalterin machte sie in den 1920ern Furore mit Entwürfen wie dem Tee- und Kaffeeservice, das heute zu den Design-Ikonen des Bauhauses zählt. Zur gleichen Zeit etwa gestaltete sie ca. 50 reich bebilderte Fotomontagen, die so gar nicht zur strengen Bauhaus-Geometrie ihrer Metallarbeiten passten und einiges über die damalige Zeit erzählten. Mit viel Witz und Scharfsinn verarbeitete sie darin kleine und große Themen des Lebens wie das rasante Großstadtleben, die zunehmende Industrialisierung oder ihre Paris-Aufenthalte. Auch die Rolle der „Neuen Frau“ und die am Bauhaus hoch gepriesene Geschlechtergleichstellung wurden von ihr mit kunstvollen Collagen illustriert. Marianne Brandt wusste sich am männerdominierten Bauhaus durchzusetzen und schaffte es in der Metallwerkstatt bis zur kommissarischen Leiterin. Spätestens ab 1929 wurde allerdings die Kritik ihr gegenüber lauter, als sie im Zuge der Neuausrichtung der Werkstatt an ihre körperlichen Grenzen stieß. Noch im selben Jahr zog sie die Konsequenzen und verließ das Bauhaus. Um es in ihren Worten auszudrücken: Die Welt ist so. (MK)