Mit der Fotoaktion „Die Welt sieht Bauhaus“ lädt bauhaus100 dazu ein, persönliche Bauhaus-Perspektiven und ungewöhnliche Blickwinkel auf das Bauhaus festzuhalten und zu teilen. Hier stellen wir unseren Favoriten der Woche vor.

Foto: Judith Bärmann, 2017
Foto: Judith Bärmann, 2017

Am 18. Februar 2017 wäre der Bauhaus-Meister Gerhard Marcks 128 Jahre alt geworden. Deshalb haben wir uns besonders über das Bild der Woche der Wahlbremerin Judith Bärmann gefreut, die zwar schon lange die Skulptur der Bremer Stadtmusikanten von Gerhard Marcks kennt, von dessen Bauhaus-Wurzeln aber erst kürzlich erfuhr.

„Fast täglich radele ich an der Bronzeskulptur vorbei, die der Bildhauer Anfang der 1950er Jahre für den Vorplatz des Bremer Rathauses schuf. Im Gerhard-Marcks-Haus entdeckte ich dann frühere Arbeiten wie Keramiken aus seiner Zeit am Bauhaus. Für mich verkörpern sie einen traditionellen Handwerksethos, verbunden mit der Bauhaus-Idee, Kunst mittels Handwerk erneuern zu wollen.“ Und auch die Bremer Stadtmusikanten haben ihren besonderen Reiz: „Wenn man die Vorderbeine des Esels berührt, so sagt man, soll ein Wunsch in Erfüllung gehen.“

P.S.: Wer mehr über Gerhard Marcks und seine Zeit am und nach dem Bauhaus erfahren möchte, sollte sich jetzt schon die Ausstellung „Wege aus dem Bauhaus. Gerhard Marcks und sein Freundeskreis“ vormerken. Sie zählt zu den drei großen Auftaktausstellungen 2017, die im Rahmen von „100 jahre bauhaus“ stattfinden, und wird von der Klassik Stiftung Weimar in Kooperation mit dem Gerhard-Marcks-Haus Bremen vorbereitet. 

17. August – 5. November 2017
Neues Museum Weimar

1. Dezember 2017 – 3. März 2018
Gerhard-Marcks-Haus, Bremen

 

Foto: Marcin Tyszka, Marie Claire 10/2016
Foto: Marcin Tyszka, Marie Claire 10/2016

10. Februar 2017: Anlässlich der internationalen Fashion Weeks in New York, London, Mailand und Paris diesen Monat hat uns ein besonders passendes „Bild der Woche“ erreicht. Denn das Bauhaus bewegte und beeinflusste nicht nur Architektur, sondern auch die Modewelt – bis heute.

Der polnische Fotograf Marcin Tyszka, dessen Motive bereits die Cover der „Elle“ oder „Vogue“ zierten, hat seine Fotoserie für die Oktober-Ausgabe 2016 der italienischen „Marie Claire“ nach dem Bauhaus benannt: „We think that fashion gets inspiration from architecture – the pieces we used for the shoot – were inspired by this architecture.“ Und so inszenierte er das Model in einer fotografischen Ode an Fashion und Bauhaus. Und auch wenn die Mode keine Originale von Lis Beyer-Volger von 1928 sind, so ist die Serie auch für Bauhaus-Fans einen Blick wert.

 

Foto: Jacob Grimstein, Jena
Foto: Jacob Grimstein, Jena

3. Februar 2017: Dieses Bild der Woche hat uns die Familie Arendt/Grimstein aus Jena nach einem Besuch im Bauhaus-Museum Weimar gesandt. „Ein kleines aber feines Museum, das beide Kinder (7 + fast 3 Jahre) begeistert hat“, schrieb uns die Familie. „Wir waren sehr überrascht.“ Der 7-jährige Jacob war so begeistert, dass er zu Hause seine Eindrücke zu Papier gebracht und den ganzen Abend mit der bauhaus100-Schablone experimentiert hat. Der Beginn einer großen Karriere?

„Die Schablonen laden ein zum Basteln, Malen und Spielen“, so Familie Arendt/Grimstein. „Sie sind eine schöne Idee, nicht nur für Kinder, Dinge mal aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen. Vielen Dank dafür.“ Und wir bedanken uns bei Jacob für sein schönes Bild!

Auf den Feuer-Hahn gekommen

Foto: Janine Keller, Berlin
Foto: Janine Keller, Berlin

27. Januar 2017: Vor einiger Zeit hatten wir an dieser Stelle eine Faltübung von Josef Albers als unser Bild der Woche vorgestellt. Dass man auch ganz andere Dinge falten kann, zeigt uns unsere Fotografin Janine Keller, die sich gerade auf das chinesische Neujahrsfest vorbereitet – denn am 28. Januar 2017 beginnt das Jahr des Feuer-Hahns!

Diese Konstellation des chinesischen Sternzeichens Hahn mit dem Element Feuer trifft nur alle 60 Jahre zusammen und verspricht für das bevorstehende Jahr Optimismus, ein Mehr an Miteinander und ein geschäftstüchtiges Jahr, in dem viel erreicht werden kann!

PS: Die Faltanleitung für den Feuer-Hahn stammt übrigens von Vladimir Podvorniy (Moskau).

Organisation ist alles!

Montage: Amelie Hartke, Lüneburg (mit einem Foto lizensiert unter CC BY-SA 3.0)
Montage: Amelie Hartke, Lüneburg (mit einem Foto lizensiert unter CC BY-SA 3.0)

20. Januar 2017: "Als ich vor kurzem durch IKEA spazierte, erinnerte mich dort ein Küchenregal irgendwie an die Schütten aus der berühmten Frankfurter Küche." so schreibt uns Amelie Hartke. "Über die Küche hatte ich kurz zuvor in einer Vorlesung gehört und war beeindruckt, wie durchdacht Margarete Schütte-Lihotzky die vielen Arbeitsgänge in einer Küche auf minimalstem Raum organisiert hatte."

Die Architektin Margarete Schütte-Lihotzky war nicht die Einzige, die sich damals Gedanken über den Arbeitsalltag der modernen Hausfrau machte. Die Schütten hat sie in den 1920er Jahren zusammen mit der Firma Haarer entwickelt. Küchenvorräte mussten nun nicht mehr in Papiersäcken gelagert werden, sondern konnten platzsparend untergebracht und beim Kochen einfach dosiert werden.

Übrigens hat auch die Firma Haarer eine Küche für die moderne Hausfrau entwickelt – diese erlangte aber deutlich weniger Bekanntheit als die Frankfurter Küche.

Winter-Komposition

Foto und Montage: Ulrich Weber, Neusäß
Foto und Montage: Ulrich Weber, Neusäß

13. Januar 2017: Passend zur Jahreszeit stellen wir heute dieses winterliche Bild von Ulrich Weber aus Neusäß vor. Aufgenommen wurde es in der Nähe von Schloss Scherneck am Rande des Lechtals in Bayerisch Schwaben. „Ein Naturfoto in dieser besonderen Wettersituation entsteht nicht zufällig – die Komposition spielt dabei eine wichtige Rolle.“ Später im Atelier hat er diese Komposition seines Bildes mit unserer Schablone fortgesetzt und offensichtlich Gefallen daran gefunden. „Eine weitere Steigerung in Richtung Animation und Web passte leider nicht in das vorgegebene Format der Aktion.“ So können wir Ulrich Webers Experimente als Bewegtbild leider nur erahnen.

Bekanntschaft mit der Bauhaus-Wiege

Foto: Ramona Schubert, Mannheim
Foto: Ramona Schubert, Mannheim

6. Januar 2017: Die freien Tage zwischen den Jahren nutzte Ramona Schubert aus Mannheim für einen Besuch in Berlin. Auf dem Programm stand auch der Martin Gropius Bau. "Ich wollte unbedingt einmal die Bauhaus-Wiege aus der Nähe sehen, die ich bislang nur von Bildern kannte. Als ich dann endlich davor stand, war ich überrascht, da die Wiege viel größer war, als ich sie mir von den Bildern her vorgestellt hatte. Mich fasziniert jedes Mal aufs Neue diese Einfachheit der Formen – Kreis, Dreieck und Rechteck – wunderbar kombiniert zu diesem funktionalen Kindermöbel."

Zu ihrem Bedauern durfte Ramona Schubert in der Ausstellung kein Foto von der Wiege machen. Trotzdem hat sie einen Weg gefunden, ihre persönliche Bekanntschaft mit der Bauhaus-Wiege hier mit uns zu teilen.

Mehr zur Wiege von Peter Keler
Mehr zu Peter Keler

Anmerkung der Redaktion: In der Ausstellung "Der Britische Blick: Deutschland – Erinnerungen einer Nation" ist ein lizensierter Nachbau der Bauhaus-Wiege von der Firma Tecta zu sehen – die Original Wiege aus dem Jahre 1922 befindet sich in Besitz der Klassik Stiftung Weimar.

Mit Xanti ins Neue Jahr

Montage: bauhaus100-Redaktion aus: Xanti Schawinsky als musizierender Bauhaus-Weihnachtsengel mit Bauhaus-
Montage: bauhaus100-Redaktion aus: Xanti Schawinsky als musizierender Bauhaus-Weihnachtsengel mit Bauhaus-" Weihnachtsbaum", um 1929. Foto: T. Lux Feininger. Bauhaus-Archiv Berlin © Estate of T. Lux Feininger / gold foil background texture © LeitnerR / Fotolia

23. Dezember 2016: Mit Xanti Schawinsky als musizierenden Bauhaus-Weihnachtsengel vor dem Bauhaus-Weihnachstbaum verabschieden wir uns in die Weihnachtspause.

Wir wünschen all unseren Leserinnen und Lesern schöne Feiertage und einen guten Start ins Neue Jahr und bedanken uns für all die tollen Bildeinsendungen zu unserer Fotoaktion „Die Welt sieht Bauhaus“. Wir sind schon jetzt gespannt, was für Bilder uns 2017 erreichen werden!

Wem die Zeit bis Anfang Januar und unserem nächsten Bild der Woche zu lang wird, der kann hier in 50 Bildern noch einmal unser erstes Jahr auf dem Weg zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum Revue passieren lassen.

Bauhaus-Weihnacht

Foto: bauhaus100-Redaktion
Foto: bauhaus100-Redaktion

18. Dezember 2016: Zum heutigen vierten Advent haben wir uns auf die Suche begeben, wie damals am Bauhaus das Weihnachtsfest gefeiert wurde. Fündig geworden sind bei Gunta Stölzl, die in einem Brief das erste Weihnachtsfest 1919 am Bauhaus beschrieben hat. Der Raum war mit einem prächtigen Weihnachtsbaum, Lichtern, Äpfeln und einer langen weißen Tafel mit großen Kerzen geschmückt. Unter dem Baum lagen unzählige Geschenke – eines für jeden der Anwesenden. Gropius las das Weihnachtsevangelium und Emmy Heim sang. Nach der Bescherung wurde das Essen aufgetragen und Gropius persönlich servierte jedem Einzelnen sein Essen. Die Tradition des gemeinsamen Weihnachtsfestes für diejenigen, die an Weihnachten nicht zu ihren Familien reisten, sondern am Bauhaus blieben, wurde auch in Dessau fortgeführt.

Because Nature is Flexible

Foto: Marcel Pasternak
Foto: Marcel Pasternak

9. Dezember 2016: Wer uns hier auf bauhaus100.de aufmerksam verfolgt, wird sich vielleicht an den diesjährigen Marianne Brandt Wettbewerb erinnern, der im Frühjahr ausgeschrieben war. Gesucht wurde nach der „Poesie des Funktionalen“ durch einen zeitgemäßen Einsatz von Materialien. Nun stehen die Preisträger des Wettbewerbs fest und werden aktuell im Industriemuseum Chemnitz in einer Ausstellung gezeigt.

Besonders gut gefallen hat uns dieser Lobster. Er ist eines der Bionic TOYS des Designers Marcel Pasternak. Sein flexibles Konstruktionsspielzeug wurde mit einem der beiden ersten Preise in der Kategorie Produktgestaltung prämiert. Mit seinen Bionic TOYS können Motive aus der Natur einfach nachgebaut werden. So können Kinder ab 6 Jahren auf spielerische Art begreifen, wie zum Beispiel Frösche springen oder Fische schwimmen.

Mehr zum Marianne Brandt Wettbewerb
Mehr zur Ausstellung im Industriemuseum Chemnitz
Mehr zu den Bionic Toys
Zur Kickstarter-Kampagne

Ise Gropius' Schuhschrank

Foto: Franziska Eidner, Berlin
Foto: Franziska Eidner, Berlin

3. Dezember 2016: Beim 90. Geburtstag des Bauhauses in Dessau konnten wir auch einen Blick in Ise Gropius' Schuhschrank werfen. Der Filmwissenschaftler Thomas Tode präsentierte am Geburtstagsabend in der Bauhaus-Aula das Filmprogramm, das auch anlässlich der Eröffnung des Bauhausgebäudes im Jahr 1926 gezeigt wurde. Mit dabei der Kurzfilm „Wie wohnen wir gesund und wirtschaftlich“, gedreht im Haus Gropius, der für das Neue Bauen und den modernen Haushalt werben sollte.

Ise Gropius führt im Film gemeinsam mit ihrer Schwester und einer Freundin durch die frisch bezogene Direktorenvilla. Dabei werden auch das Mobiliar und ausgewählte Haushaltsgeräte in ihrer modernen Funktionalität vorgeführt – von der Spüle, über das Bauhaus-Tee-Ei, die Bodensteckdosen und die praktische verstellbare Leselampe bis hin zum (sehr übersichtlichen und kompakten) Einbauschuhschrank.

Ostmoderne auf der Feininger-Insel

Foto: Andrea Nakath, Berlin
Foto: Andrea Nakath, Berlin

25. November 2016: Auf Usedom fand sich die Fotografin unseres Bild der Woche ganz unerwartet auf den Spuren von Lyonel Feininger wieder. Der berühmte Maler, Bauhaus-Meister und passionierte Renn-Radfahrer besuchte die Ostsseeinsel zwischen 1908 und 1921 regelmäßig. Auch die Berlinerin Andrea Nakath ist Usedom-Fan und entdeckte bei ihrem letzten spätherbstlichen Insel-Besuch  den Feininger-Radweg. Er führt über die ganze Insel und verbindet Orte, an denen Feininger malte.

„So wird der ganzheitliche Ansatz des Bauhauses – Modernes Leben umfasst Körper, Geist und Seele – praktisch erlebbar“, schrieb uns Andrea Nakath über ihre Tourerfahrung. Der Weg führte sie bis in den polnischen Teil der Insel nach Swinemünde. Von dort stammt auch das Motiv für unser Bild der Woche. Es zeigt das Schwimmbad direkt am Strand: „Ein Relikt der Ostmoderne, im wahrsten Sinne gezeichnet von den Zeichen der Zeit, auf dem Lyonel-Feininger-Weg – diese Verknüpfung gab jede Menge Gesprächsstoff für den Rückweg,“ kommentiert unsere Fotografin.

Dessauer Baumeister

Foto: Alexandra Meyer, Braunschweig
Foto: Alexandra Meyer, Braunschweig

18. November 2016: In dieser Woche erreichte uns ein Foto, das nicht nur an den zurückliegenden Spätsommer erinnert, sondern auch eindrücklich zeigt, dass der Gedanke einer einheitlichen ästhetischen Lösung im Wohnungsbau manchmal nicht unbedingt konform läuft mit dem Wunsch der Bewohner nach Individualisierung. Zu sehen ist ein Haus aus der Siedlung Dessau-Törten, die Walter Gropius zwischen 1926 und 1928 am Stadtrand von Dessau errichtete. Bereits kurz nach Fertigstellung der Siedlung begannen viele Bewohner, diese industriell gefertigten Häuser an ihre eigenen Bedürfnisse anzupassen. Auf ihre großen Nutzgärten hinter den Häusern hätten sie aber damals wie heute mit Sicherheit nicht mehr verzichten wollen.

Mehr zur Bauhaus-Siedlung Dessau-Törten

Agenten News #1

Foto: bauhaus100-Redaktion
Foto: bauhaus100-Redaktion

11. November 2016: Seit einigen Wochen sind unsere neun Bauhaus Agenten nun schon im Einsatz. Zeit also für eine Momentaufnahme vom heutigen Nachmittag, denn da standen sie das erste Mal auf der großen Bühne – genauer gesagt auf der Bauhaus-Bühne in Dessau. Hier präsentierten sie die Ergebnisse ihres einwöchigen Workshops mit der Josef and Anni Albers Foundation. Das, was wir dort auf der Bauhaus-Bühne gesehen haben, hat uns so überzeugt, dass wir es nicht länger vorenthalten möchten und deshalb kurzerhand zu unserem Bild der Woche gekürt haben.

Papier-Raumforschung

Foto: bauhaus100-Redaktion
Foto: bauhaus100-Redaktion

04. November 2016: Bei unserem letzten Besuch im Bauhaus Dessau fiel uns im Museumsshop ein Bastelbogen für Kinder in die Hände: Eine Raumkugel nach einer Vorkursarbeit von Josef Albers. Perfekt als kleine Fingerübung für verregnete und dunkle Novembernachmittage. Zumal hier ganz nebenbei Raumforschung betrieben wird.

„Erfindendes Bauen und entdeckendes Aufmerken“ nannte der Bauhaus-Meister Josef Albers sein pädagogisches Programm, mit dem er seine Studenten im Bauhaus-Vorkurs Materialien, Konstruktionen und Räume erkunden ließ. Von der Fläche zum Raum, vom Papier zum Körper – so wurden mit einfachen Falt- und Steckarbeiten die Grundlagen für das architektonische Entwerfen gelegt. Die Raumkugel sei ein besonders eindrucksvolles Beispiel dafür, heißt es auf der Bastelanleitung. Mit ihr zeigte Albers seinen Studenten, wie mühelos der Übergang von der zweiten in die dritte Dimension des Raumes gelingen kann. Die drei Kreise sind fix ausgeschnitten und zu einer Kugel zusammengesteckt. Wir sind auf den Geschmack gekommen. Ambitionierter basteln und falten wir weiter mit Albers und Faltanleitungen aus dem Netz.

Bauhaus-Erinnerungen

Foto: Anja Guttenberger, Panketal
Foto: Anja Guttenberger, Panketal

28. Oktober 2016: Anja Guttenberger sendete uns dieses Bild aus der ADGB-Bundesschule Bernau mit der sie eine sehr persönliche Geschichte verbindet: “Als ich 5 Jahre alt war, habe ich im Freibad der ADGB-Schule in Bernau Waldfrieden schwimmen gelernt. Mein Kindergarten befand sich gleich hinter dem Gelände der versteckten Bundesschule, die 1928 bis 1930 von Hannes Meyer und Hans Wittwer mit dem Bauhaus entworfen und gebaut wurde. Das war mir damals aber noch nicht bewusst. Ich schlenderte tagtäglich durch den von den Studenten als “Seufzergang” bezeichneten Glasgang. Zugegebenermaßen, damals – anno 1986 – war er nur halb so schön, weil hüfthoch verbrettert. Meine Mama arbeitete hier und ich fühlte mich in diesem Gang gewissermaßen heimisch – in den Büros (wo sie arbeitete), der Mensa (in der wir oft gemeinsam aßen), dem Schwimmbad (wo ich im Sommer von früh bis spät war), der Turnhalle (wo ich als Kind mit meiner Mama Popgymnastik machte).”

Vor kurzem hat sie – heute Kunsthistorikerin mit Spezialisierung auf das Bauhaus und Mitglied im Förderverein baudenkmal bundesschule bernau e.V. – ihre erste englischsprachige Führung am Ort ihrer Kindheit gegeben. Dabei ist dieses Foto entstanden. “Es fasziniert mich unwahrscheinlich, wie mich noch immer dieser Glasgang auf magische Weise anzieht. Nach der Rekonstruktion der Bundesschule sind nun die alten DDR-Bretterwände verschwunden und endlich geht auch Meyers und Wittwers Konzept wieder auf: die Natur nach drinnen zu holen. Gehe ich heute den Glasgang entlang, bewege ich mich so dicht wie möglich an den bodentiefen Fenstern entlang und meine fast, das Gras im Innenhof unter meinen Füßen zu spüren.”

 

Vom Bauhaus zum "Strandhaus"

Foto: Bjanca Schmallofsky, Göttingen
Foto: Bjanca Schmallofsky, Göttingen

21. Oktober 2016: Als Bjanca Schmallofsky aus Göttingen vergangenes Wochenende die "Dunes de Pyla" besuchte, traute sie ihren Augen nicht. Am Fuße der größten Sanddünen Europas ragten massive Baukörper aus Beton in den westfranzösischen Himmel. Auf ihre Nachfrage hin erfuhr sie, dass es sich dabei um Überreste der deutschen Besatzer handelte, die man nicht mehr beseitigen könne.

Bjanca erinnerte sich an die Schablonen-Aktion von bauhaus100 und schickte uns diesen Schnappschuss mit folgender ironischer Bemerkung: „So international und nachhaltig sind die Bauten der „deutschen Moderne“ – das hätten sich die Bauhaus-Meister 1919 sicher nicht träumen lassen…“

Leider wurden die hervorragenden Materialforschungen, die das Bauhaus zu kreativen Höchstleistungen antrieb, durch die Nazis gewissermaßen pervertiert: Statt luftigen Glas-und-Stahl-Konstruktionen wurden plötzlich Bunker aus Stahlbeton zu Deutschlands wichtigster Exportarchitektur.

 

Bauhaus Ideas

Foto: Max Clark, Hamshire
Foto: Max Clark, Hamshire

14. Oktober 2016: Max Clark aus Hamshire, England hat uns ein Foto seiner Interpretation des Prellerhauses in Dessau geschickt. Um die 600 Legosteine hat er hier verbaut, um das fünfgeschossige Atelierhaus nachzubauen. Wir finden, dass ihm das ziemlich gut gelungen ist und wünschen viel Erfolg für die Abstimmung bei Lego Ideas!

Mehr über dieses Projekt bei Lego Ideas

 

Die drei Grazien

Foto: Roksana Jankowski, Berlin
Foto: Roksana Jankowski, Berlin

06. Oktober 2016: Bei einem Ausflug auf dem Gelände der Berliner Malzfabrik fand sich unsere Fotografin Roksana Jankowski überraschenderweise mitten in einem Tanztheater wieder. „Das was ich dort sah, erinnerte mich sofort an die Figuren des Triadischen Balletts von Oskar Schlemmer ­- die Form, das Künstlerische und die Bewegung.“ Für diese kinetische Skulptur ließ sich der Berliner Künstler Oliver Hahn in der Tat vom Tanz inspirieren. Seine „Drei Grazien“ nennt er selbst „eine Malmaschine, die immer irgendwelche Formen durch den Wind bewegt in den Himmel malt“. Denn mehr als 10 Jahre drehten die Grazien ihre Pirouetten über den Dächern von Berlin, bevor sie in diesem Sommer einen neuen Platz auf der Wiese in der Malzfabrik gefunden haben.

Große Baumeister unter sich

Foto: David Ortmann. Szenische Führung „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ am 23. und 24. September 2016 im Rahmen der Triennale der Moderne in Dessau. Autor: Andreas Hillger, Regie: David Ortmann, Schauspieler: Günther Sturmlechner und Simon Köslich.
Foto: David Ortmann. Szenische Führung „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ am 23. und 24. September 2016 im Rahmen der Triennale der Moderne in Dessau. Autor: Andreas Hillger, Regie: David Ortmann, Schauspieler: Günther Sturmlechner und Simon Köslich.

30. September 2016: Was hat sich Walter Gropius damals gedacht, als er seinem Arbeitsamt in Dessau die Form eines Halbkreises und mehrere Eingänge gab? Was sagt er zu den Holzrahmenfenstern, die wenige Jahre später nachträglich in die Außenmauern eingefügt wurden? Wer am vergangenen Wochenende zur Triennale der Moderne in Dessau unterwegs war, hatte die einmalige Gelegenheit, von Walter Gropius höchstpersönlich durch die Stadt geführt zu werden – doch nicht nur von ihm allein.

Unterwegs gesellte sich noch ein weiterer großer Baumeister hinzu, der zu seiner Zeit das Gartenreich Dessau-Wörlitz maßgeblich mit gestaltete: Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff. Gemeinsam spazierten dieser große Baumeister des Klassizismus und Gropius, der große Baumeister der Klassischen Moderne an diesem sonnigen Samstag Nachmittag durch Dessau, diskutierten angeregt ihre damaligen Ideen, Überlegungen und Entwürfe für die Stadt und zeigten sich nicht wenig verwundert, wie anders sich die Stadt doch seither entwickelt hat.

Mehr zur Triennale der Moderne 2016
Mehr zum Historischen Arbeitsamt von Walter Gropius

 

Mit dem Bauhaus auf Reisen

Foto: Elisabeth Schneider, Fürth
Foto: Elisabeth Schneider, Fürth

22. September 2016: Für Elisabeth Schneider aus Fürth ist Bauhaus in erster Linie eine Idee: reduziertes, farbenfrohes Design, das nicht vom Verwendungszweck ablenkt, sondern diesen im Gegenteil gestalterisch noch unterstreicht. Als sie dieses Frühjahr mit ihrer Familie das Bauhaus in Dessau besuchte, stieß sie dort nicht nur auf die ausgelegten Schablonen der Aktion „Die Welt sieht Bauhaus“.

Im Treppenhaus, ganz nahe an der Stelle, die Oskar Schlemmer unsterblich gemacht hat, sah sie am Rücken einer fünfjährigen Besucherin diesen eleganten Rucksack. Er stammt aus der Manufaktur eines Berliner Architektenpaars und ist - zum Unmut unserer Fotografin - ein Prototyp und noch nicht im Handel erhältlich. Frau Schneider zögerte nicht und machte sich eine fotografische Erinnerungsstütze - wenn der „Bauhaus Rucksack“ eines Tages in Serie geht, wird sicher nicht nur ihre Tochter damit bedacht…

 

Startschuss für die Bauhaus Agenten

Die Bauhaus Agenten auf dem Weg zur großen 100. Oben v.l.n.r.: Anne Schneider (Dessau), Maxie Götze (Weimar), Silke Wallstein und Tabea Kießling (Dessau). Unten v.l.n.r.: Friederike Holländer (Berlin), Dr. Silke Feldhoff (Programmleiterin Bauhaus Agenten Programm), Valerie Stephani (Weimar) Philine Sollmann (Dessau), Johannes Siebler (Weimar). Anja Edelmann (Berlin, nicht anwesend). Foto: Dina Blauhorn
Die Bauhaus Agenten auf dem Weg zur großen 100. Oben v.l.n.r.: Anne Schneider (Dessau), Maxie Götze (Weimar), Silke Wallstein und Tabea Kießling (Dessau). Unten v.l.n.r.: Friederike Holländer (Berlin), Dr. Silke Feldhoff (Programmleiterin Bauhaus Agenten Programm), Valerie Stephani (Weimar) Philine Sollmann (Dessau), Johannes Siebler (Weimar). Anja Edelmann (Berlin, nicht anwesend). Foto: Dina Blauhorn

16. September 2016: Pünktlich zum Beginn des Schuljahres 2016/2017 haben die Bauhaus Agenten in Berlin, Dessau und Weimar ihre Arbeit aufgenommen und trafen sich in der vergangenen Woche zu einem dreitägigen Kick-off Workshop im bauhaus re use in Berlin. „Die neun Bauhaus Agenten kommen aus den verschiedensten Disziplinen und bündeln ganz unterschiedliche Kompetenzen aus den Bereichen Theater, Architektur, Regie, Schauspiel, Gesang und Kunstvermittlung“, so die Programmleiterin für das Bauhaus Agenten Programm, Dr. Silke Feldhoff. Damit sind die Bauhaus Agenten bestens aufgestellt für ihre herausfordernde Aufgabe: Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern, Lehrern, Künstlern, Gestaltern, Architekten und Urbanisten werden sie in den kommenden vier Schuljahren innovative Vermittlungsangebote für die neuen Bauhaus-Museen in Berlin, Dessau und Weimar entwickeln.

Das Bauhaus Agenten Programm ist eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes mit der Klassik Stiftung Weimar, der Stiftung Bauhaus Dessau und des Bauhaus-Archiv Berlin/Museum für Gestaltung.

Mehr zum Programm Bauhaus Agenten
Mehr zum Programm „Bauhaus 2019“ der Kulturstiftung des Bundes

 

Bauhaus in der Rhön

Foto: Maria Kracht
Foto: Maria Kracht

8. September 2016: Im vergangenen Jahr hatte Maria Kracht im Haus am Horn in Weimar eine Ausstellung über Max Nehrling besucht und begab sich nun auf eine Bauhaus-Spurensuche in die Rhön. In der wunderbaren Landschaft – nur 120 Kilometer von Weimar entfernt – entstanden um 1920 viele Zeichnungen des Bauhaus-Künstlers. „Manchmal sind es die vermeintlich unscheinbaren Orte, die uns zu einer nötigen Inspiration verhelfen“, findet unsere Fotografin nach ihrer Entdeckungsreise und nimmt uns mit in kleine abgelegene Orte in der Rhön.

Dort gründete Max Nehrling 1913 in dem kleinen Dörfchen Föhlritz die „Künstlerkolonie Föhlritz“. Nur wenige Kilometer weiter war der Bildhauer Wilhelm Löber bis 1952 Dozent an der Schnitzschule Empfertshausen. Auch Löber war ein Bauhaus-Schüler und hatte unter Max Krehan und Gerhard Marcks in der Keramikwerkstatt des Bauhauses in Dornburg an der Saale studiert. Später war er ein Meisterschüler Gerhard Marcks’ an der Burg Giebichenstein in Halle. Um 1955 begründete er die Fischlandkeramik.

Auch der Ort Zella/Rhön darf hier nicht unerwähnt bleiben, meint Maria Kracht. Dort wuchs der Künstler Friedrich B. Henkel auf, der an der Schnitzschule Empfertshausen seine Holzbildhauerlehre absolvierte und in engem persönlichen Kontakt zu Gerhard Marcks stand. Kürzlich feierte Henkel seinen 80. Geburtstag und wird im September eine Ausstellung in Berlin Strausberg eröffnen. Das Bauhaus ist überall – auch in der Rhön, wie uns Maria Kracht auf ihrer Spurensuche gezeigt hat.

Mehr zu Max Nehrling
Mehr zu Gerhard Marcks
Mehr zu Max Krehan
Mehr zur Keramikwerkstatt

Mehr über Wilhelm Löber

 

Wer hat’s erfunden?

Montage: bauhaus100.de aus Screenshot Germany’s next Topmodel (Folge 11, Staffel 11, 14. April 2016) unter http://www.prosieben.de/tv/germanys-next-topmodel/video/1111-staffel-11-episode-11-blanker-horror-ganze-folge. Und: Heinrich Koch kariert auf dem Weissen Fest am Bauhaus Dessau, Fotograf unbekannt. Bauhaus-Archiv Berlin.
Montage: bauhaus100.de aus Screenshot Germany’s next Topmodel (Folge 11, Staffel 11, 14. April 2016) unter http://www.prosieben.de/tv/germanys-next-topmodel/video/1111-staffel-11-episode-11-blanker-horror-ganze-folge. Und: Heinrich Koch kariert auf dem Weissen Fest am Bauhaus Dessau, Fotograf unbekannt. Bauhaus-Archiv Berlin.

1. September 2016: Das Motto des diesjährigen Bauhaus-Festes „Zirkus, Zirkus – von Schwarz nach Weiß“ hat uns an ein Bild erinnert, das uns eine GNTM-Zuschauerin nach der Sendung vom 14. April zugesendet hat. Mit ihren schwarz-weißen Outfits wären die damaligen Kandidatinnen perfekt für das Fest in Dessau kostümiert. 1926 hatte der Bauhaus-Schüler Heinrich Koch übrigens eine ganz ähnliche Idee und erschien auf dem Weißen Fest am Bauhaus Dessau mit karierter Gesichtsbemalung und kariertem Kostüm.

Mehr zum Bauhaus-Fest 2016 „Zirkus, Zirkus – von Schwarz nach Weiß“

 

Zimmer mit Aussicht

Foto: Yussuf Samra
Foto: Yussuf Samra

25. August 2016: Yussuf Samra aus Beirut staunte nicht schlecht, als er seine über ein privates Netzwerk angemietete Ferienwohnung in Berlin bezog. Mit einem Baugerüst mitten vor dem Panoramafenster hatte der Architekt wirklich nicht gerechnet. Noch weniger aber mit dem Ausblick, der sich hinter dem blauen Schleier abzeichnete: War das nicht ein Werk des Bauhaus-Zeitgenossen Bruno Taut? Die gesamte gegenüberliegende Straße besteht aus einer leicht gekrümmten, fünfgeschossigen Wohnanlage, die der Vertreter des Neuen Bauens 1927–1928 für die Stadt Berlin errichtete. Diese Perle der Architekturgeschichte im heute trendigen Neukölln entschädigte den Reisenden zumindest nach Einbruch des Feierabends – wenn der Lärm der Bauarbeiten der idyllischen Stille einer kleinen Nebenstraße wich.

 

BAUHAUS ist ÜBERALL und ZEITLOS!

Foto: Enrique Villaseñor López, Berlin
Foto: Enrique Villaseñor López, Berlin

18. August 2016: Eigentlich wollte Enrique Villaseñor López seine Suche nach einem geeigneten Motiv für unsere Fotoaktion „Die Welt sieht Bauhaus“ im Bauhaus Archiv beginnen. Doch dann fiel ihm eines Morgens auf dem Weg zur Arbeit ein Stuhl im Stil des berühmten Wassily-Chair von Marcel Breuer auf. Dieser stand vor einem Berliner Trödelladen auf einer sehr alten Truhe inmitten vieler anderer alter Möbel und Gegenstände. „Das war beindruckend.“ so Enrique, der schon in seiner frühen Jugend – damals noch in Mexico – Bekanntschaft mit dem Bauhaus gemacht hat. „Wieder einmal wurde mir bewusst, dass das Design, die Architektur und die Kunst der Bauhaus-Schule hochgradig avantgardistisch ist.“ Wie innovativ Breuers Stühle aus gebogenem Stahlrohr damals in den 1920er-Jahren waren, lässt Enriques zufälliger fotografischer Vergleich erahnen.

 

Hamburger Heliophytogramme

Foto: Laura Raber
Foto: Laura Raber

11. August 2016: Vor kurzem ist unsere Fotografin Laura Raber auf dem Lüttville Sommercamp in Hamburg auf die Moholy-Nagys von morgen getroffen. Diese zeigen schon in ihren jungen Jahren ein beachtliches Talent bei der experimentellen Fotografie, wie auf den abgebildeten „Heliophytogrammen“ unschwer zu erkennen ist. Was es zu diesen Fotoexperimenten braucht? Ganz einfach – Fotopapier, Blumen, Klarsichtfolie und ein bisschen Sonne.

Die „Heliophytogramme“ hat der Künstler Herbert Wagner erfunden. Schon seit 2009 gibt er sein Wissen darüber alljährlich in einem Lüttville-Workshop an kleine Fotokünstler weiter. Doch war Herbert nicht der erste, der diese Foto-Technik erfunden hat. Als „Lumen Print“ ist sie nämlich auch außerhalb des Lüttville zu einiger Bekanntheit gekommen. Doch das interessiert die kleinen Fotokünstler weniger. Sie haben ihren Spaß auf ihrer einwöchigen, künstlerischen Ferienfreizeit und freuen sich schon auf das nächste Jahr – wenn auf dem Lüttville Sommercamp wieder 150 Kinder aus Hamburg-Wilhelmsburg in den verschiedensten Workshops gemeinsam experimentieren.

Mehr zum Lüttville Sommercamp

 

Tel Aviv - eine Stadt des Bauhauses

Foto: Jonathan Gradmann
Foto: Jonathan Gradmann

4. August 2016: Sommerzeit ist Reisezeit – daran lässt uns Jonathan Gradmann teilhaben. Vor kurzem reiste der Weimarer Student nach Tel Aviv und zeigt sich sehr beeindruckt: „Ich habe mich gefragt, was diese Stadt so besonders macht. Natürlich sind es die Menschen und die Kulturen (auch das gute Essen), aber ein großer Aspekt ist definitiv die Architektur, die das Bild der Stadt ausmacht und ihr urbanes Flair prägt. An jeder Ecke kann man Bauhaus entdecken. In kaum einer Stadt ist die Seele von Bauhaus so spürbar, wie in Tel Aviv.“

 

Turm des Feuers

Foto: Petra Kirschstein
Foto: Petra Kirschstein

28. Juli 2016: Nach vielen Jahren reiste Petra Kirschstein erstmals wieder für ein paar Tage nach Weimar – den Ort, den sie von lange zurückliegenden Familienbesuchen noch aus DDR-Zeiten kannte. „Ich war einerseits ein bisschen traurig darüber, dass sich dieses Kindheitsgefühl nicht einstellen wollte und andererseits fasziniert von dieser lebendigen, tollen Stadt.“ so unsere Fotografin.

„Dies alles verbinde ich mit dem Turm des Feuers von Johannes Itten und dem entstandenen Foto. Das Leben ist eine Einheit. Vom Anfang bis zum Ende. Ein wunderbares Zusammenspiel zwischen Erinnerung und Erinnerungen schaffen, Gegenwart und Zukunft. Ein Geschenk, dass wir immerfort die Perspektive wechseln können.“

Für all diejenigen, die sich in Weimar nicht auf die Suche nach Kindheitserinnerungen begeben, sondern nach Spuren des Bauhauses an seinem Gründungsort suchen, denen sei das Bauhaus-Museum am Weimarer Theaterplatz empfohlen. Dort steht auch der Nachbau von Johannes Ittens „Turm des Feuers“ aus dem Jahr 1920, den unsere Fotografin hier durch die Schablone aufgenommen hat. Das Original aus buntem Glas und 12 Schellen stand damals übrigens im Weimarer Ilmpark ­– vor Johannes Ittens Atelier im Tempelherrenhaus, von dem heute aber nur noch die Ruine zu sehen ist.

Zum Bauhaus-Werk „Turm des Feuers“, Johannes Itten, 1920

 

baden à la Feininger

Foto: Benjamin Haumann, München
Foto: Benjamin Haumann, München

21. Juli 2016: „Noch als Kind bin ich über einen Band mit Bauhaus-Künstlern auf das Werk von Lyonel Feininger gestoßen. Ich habe mich nach der Schule in die Badewanne gelegt und darin gelesen, immer in Sorge, das schöne Buch bloß nicht nass zu machen“, so der Münchner Kunstgeschichtsstudent Benjamin Haumann. „Als ich am vergangenen Wochenende das erste Mal die Chance hatte, Dessau zu besuchen, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen: Ich musste mich in Feiningers Meisterhaus in die Badewanne setzen und den Ausblick genießen, den der von mir so geschätzte Künstler nach dem Malen genießen konnte."

 

Eröffnung der Geschäftsstelle 100 jahre bauhaus in Weimar

Foto: Axel Clemens
Foto: Axel Clemens

15. Juli 2016: Kuratoriumsvorsitzende des Bauhaus Verbundes 2019, Thüringens Kulturstaatssekretärin Dr. Babette Winter, Dr. Regina Bittner (Stiftung Bauhaus Dessau), Prof. Wolfgang Holler (Klassik Stiftung Weimar), Dr. Annemarie Jaeggi (Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, Berlin), und das Team der Geschäftsstelle Dr. Sven Sappelt (Leitung Programm), Christian Bodach (Leitung Projektmanagement) und Andrea Dietrich (Thüringen Koordinatorin bauhaus100) eröffnen die Geschäftsstelle 100 jahre bauhaus in Weimar.

 

Bauhaus-Spirit bei Sasha Waltz

Foto: Giacomo Cosua, Berlin, durch die Schablone fotografiert von bauhaus100.de
Foto: Giacomo Cosua, Berlin, durch die Schablone fotografiert von bauhaus100.de

7. Juli 2016: Sasha Waltz, Choreografin, Bundesverdienstkreuz-Trägerin, weltweit gefeierte Ikone des zeitgenössischen Tanzes – gilt als überzeugte Grenzgängerin. „Das Bauhaus steht  für den Geist der Offenheit, die Lust am Experiment und die Neugierde, von anderen Disziplinen zu lernen – das ist unglaublich fruchtbar. Diese Haltung der Offenheit – auch und gerade beim Publikum – möchte ich mit meiner Arbeit befördern,“ sagte Sasha Waltz im Gespräch mit bauhaus100.de.

Wir trafen sie kürzlich im Berliner Radialsystem V im Rahmen ihrer Festival-Reihe „ZUHÖREN“, bei dem sich Gespräche über kulturelle und künstlerische Identität, Flucht und Migration mit Improvisationen, Konzerten und Installationen zu einem „dritten Raum für Kunst und Politik“ verbanden. Unser Bild der Woche zeigt einen der seltenen Momente, in denen Sasha Waltz noch selbst auf der Bühne steht – gemeinsam mit Tänzerinnen und Tänzern ihrer Compagnie und musikalisch Experimentierfreudigen wie dem Steel-Cello-Erfinder Bob Rutman, der Improvisations-Marathon-Percussionistin Robyn Schulkowsky oder dem Istanbuler Barockfagottisten Burak Özdemir (im Bild nicht zu sehen). Cross-Over der Disziplinen, Generationen und kulturellen Backgrounds in bester Bauhaus-Tradition!

 

Bauhaus in Bewegung

Foto: David Salokin
Foto: David Salokin

30. Juni 2016: Unser Bild der Woche entführt uns diesmal in das Jahr 1933, als sich am 30. Juli in Marseille die Mitglieder der Congrès Internationaux d‘Architecture Moderne (CIAM) an Bord des Dampfers Patris II zu einer Fahrt nach Athen versammelten. Dieser legendäre 4. CIAM-Kongress zur „funktionalen Stadt“ markierte den Wendepunkt hin zu einer modernen Stadtplanung. Kein Geringerer als Bauhaus-Ikone László Moholy-Nagy war beauftragt worden, das Aufeinandertreffen von Ikonen wie Le Corbusier (hier im Bild bei einer Präsentation während der Überfahrt), CIAM-Präsident Cornelis van Eesteren und Fernand Léger filmisch zu dokumentieren.

Moholy-Nagys einzigartiges Zeitdokument ist aktuell im Kölner Museum Ludwig im Rahmen der Ausstellung „Fernand Léger. Malerei im Raum“ zu sehen. „Die moderne Architektur und einige ihrer wichtigsten Vertreter im Rahmen eines zeitgenössischen Bewegtbilds zu sehen, hat Gänsehaut bei mir erzeugt – vor allem, wenn man daran denkt, dass das Bauhaus in Berlin nur wenige Tage zuvor für immer seine Tore schließen musste,“ so David Salokin, der diesen Schnappschuss für uns angefertigt hat.

 

Wohnen mit den Bauhäuslern

Foto: Uta Neu
Foto: Uta Neu

22. Juni 2016: Während einer Exkursion war Uta Neu mit ihrer Reisegruppe am Bauhaus Dessau im ehemaligen Ateliergebäude, dem Prellerhaus, untergebracht. Dort wo einst die Jungmeister und auch einige Studenten wohnten, kann ein Bauhaus-Fan „die ehemalige Bauhaus-Atmosphäre aus nächster Nähe schnuppern“, findet unsere Fotografin. Eines ihrer Lieblings-Motive hat sie versucht, mit unserer bauhaus100-Schablone einzufangen: die Balkone des Prellerhauses.

 

Licht-Raum-Modulator

Foto: Will Johnston, Cambridge, USA
Foto: Will Johnston, Cambridge, USA

16. Juni 2016: Unser Bild zeigt ein Galeriegespräch vom 11. Mai 2016 am Harvard Art Museum in Cambridge, MA USA. Robert Wiesenberger, Stipendiat am Busch-Reisinger-Museum (rechts im Bild) erläuterte Moholy-Nagys "Licht-Raum-Modulator" und setzte ihn anschließend für eine Minute in Bewegung. Hier kann man Moholy-Nagys Kunstwerk in Bewegung sehen.

 

gropiushockey

Foto: Nina Propper, Berlin
Foto: Nina Propper, Berlin

9. Juni 2016: Nina Propper aus Marzahn war mit ihrem Sohn Aaron in Gropiusstadt im Club für Leibesübungen. Zu Füßen der von Walter Gropius geplanten Trabantenstadt maß sich der sportliche Nachwuchs im Hockey, während Mama Ninas Blicke immer wieder in die Umgebung streiften. „Ich habe sogar den Jugend-Club aus Christiane F. entdeckt. Es war ein richtiger Ausflug zurück in die Berliner und westdeutsche Geschichte.“ Ob Aaron das auch so gesehen hat? Er schüttelt den Kopf. Für ihn zählt nur das nächste Spiel, denn diesmal hat seine Mannschaft 0:5 verloren.

 

Hommage an O. Schlemmer

Foto: Michael Knauth, Jahnsdorf
Foto: Michael Knauth, Jahnsdorf

2. Juni 2016: Wer kennt sie nicht – Oskar Schlemmers „Bauhaustreppe“? Das berühmte Gemälde entstand 1932 in Breslau. Bereits 1928 hatte Schlemmer eine Skizze dafür angefertigt. Inspiriert hatte ihn damals ein Foto von T. Lux Feininger, das zum Abschied von Walter Gropius entstanden war. Das Foto zeigte die Weberinnen um Gunta Stölzl auf der Treppe im Dessauer Bauhaus.

Nun hat Oskar Schlemmers „Bauhaustreppe“ die Idee zu einem Bild der Woche gegeben. Doch sind es diesmal nicht die Weberinnen, sondern Familie Knauth aus Jahnsdorf im Erzgebirge. Am Himmelfahrtswochenende hatte der traditionelle Bildungsausflug die Familie nach Dessau geführt. „Das Bild von Oskar Schlemmer hatten wir als Vorbereitung auf den Ausflug genutzt und mit der Schablone hat sich dann spontan die Idee zu diesem Bild ergeben.“, so unser Fotograf. Wir sagen Danke an Familie Knauth, dass sie ihre Hommage an Oskar Schlemmer mit uns teilt.

 

Reporting from the Front

Foto: Franziska Eidner, Berlin
Foto: Franziska Eidner, Berlin

28. Mai 2016: Heute eröffnet die weltweit größte Architekturausstellung in Venedig. bauhaus100.de ist vor Ort unterwegs – auf der Suche nach revolutionären und alltäglichen Gestaltungsideen & dem Bauhaus-Spirit von heute. Mehr über die Architekturbiennale Venedig 2016, die noch bis zum 27. November geöffnet ist, demnächst auf bauhaus100.de.

 

Bauhaus-Tagebuch

Foto: Mila Makarova, Moskau
Foto: Mila Makarova, Moskau

19. Mai 2016: Diesmal gewährt uns Mila Makarova aus Moskau Einblicke in ihr Reisetagebuch. Als Kunstlehrerin durfte auf ihrer Berlin-Reise das Bauhaus-Archiv natürlich nicht fehlen. „Ich war vor allem fasziniert von den einfachen Farben. Wenn ich einen Unterricht zu diesem Thema machen müsste, dann würde ich das Thema Farbe und Form mit Hilfe einer Collage-Technik erklären.“, verrät sie uns.

 

Lichtspiel

Foto: Kascha Lemke
Foto: Kascha Lemke

12. Mai 2016: Diesmal nimmt uns unsere Fotografin Kascha Lemke mit auf die Reise in eine Welt aus Licht und Farben. Danke für diese schöne Farb-Licht-Raum-Inszenierung!

 

Anders hinschauen!

Foto und Reklameskulptur: Robert Verch
Foto und Reklameskulptur: Robert Verch

5. Mai 2016: Robert Verch schickte uns dieses schöne Bild seiner Skulptur vor dem Bauhaus in Dessau. Für die Ausstellung „Große Pläne!“ hat er den Grafiker und Werbekünstler Walter Dexel (1890–1973) thematisiert. Dexels Reklame basierte auf einer rein typografisch und farbig gestalteten Werbebotschaft. Damit gestaltete er unter anderem Leuchtreklamen für Litfaßsäulen, Verkehrszeichen aber auch Plakate und Plastiken.

Das was damals noch in den Kinderschuhen steckte, ist heute aus unserem Alltag und dem Stadtraum nicht mehr wegzudenken. Robert Verchs Skulptur fordert in der Dexelschen Ästhetik mit der Frage heraus, „wie man Werbung ungesehen machen kann“. Verchs knappe Botschaften spielen dabei mit der Wahrnehmung und der Aufmerksamkeit des Betrachters – sie verändern sich im Vorbeigehen und offenbaren sich erst, wenn man sich der Skulptur neugierig nähert.

 

Bauhaus Ideas

Foto: Gerhard Rieskamp
Foto: Gerhard Rieskamp

28. April 2016: Zu was das Bauhaus einen Architekten heute alles inspirieren kann, zeigt uns Gerhard Rieskamp. Der begeisterte Lego-Bauer hat aus 694 Legosteinen das Bauhaus-Gebäude in Dessau nachgebaut und vor dem Original in Dessau in Szene gesetzt. „Mich fasziniert das Entwickeln von Modellen“, so Rieskamp. „Es ist eine Herausforderung, sich dabei gestalterisch auf das Wesentliche zu reduzieren.“

Aktuell bewirbt sich unser Lego-Bauer mit seinem Bauhaus-Modell bei „Lego Ideas“. In den nächsten zwei Jahren muss er 10.000 Stimmen für sein Projekt sammeln. Dann könnte mit ein bisschen Glück Gerhard Rieskamps Lego-Bauhaus pünktlich zum Jubiläum 2019 für Bauhaus- und Lego-Liebhaber als Bausatz auf den Markt kommen. Wir wünschen ihm dabei viel Glück!

Zur Abstimmung bei „Lego Ideas“

 

Back to the Roots

Foto: Roksana Jankowski
Foto: Roksana Jankowski

21. April 2016: Roksana Jankowski hat auf einem Besuch am Bauhaus Dessau dieses schöne Foto von einer dort ausliegenden Broschüre geschossen. „Das Bild mit der alten Lochkamera ist mir sofort ins Auge gesprungen.“ verrät sie uns. „Ich bin Fotografin und die experimentelle Fotografie am Bauhaus hat mich schon immer fasziniert. Das Bild hat mich an meine Anfänge in der Lehrzeit erinnert, als ich selbst mit einer Lochkamera experimentiert habe.“

 

Foto: Katharina Städele
Foto: Katharina Städele

14. April 2016: Katharina Städele aus Karlsruhe hat uns dieses außergewöhnliche Tattoo zugesandt. „Mich hat an diesem Tattoo sofort das Grafische angemacht. Man muss schon ein paar Mal hinsehen, um zu begreifen, was da abgebildet ist.“ Für Städele ist der Gegenstand der Darstellung aber nicht nur aus optischer Hinsicht interessant.

„Ich habe früher Ballett getanzt und natürlich auch vom 'Triadischen Ballett' gehört. Ich habe mir aber nie vorstellen können, dass man sich in diesen Kleidern besonders gut bewegen kann.“ Schon bald hat unsere Fotografin der Woche die Gelegenheit, dies persönlich zu überprüfen: Anlässlich der Ausstellung „Alles ist Design“ in der Bundeskunsthalle Bonn kommt am 30. April 2016 auch eine Neuinterpretation des Schlemmerschen Balletts auf die Bühne.

 

Metamorpheus

Foto: Tina Stamatova
Foto: Tina Stamatova

7. April 2016: Tina Stamatova aus Hamburg war zu Besuch bei einer Freundin in Berlin, die sie an einen außergewöhnlichen Ort in Neukölln entführte. „Wir liefen über Sandberge und Bauschutt, mussten eine Barriere überqueren und Google Maps erwies sich als völlig nutzlos.“ Das Ziel war eine Treppe im Hinterhof eines alten Industriegeländes. Als sie herabgestiegen war, staunte sie nicht schlecht.
 
Mitten in diesem Nichts glaubte sie in einem David Lynch Film gelandet zu sein: schrille Kunstinstallationen, schräg geschminkte junge Gäste, ein Konzert indischer und syrischer Musiker. „Das Zentrum der Vernissage war eine Figur, die deutlich sichtbar an Fäden hing. Sie trug den Namen Metamorpheus.“ Wie Orpheus waren die Gäste herabgestiegen in die Unterwelt, um sich hier zu verwandeln. „Für mich ist Bauhaus stetige Verwandlung. Um den Fäden zu entrinnen, die uns zu lenken scheinen, in unserem Denken, in unserer Wahrnehmung, aber auch in unseren Gewohnheiten.“

 

Punkt und Linie zu Fläche

Foto: Benjamin Grau
Foto: Benjamin Grau

31. März 2016: Pünktlich zum Jahrestag der Gründung des Bauhauses am 1. April 1919 erreicht uns ein Bild aus Weimar. An seinem Gründungsort inspiriert der Geist des Bauhauses offensichtlich auch Street Art Künstler, wie unser Fotograf Benjamin Grau beweist.

Zu sehen ist Wassily Kandinsky, der 1922 von Walter Gropius an das Bauhaus gerufen wurde und dort bis zur Schließung im Jahr 1933 die Kurse „Abstrakte Formelemente“ und „Analytisches Zeichnen“ unterrichtete.

 

Einfach, zeitlos, schön!

Foto: Ran Keren
Foto: Ran Keren

24. März 2016: Vor Kurzem machte Bauhaus-Fan Ran Keren aus München bei der Sonderschau „Schmuck München 2016“ eine überraschende Entdeckung. „Beim Betreten der Teil-Ausstellung ‘Rattle your Jewellery’ fiel mir sofort die Formgebung der abgebildeten Schmuckstücke als Abbild der Bauhaus-Grundformen auf“, so der Fotograf und Designer. „Mich begeisterte sofort, dass diese Konstellation zeitlos die Designer befruchtet und sich so lebendig hält.“

In den 1920er-Jahren hatte Bauhaus-Lehrer Johannes Itten in seiner „expressiven Farblehre“ den geometrischen Grundformen charakteristische Farben zugewiesen: Rot für das Quadrat, Gelb für das Dreieck und Blau für den Kreis.

 

Lykke til Bauhaus!

Foto: Jeannette Merker
Foto: Jeannette Merker

17. März 2016: Auch aus Norwegen erreichen uns Bauhaus-Grüße. Was die Bauhäusler wohl zu dieser kuriosen Architekturinstallation in der Munkegata im Stadtzentrum von Trondheim gesagt hätten?

 

Sehnsucht nach dem Bauhaus

Foto: Frau Reichenbach, Weimar
Foto: Frau Reichenbach, Weimar

10. März 2016: Unser heutiges Bild der Woche ist inspiriert von der Experimentierfreude mit dem Medium Fotografie am Bauhaus. Nachdem die Fotografie in den ersten Jahren am Bauhaus vor allem zur Dokumentation der entstandenen Werke diente, wurde sie ab 1923 mit László Moholy-Nagy als künstlerisches Experimentierfeld entdeckt.

Bei unserer Fotografin Frau Reichenbach aus Weimar hat unsere Fotoaktion „Die Welt sieht Bauhaus“ aber auch die Sehnsucht nach dem Bauhaus und der Ferne geweckt. „Ich habe daran gedacht, wie schön es wäre, mal wieder nach Dessau zu fahren“, verrät uns der große Bauhaus-Fan. In Erwartung des Jubiläums 2019 werden sich hier schon bald zahlreiche Anlässe bieten – auch über Dessau hinaus.

 

Villa mit Ausblick

Villa Tugendhat in Brno, Foto: Flemming Herre, Berlin
Villa Tugendhat in Brno, Foto: Flemming Herre, Berlin

3. März 2016: Auf einer Reise von Wien nach Berlin im Sommer 2015 bot sich für Flemming Herre die Gelegenheit zu einem Halt im tschechischen Brno. „Seit langem wollte ich die Villa Tugendhat von innen sehen.“ Das 1928-30 nach Plänen von Mies van der Rohe erbaute Wohnhaus für den Textilfabrikanten Fritz Tugendhat zählt zu den Meisterwerken der modernen Architektur und seit 2001 zum UNESCO-Welterbe. „Sehr beeindruckend.“, findet unser Fotograf. „Alles bis ins letzte Detail durchdacht – gerade für die Zeit um 1929/30 unwahrscheinlich innovativ! Mein Lieblings-Gadget: die riesige auf Knopfdruck herunter fahrbare Panoramaschreibe. Im Keller ist dafür ein eigener Motor aufgestellt.“

Seit 2012 kann die Villa nach einer umfassenden Sanierung wieder besichtigt werden. Wer es Flemming Herre nachtun möchte, sollte seinen Besuch jedoch rechtzeitig planen und einen Platz für die gefragten Besichtigungen der Villa reservieren.

Mehr zur Villa Tugendthat in Brno
Sehenswert: Dokumentarfilm Haus Tugendhat von Dieter Reifarth

 

Mit Architektur die Welt verbessern

In bester Bauhaus-Weltverbesserungs-Tradition: Alejandro Aravena (rechts) bei einer Pressekonferenz zur Architektur-Biennale Venedig
In bester Bauhaus-Weltverbesserungs-Tradition: Alejandro Aravena (rechts) bei einer Pressekonferenz zur Architektur-Biennale Venedig

25. Februar 2016: Das Bild der Woche hat die bauhaus100-Redaktion heute in der Italienischen Botschaft in Berlin aufgenommen. Alejandro Aravena, der jüngst für seine sozial engagierte Architektur mit dem weltweit renommiertesten Architekturpreis – dem Pritzker-Preis 2016 – ausgezeichnet wurde, stellte dort seine Planungen für die diesjährige Architektur-Biennale in Venedig vor – der größten und wichtigsten internationalen Ausstellung zu aktuellen Themen in Architektur und Stadtentwicklung. Aravenas Motto „Reporting from the Front“ geht an die Grenzen von Architektur und darüber hinaus und richtet den Blick auf die Komplexität der Aufgaben und die Herausforderungen für Architekten, um die Lebensbedingungen von Menschen weltweit zu verbessern. Mehr als 60 Nationen beteiligen sich mit eigenen Beiträgen. Die Architektur-Biennale läuft vom 28. Mai bis zum 27. November 2016 in den Giardini und im Arsenale in Venedig.

Mit Architektur und Gestaltung die Welt verbessern – mit diesem Anspruch traten einst auch die Bauhäusler an. „Volksbedarf statt Luxusbedarf“ forderte zum Beispiel der zweite Bauhaus-Direktor Hannes Meyer, dessen Prinzipien einer gemeinschaftlichen Gestaltung später unter anderem auch in Chile fortgeführt wurden. „Für mich ist das Bauhaus aufgrund seiner herausragenden ethischen Praxis von Bedeutung“, sagte der Alejandro Aravena jüngst im Interview mit der Zeitschrift Bauhaus (Ausgabe 7). „Diese Reinheit der Prinzipien ist nach wie vor sehr erstrebenswert in einer Welt, die von Kurzfristigkeit, Unmittelbarkeit, Umsatz und Gewinn regiert zu sein scheint.“

Mehr über die Architektur-Biennale Venedig
Mehr über Alejandro Aravena

 

Der Himmel über der Weißen Stadt

Max Liebling Haus in Tel Aviv, Foto: Winfried Brenne
Max Liebling Haus in Tel Aviv, Foto: Winfried Brenne

18. Februar 2016: In dieser Woche nimmt uns Winfried Brenne mit nach Tel Aviv in die „Weiße Stadt“, dem weltweit größten Ensemble von Gebäuden der klassischen Moderne. Sein Foto zeigt das Max Liebling House, erbaut von Dov Karmi (1905–1962). Dieser gründete 1934 gemeinsam mit dem ehemaligen Bauhaus-Schüler Arieh Sharon (1900–1984) und anderen den Architektenring „Chug“ (Ring), der für die Verbreitung der Ideen des Neuen Bauens in Israel eintrat.

Als Spezialist für die Restaurierung moderner Bauten war Winfried Brenne zu einer Tagung des deutsch-israelischen Fachbeirates eingeladen, der die Revitalisierung der Weißen Stadt als UNESCO-Weltkulturerbe fördern soll. Dafür soll im Max Liebling Haus ein Denkmalschutz- und Architekturzentrum „Weiße Stadt“ eingerichtet werden. Wir freuen uns darauf, mehr aus Tel Aviv zu erfahren.