Das neue Taschenbuch „bauhaus news“ versammelt Statements von internationalen Bauhaus-Experten, Ausstellungsmachern, Künstlern, Architekten und Pädagogen zum Bauhaus Jubiläum: Dass es sich bei dem 100. Geburtstag des Bauhauses um ein Ereignis von besonderer nationaler und internationaler Bedeutung handelt, scheint jedem klar zu sein – doch warum eigentlich? Worin sehen zeitgenössische Denker, Gestalter und Forscher die Bedeutung der Hochschule für das 21. Jahrhundert? Und was bedeutet das für den Umgang mit dem Welterbe?

Foto: Roksana Jankowski, 2016.
Foto: Roksana Jankowski, 2016.

Diese Fragen beschäftigten im Dezember 2014 etwa 70 Künstler, Designer, Architekten, Kuratoren, Museologen und Pädagogen aus aller Welt. Sie waren der Einladung der Bauhaus Kooperation Berlin Dessau Weimar und der Kulturstiftung des Bundes zu einem Arbeitssymposium an das Bauhaus Dessau gefolgt, um Thesen, Fragestellungen und Formate für die Ausrichtung des Bauhaus Jubiläums 2019 zu sondieren. Unter dem Titel „100 Jahre Neues aus dem Bauhaus? Talks and Walks on Updating a Modern Heritage“ sollte es um eine kritische und fruchtbare Auseinandersetzung mit dem Bauhaus gehen. Die von der Bauhaus Kooperation Berlin Dessau Weimar Ende 2015 herausgegebene Publikation „bauhaus news. Stimmen zur Gegenwart“ fasst die in Dessau geführte Debatte pointiert zusammen. Entstanden ist ein kompaktes und inspirierendes Lesebuch im handlichen Format – die Jubiläumslektüre für die Handtasche.  

Versammelt unter den drei Thesen „Das Bauhaus hat keinen Ort“, „Das Bauhaus ist Alltag und Exponat zugleich“ und „Das Bauhaus braucht kein Update“ geht es um Fragen wie: Was hat uns die Moderne mit ihrem visionären Überschuss heute noch zu sagen? Was kann mit Gestaltung bewegt werden? Wie kann man das Bauhaus ausstellen? Soll es eher als Schule oder als Museum, als sich bewegendes Schiff oder als feststehendes Haus betrachtet werden? Was bedeutet das für die Bauhaus-Museen der Zukunft? 

Foto: Roksana Jankowski, 2016.
Foto: Roksana Jankowski, 2016.

Die Antworten, Denkansätze und Ableitungen sind so vielschichtig, wie das Bauhaus selbst – während Éva Forgács, Professorin für Kunstgeschichte am Art Center College of Design in Pasadena beispielsweise schreibt, das Bauhaus habe aufgrund seiner internationalen und interdisziplinären Wirkung keinen eindeutig bestimmbaren Ort, sieht der Weimarer Bauhaus-Experte Michael Siebenbrodt die Hochschule ganz klar in einem historischen und regionalen Kontext verortet. Zur Aktualisierungsfrage konstatiert Laura Weißmüller, Feuilletonistin der Süddeutschen Zeitung, dass es vor allem der Glaube an eine bessere Welt sei, der die heutige Relevanz des Bauhauses ausmache und die Herausgeberin des niederländischen Architekturmagazins „Archis“, Lilet Breddel sieht eine Anwendung der Grundprinzipien des Bauhauses auf die heutige Zeit immer noch als absolut lohnenswert an.

Folgt man den Positionen zu der Frage, wie und ob man das Bauhaus ausstellen kann, so werden die drei neuen Bauhaus-Museen in Weimar, Dessau und Berlin innovative Orte der Wissensvermittlung sein. Barbara Welzel, Bildungsexpertin von der TU Dortmund, sieht die Bauhaus-Museen als Laboratorien einer demokratischen Öffentlichkeit und Orte der Aufklärung über Dinge. Die Direktorin von Die Neue Sammlung - The International Design Museum München, Angelika Nollert, betrachtet sie als „Räume der Möglichkeiten“ und Kai-Uwe Hemken von der Kunsthochschule Kassel fordert ein diskursives Museum, um den Bauhaus-Leitspruch „Produktion statt Reproduktion“ fortzuschreiben.

László Moholy-Nagy, Hannes Meyer, Walter Gropius und andere Bauhäusler kommen in historischen Texten ebenso zu Wort und unterstreichen, dass das Bauhaus von jeher ein Ort des Diskurses war. In diversen Beiträgen zur internationalen Bedeutung des Bauhauses geht es außerdem um den weltweiten Einfluss und die bis dato eher wenig erforschten Ausprägungen der Bauhaus-Ideen in Ost-Asien, Lateinamerika, Indien, Israel oder Afrika.

Text: Gesine Bahr.