Unter dem Motto „Sharing Heritage“ sollen im Europäischen Kulturerbejahr 2018 die gemeinsamen kulturellen Wurzeln betont und die Vielfalt des Kontinents dokumentiert und gefördert werden. Mehr als 100 Organisationen und Einrichtungen haben sich bereits auf der eigens gegründeten Internetplattform registriert, darunter auch spannende Projekte zum Thema Denkmalschutz und Denkmalpflege.

Spiegelung des Kölner Doms / Foto: Túrelio 2009
Spiegelung des Kölner Doms / Foto: Túrelio 2009

„Das Kulturerbe ist das Kernstück der europäischen Art zu leben. Zum Kulturerbe gehören nicht nur Literatur, Kunst und Gegenstände – wir begegnen ihm auch in dem Handwerk, das wir erlernen, den Geschichten, die wir erzählen, dem Essen, das wir genießen und den Filmen, die wir uns ansehen.  Es definiert, wer wir sind, und schafft ein Gefühl der Zugehörigkeit. Wir müssen unser kulturelles Erbe schützen und für die kommenden Generationen bewahren.“ Mit diesen Worten eröffnete der für Bildung, Kultur, Jugend und Sport zuständige EU-Kommissar Tibor Navracsics das Europäische Jahr des Kulturerbes Anfang Dezember 2017 in Mailand.

„Sharing Heritage“ lautet denn auch das Motto des Europäischen Kulturerbejahrs, das auf eine Initiative des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz, des Bundes, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zurückgeht. Auf europäischer Ebene wird es mit rund 8 Millionen Euro gefördert. In Deutschland hatten die Präsidentin des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz (DNK) Martina Münch – zugleich Brandenburgs Kulturministerin – und Kulturstaatsministerin Monika Grütters im März 2017 in Berlin öffentlich zur Mitwirkung am Europäischen Kulturerbejahr 2018 aufgerufen.

Lichtinstallation „Europa“, St.Agnes Galerie Berlin (Kirchengebäude von Werner Düttmann, 1967) / Foto: Julia Dölker, Berlin 2017
Lichtinstallation „Europa“, St.Agnes Galerie Berlin (Kirchengebäude von Werner Düttmann, 1967) / Foto: Julia Dölker, Berlin 2017

In Zeiten, in denen sich der europäische Gedanke von unterschiedlichsten nationalistischen Bewegungen und Autonomiebestrebungen einzelner Länder bedroht sieht, verweist die Europäische Kommission auf das gemeinsame Erbe, das es zu bewahren und zu pflegen gilt. Mehr als 100 Sharing-Heritage-Projekte sind bereits auf der gleichnamigen Onlineplattform registriert. Zur besseren Übersicht wurden die Projekte vom Nationalen Programmbeirat in fünf Leitthemen untergliedert: „Europa: Austausch und Bewegung“, „Europa: Grenz- und Bewegungsräume“, „Die Europäische Stadt“, „Europa: Erinnern und Aufbruch“ sowie „Europa: Gelebtes Erbe“.

„Vor dem Hintergrund aktueller Herausforderungen in Europa und weltweit können wir mit dem Kulturerbejahr das Verbindende unserer gemeinsamen kulturellen Wurzeln und zugleich die kulturelle Vielfalt des Kontinents in den Blickpunkt rücken. Mit dem Kulturerbejahr wollen wir wieder ‚Lust‘ auf Europa machen“, so beschreibt Martina Münch die Motivation für das Projekt.

Mehrere der auf der Plattform vorgestellten Projekte widmen sich dem Denkmalschutz. So findet beispielsweise vom 8. bis 10. November 2018 im Rahmen der Leipziger Messe die Fachmesse „denkmal“ statt. Als Europäische Leitmesse für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung versammeln sich unter den Ausstellern Marktführer und renommierte Marken, Handwerks- und Restauratorenbetriebe sowie angesehene Institutionen.

Ehemalige Synagoge Görlitz, Hauptportal / Foto: Peter Mitsching, © Amt für Denkmalschutz, Görlitz
Ehemalige Synagoge Görlitz, Hauptportal / Foto: Peter Mitsching, © Amt für Denkmalschutz, Görlitz

Wer sich schon vorher in das Thema Denkmäler einarbeiten möchte, besucht am besten den „Tag des öffentlichen Denkmals“ am 9. September 2018: Die Türen von mehr als 7.500 Denkmälern in ganz Deutschland öffnen sich. Geboten werden vielfache Sonderführungen, die bisher unbekannte Aspekte des Denkmals beleuchten. Eine weitere Onlineplattform initiierte der Zentralverband des deutschen Handwerks gemeinsam mit dem Fraunhofer Informationszentrum Raum und Bau: Die Plattform „Handwerkliche Restaurierung und Denkmalpflege“ bündelt die Interessen des Handwerks, stellt die Kommunikation mit den Kulturerbeeinrichtungen auf Bundesebene sicher, schafft Aufmerksamkeit für die handwerklichen Akteure, Leistungen und Themen und fördert den Dialog mit den Auftraggebern und Kunden des Handwerks. So konnte etwa eine Sitzgruppe von Peter Behrens (1868-1940) restauriert werden.

Der Designer und Werkbund-Vertreter Peter Behrens wird mit Sicherheit nicht die einzige Verbindung zu den Vordenkern des Bauhauses sein. Wir dürfen gespannt sein, welche Querverbindungen zwischen dem Europäischen Kulturerbejahr 2018 und 100 jahre bauhaus noch entstehen – eine gute Einstimmung auf das Bauhaus-Jubiläum 2019 ist es allemal.

 

 

[ CG 2017 ]