Ein Jahr vor der großen 100 wartet das Jubiläumsprogramm des Bauhaus Verbunds 2019 mit vielen interessanten Veranstaltungen auf, die sich dem Bauhaus und seinen Ideengebern aus unterschiedlichsten Perspektiven widmen.

Sofa aus der historischen Ausstattung des Hauses Lemke (mit dem Schauspieler Christof Düro im Vordergrund), heute im Kunstgewerbemuseum Berlin / Foto: René Müller / Mies van der Rohe Haus
Sofa aus der historischen Ausstattung des Hauses Lemke (mit dem Schauspieler Christof Düro im Vordergrund), heute im Kunstgewerbemuseum Berlin / Foto: René Müller / Mies van der Rohe Haus

Frei nach dem Motto: Nach dem Jubiläum ist vor dem Jubiläum widmet sich der Württembergische Kunstverein der kritischen Revision einer Ausstellung, die bereits im Jahr 1968 als Retrospektive konzipiert worden war: „50 Jahre Bauhaus 1968“ wurde seinerzeit von Walter Gropius und Herbert Bayer produziert und tourte erfolgreich bis 1971 durch die Welt. Die Ausstellung „50 Jahre nach 50 Jahre 1968“ erfüllt heute einen doppelten Zweck: Einerseits kann sie als Quellenarchiv für die bis dato bestehenden Bauhausprodukte und -ideen dienen. Andererseits – und hier liegt die eigentliche Aufgabe dieser Re-Lektüre – funktioniert sie als Zeitdokument für die Lesart der Bauhäusler in den späten Sechzigern und ihrem eigenen Blick auf das fünfzigjährige Erbe. Die Ausstellung beginnt am 5. Mai und endet am 23. September 2018.

Das internationale Ausstellungs- und Forschungsprojekt „Bauhaus Imaginista” erkundet ab März 2018 in vier Kapiteln die globalen Verflechtungen des Bauhauses. Die dezentral konzipierten Ausstellungen werden an verschiedenen Kunst- und Designmuseen sowie Kulturinstitutionen unter anderem in Japan, China, Russland und Brasilien gezeigt. Mit dem Kapitel „Bauhaus Imaginista: Learning from“ beginnt im Goethe-Museum in Rabat (Marokko) die Reise. Im Rahmen des Projekts untersucht der in Berlin lebende Künstler Kader Attia mit einer neu produzierten Arbeit die performative Verwendung von Berber-Teppichen sowie komplexe (Fehl-)Deutungen und Übersetzungen, die ihnen aufgrund ihrer Aneignung als Kunstform in der Moderne widerfuhren.

Ein Programm, das auf das ganze Jahr ausgelegt ist, bietet das Mies van der Rohe Haus in Berlin. Dort will man mit dem Jahresthema „Mies – Sitzen und Liegen“ einen Dialog zwischen zeitgenössischer Kunst und den Möbeln Mies van der Rohes anregen. Ziel der Themenreihe ist es, jenseits von Werkverzeichnissen und musealen Präsentationen von Möbeln, eher praktische, ästhetische und kulturtheoretische Aspekte des Sitzens und Liegens zu beleuchten. Die erste der vier Ausstellungen beginnt bereits am 21. Januar 2018: Der Hamburger Künstler Peter Piller zeigt ein breit angelegtes und spannendes, insgesamt 60 Fotografien umfassendes Konvolut, angefangen von der Kamasutraliege bis hin zum Schleudersitz. Bei der Auswahl der Bilder hat sich Peter Piller leiten lassen von bekannten Mies-Porträts, auf denen Mies van der Rohe selbst sitzt oder liegt.

Mit diesen Anregungen startet 100 jahre bauhaus in die Endrunde. Die Veranstaltungen versprechen auch im Jahr 2018 wieder vielseitige und interessante Perspektiven, die das Warten auf den 100. Geburtstag des Bauhauses sicherlich erleichtern werden.


 

[CG 2017]