Mit dem Projekt „Open House“ läutet das Bauhaus-Archiv die Sanierung und Erweiterung des von Walter Gropius errichteten Gebäudes ein. In den kommenden fünf Wochen finden zahlreiche Veranstaltungen statt, die die Besucher einladen, die einmalige Architektur in einer künstlerischen Inszenierung zu erleben.

Das Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, Berlin, Innenansicht, 2018 / Foto: Hans Glave © Bauhaus-Archiv Berlin
Das Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, Berlin, Innenansicht, 2018 / Foto: Hans Glave © Bauhaus-Archiv Berlin

Zwar sei der Blick durch den nun vollkommen offengelegten Bau bei Sonnenschein noch schöner, hieß es zu Beginn der Pressekonferenz im Bauhaus-Archiv, der starke Schneefall am 20. März 2018 in Berlin verpackte das von allen Einbauten befreite Gebäude nun in eine angemessen feierlich Stimmung. Unter dem Motto „Open House“ bietet das Bauhaus-Archiv/Museum für Gestaltung für die Zeit vor der Sanierung ein vielseitiges – kostenfreies – Programm an, bei dem die künstlerische Auseinandersetzung mit Architektur im Vordergrund steht.

Das Klangkunstwerk der Künstler Bill Dietz und Janina Janke „Totale Architektur“ setzt sich aus verschiedenen Performances und Klanginstallationen zusammen. Die Beiträge werden durch aktive Partizipation am Projekt generiert: Im Außenbereich sind eingesprochene Tonspuren von Besuchern, die Texte von Bauhäuslern lesen, zu hören. Und im Innenraum laden „Live Speakers“ Interessierte zu Klangperformances ein. In sechs kurzen performativen Anwendungen werden historische O-Töne aus dem Archiv von den BesucherInnen unter Anleitung von „Live Speakers“ räumlich und klanglich interpretiert. Spannend ist beispielsweise, wie ein Satz von Mies van der Rohe von zwei Besuchergruppen mehrmals in abschwellender Lautstärke gesprochen wird. Die Architektur und ihr unmittelbarer Bezug zum Bauhaus werden so unmittelbar erfahrbar.

Blick aus der Aufnahmekabine des Klangkunstwerks „Totale Architektur von Janina Janke und Bill Dietz auf die Innenhallen, 2018 / Foto: Hans Glave, © Bauhaus-Archiv Berlin
Blick aus der Aufnahmekabine des Klangkunstwerks „Totale Architektur von Janina Janke und Bill Dietz auf die Innenhallen, 2018 / Foto: Hans Glave, © Bauhaus-Archiv Berlin

Und auch die Bauhaus Agenten mischen wieder kräftig mit: Im Rahmen des Agenten-Programms werden zwei Projekte präsentiert. Schüler der Bertolt-Brecht-Oberschule erforschen unter der Leitung der Choreografin Jo Parkes tänzerisch die Architektur des Bauhaus-Archivs mit dem Projekt „Bauhaus bewegt“ und das Plymouth College of Art, in dem noch heute nach dem Prinzip der Bauhaus-Pädagogik gelehrt wird, lädt zu vier „Bauhausworkshops für alle“ ein. Am 11. April wird ein mobiler „Lernraum“ mit Beiträgen der Paula-Fürst-Schule eröffnet, entwickelt von Viertklässlern und Oberstufenschülern zusammen mit dem Künstlerkollektiv constructlab.

Am 29. April 2018 heißt es dann für einige Jahre Abschied nehmen, da das Museum anlässlich des 100. Gründungsjubiläums des Bauhauses 2019 saniert und um einen Neubau erweitert wird. Das Programm „Au Revoir“ bietet vielfältige Möglichkeiten eines besonderen Kunst- bzw. Raumerlebnisses – Yoga, Wandel- und Jazz-Konzerte, musikalische Performances, Breakdance und Poetry Slam, Filme der Internationalen Avantgarde, Architekturführungen – und endet mit einem Abschiedsgruß der Direktorin  Annemarie Jaeggi.

[CG 2018]