Ein Symposium am 2. und 3. November 2017 gibt Einblick in das Forschungsprojekt: „Das Bauhaus in Oldenburg – Avantgarde in der Provinz“. Das Zusammenwirken des Landesmuseums Oldenburg mit dem Bauhaus während der Weimarer Republik sowie das Schaffen von vier Bauhäuslern aus Oldenburg und Ostfriesland bilden den Kern der Untersuchungen.

Ein von Hermann Gautel entworfenes Wohnensemble, um 1935 / Foto: Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg
Ein von Hermann Gautel entworfenes Wohnensemble, um 1935 / Foto: Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg

„Wir setzen ein vielteiliges Mosaik zusammen, und allmählich wird daraus ein Bild erkennbar“, sagt Gloria Köpnick, wenn man sie nach ihrer Arbeit im Rahmen des Bauhaus-Forschungsprojekts fragt. Die Kunsthistorikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin untersucht zusammen mit dem Museumsdirektor Rainer Stamm am Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg seit 2016 die Zusammenhänge zwischen Landesmuseum und Bauhaus.

„Das Bauhaus“, erzählt Rainer Stamm, „war die einflussreichste Hochschule für Gestaltung im 20. Jahrhundert und ein Experimentierfeld für neue Ideen, die bis in unsere Gegenwart wirken. Das Landesmuseum Oldenburg gehörte Mitte der 1920er Jahre zu den ersten Museen, die sich zu dem Ansatz dieser innovativen Ausbildungsstätte bekannten.“ Es war ein Vorgänger Stamms, der als einer der ersten Museumsdirektoren in Deutschland die Bauhaus-Ideen durch den Erwerb von Möbeln und Produkten unterstützte: Walter Müller-Wulckow wurde 1921 zum Direktor des Landesmuseums ernannt. Das Museum „wirkte wie ein Botschafter für die Bauhaus-Ideen in Nordwestdeutschland“, sagt Stamm.

Anhand der exemplarischen Lebensläufe der aus der Region Oldenburg stammenden Bauhäusler Hermann Gautel, Hans Martin Fricke, Karl Schwoon und Hin Bredendieck wird beispielsweise die Geschichte des freiheitlichen und innovativen Bauhaus-Gedankens aufbereitet. „Die Bauhäusler haben sowohl in den Archiven des Landesmuseums als auch in städtischen, regionalen, nationalen und internationalen Archivbeständen ihre Spuren hinterlassen. Briefwechsel, Fotografien und vieles mehr helfen uns, Schritt für Schritt ihre Lebens- und Werkbiographien zu rekonstruieren“, erklärt Köpnick.

Vier Bauhäusler (oben: der Oldenburger Hermann Gautel; unten: der Auricher Hin Bredendieck), um 1929 / Foto: Erich Krause (?); Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg
Vier Bauhäusler (oben: der Oldenburger Hermann Gautel; unten: der Auricher Hin Bredendieck), um 1929 / Foto: Erich Krause (?); Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg

Im Zuge dieses Forschungsprojekts findet nun ein Symposium statt. Hier werden die ersten Ergebnisse zusammengetragen und diskutiert. Unter den Programmschwerpunkten „Einfluss und Auswirkungen des Bauhauses in und auf die Region“, „Gebrochene Biografien“, „Das Bauhaus im Exil“ und „Reeducation - Wiederaufbau - Wirtschaftswunder: Das Nachwirken der Bauhaus-Idee nach 1945“ verhandelt man so unterschiedliche Themen wie „Die Vereinigung für junge Kunst und das Bauhaus Dessau“ und „Hin Bredendieck: Von Aurich nach Atlanta“. Pünktlich zur großen Ausstellung 2019 werden Bredendiecks Arbeiten aus Atlanta dann auch in Oldenburg zu sehen sein, verspricht Stamm.

Das Symposium findet vom 2. und 3. November 2017 im Schlosssaal, Schlossplatz 1, 26135 Oldenburg statt. Das Projekt „Das Bauhaus in Oldenburg – Avantgarde in der Provinz“ ist ein zentraler Beitrag des Landes Niedersachsen zum 100-jährigen Jubiläum des Bauhauses im Jahr 2019.

 

Quelle: Die Zitate stammen aus einem Interview mit Gloria Köpnick und Rainer Stamm, das auf der Homepage des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg veröffentlicht wurde.

 

[CG 2017, Translations: RW]