Ihr 30-jähriges Bestehen feiert das Theater der Klänge mit zwei Werken der Bauhäusler Kurt Schmidt, Georg Teltscher und Oskar Schlemmer. Unter dem Titel „bauhaus ballette“ werden „Das Mechanische Ballett“ und „Das Triadische Ballett“ aufgeführt, dabei orientieren sich die Macher erstmals an den fotografisch dokumentierten Originalen von Schlemmers Figurinen.

Theater der Klänge: Das mechanische Ballett / Foto: Oliver Eltinger, 2009
Theater der Klänge: Das mechanische Ballett / Foto: Oliver Eltinger, 2009

In Düsseldorfs Theaterwerkstätten herrschte in den vergangenen Monaten reges Treiben: Die Figurinen für das „Triadische Ballett“, entworfen vom Bauhausmeister Oskar Schlemmer, wurden in verschiedenen Ateliers nachgebaut. Schon einmal hatte sich das Ensemble für diese Produktion zusammengetan und war 2015 mit einer Neuinterpretation des berühmten Stückes auf die Bühne gegangen. Bei den anschließenden Gastspielen in Dortmund, Idar-Oberstein, Ascona, Bonn und Brüssel litten die Figurinen so stark, dass man sich zu einer Neuanfertigung entschloss. Bei dieser Gelegenheit orientierten sich die Theatermacher nicht an den Ideenskizzen Schlemmers, sondern an den konkreten Realisierungen, die durch zahlreiche Fotos überliefert sind. Denn im Vergleich zur Abstraktion von Schlemmers Ursprungsideen machte die tatsächlich verwendeten Figurinen deutliche Zugeständnisse an deren Realisierbarkeit und vor allem an die Tanzbarkeit seiner Entwürfe.

Der Ruhm für Schlemmers „Triadisches Ballett“ kam spät. Der spätere Leiter der Bauhausbühne ging bei der Konzeption des Stückes ganz neue Wege: Er steckte seine Tänzer in starre Kostüme aus Materialien wie Draht, Holz, Aluminiumfolie oder Zelluloid und ließ sie sich zu den Musikstücken bewegen. Ziel war das Aufbrechen konventioneller Ballettchoreographien mit Referenzen auf zeitgenössische Werke wie etwa auf die Automatenfiguren E. T. A. Hoffmanns und den Stummfilm „Das Cabinet des Dr. Caligari“ (1920). Stattdessen kommentierten die Zuschauer nach den ersten Aufführungen in den 20er- und 30er-Jahren eher die Kuriosität der Figurinen.

Trailer vom „Theater der Klänge“ mit der Inszenierung „bauhaus ballette“

Und was wäre eine Choreographie ohne ihre Musik? Die ursprünglich für das „Triadische Ballett“ komponierte Musik von Paul Hindemith ist nicht mehr rekonstruierbar. Der Ansatz zur Neukomposition geht daher – wie die möglichst realistische Rekonstruktion der Figurinen – von der historischen Ausgangslage Schlemmers aus: Wenige, akustische Instrumente (Klavier, Soloinstrument, Percussion), die miteinander zum Tanz erklingen. Dabei kommen auch elektronische Modulationen der Instrumentalklänge zum Einsatz, schließlich handelt es sich um eine zeitgenössische Neuinterpretation dieses „Bauhaus-Klassikers“ auf der Bühne.

Vom 12. bis 15. Oktober 2017 werden die neugestalteten Figurinen im Düsseldorfer Capitol Theater das erste Mal aufgeführt. Weitere Infos und Kartenverkauf für das „bauhaus ballette“ unter: http://www.theater-der-klaenge.de

 

[CG 2017]