Die erste Förderungsrunde des "Fonds Bauhaus heute", den die Kulturstiftung des Bundes im Rahmen des hundertjährigen Bauhaus-Jubiläums ins Leben gerufen hat, bezeugt anschaulich die Vielfalt der zeitgenössischen Perspektiven auf das Bauhaus.

Mesmerizing / Foto: HannaB
Mesmerizing / Foto: HannaB

Wer das Bauhaus auf Teekannen, Stahlrohrmöbel und weiße Würfel beschränkt, mag einem modernen Mythos gerecht werden. Doch das Bauhaus wäre nicht das Bauhaus ohne seinen essenziellen Beitrag zur Kunst und Pädagogik der Moderne. Als ein Ort der gestalterischen Auseinandersetzung mit der Gegenwart war schon das Staatliche Bauhaus in Weimar immer auch Ausgangspunkt eines komplexen künstlerischen Wirkens. Nicht nur zahlreiche Bauhausmeister, auch die Schüler schufen hier Werke von Weltrang und verwirklichten so einen Grundsatz des 1919 verabschiedeten Manifests der Schule, nach der „Vortrefflichliches“ an die Stelle „unvollkommene[r] Kunstübung“ treten möge.

Ziel des „Fonds Bauhaus heute“ ist es, diese Qualität des Bauhauses als künstlerisch wertvolle Zukunftswerkstatt zu würdigen und in einem gewissen Sinn kritisch fortzuschreiben. In zwei Runden werden Kultureinrichtungen und Akteure aller Sparten gefördert, die einen künstlerisch herausragenden Beitrag zur Auseinandersetzung mit der Aktualität des Bauhauses leisten und diesen im Zuge des Jubiläums sichtbar machen. 

Folgende Projekte werden im Rahmen der ersten Förderungsrunde 2017/2018 mit insgesamt 2,1 Mio. Euro unterstützt und bezeugen anschaulich die Vielfalt der bisher eingesandten Ideenskizzen:

 

Bauhaus-Fotografie reloaded

Zur Aktualität des Neuen Sehens in der Gegenwartskunst
Hochschule Darmstadt / FB Gestaltung

Ausgehend von den kreativen Impulsen der Bauhaus-Fotografie, soll das geplante Projekt ausloten, wie die damaligen Neuerungen auch heute noch zur Weiterentwicklung fotografischer Bildsprachen beitragen können. Die Ausstellung wird die Aktualität der neusachlichen Fotografie thematisieren, indem sie Positionen internationaler Gegenwartskünstler ausgewählten Arbeiten des Bauhaus-Künstlers László Moholy-Nagy gegenübergestellt. Ausstellungsorte sind das NRW Forum Düsseldorf, die Kunsthalle Darmstadt/Institut Mathildenhöhe und das Museum für Fotografie Berlin.

 

Das Totale Tanz-Theater

Ein Virtual-Reality-Labor für Mensch und Maschine
Filmtank GmbH

„Das Totale Tanz-Theater“ überführt die tänzerischen Bühnenexperimente von Oskar Schlemmer und Walter Gropius ins digitale Zeitalter und nutzt dabei die Möglichkeiten von Virtual Reality. Aufbauend auf einer Choreografie von Richard Siegal wird die Produktion zu einem intensiven Erlebnis im Rahmen einer 360°–Installation. Diese wird ab Herbst 2018 u.a. am Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe (ZKM) und international zu erleben sein.

 

Die ganze Welt ist ein Bauhaus

Geschichte und Zukunft einer Idee
Institut für Auslandsbeziehungen (ifa)

„Die ganze Welt ist ein Bauhaus“ nimmt das Zitat des ehemaligen Bauhaus-Schülers und späteren Hochschullehrers Fritz Kuhr (1899-1975) zum Anlass, um kulturelle Begegnungen zu thematisieren und zu visualisieren. Die Ausstellung beleuchtet die Geschichte der Avantgarde als Zusammentreffen von Diskursen, Kulturen und Akteuren. Es werden transkulturelle Begegnungen der Gegenwart, Form-Migration und neue Modelle für außergewöhnliche Lehr- und Lernprozesse vorgestellt. Die Ausstellung tourt 2018 zunächst durch Lateinamerika. 2019 werden die Schau und die Ergebnisse der Tour auf einer Pop-up-Bühne im Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe (ZKM) präsentiert.

 

DO THE RIGHT THING

Ariel Efraim Ashbel and friends GbR

Das Theaterstück DO THE RIGHT THING (DTRT) untersucht mit Rückgriff auf das Theatererbe des Bauhauses die Verschränkung von Handeln („DO“), Ethik („THE RIGHT“) und Materialität („THING“). In Anlehnung an Spike Lees gleichnamigen Film von 1989, der sich mit den Rassenkonflikten in New York befasst, beginnt das Stück mit einem ethischen Imperativ: die Kunst soll das Richtige tun oder reflektieren. Das Stück ist eine Kollaboration zwischen Theatermacher Ariel Efraim Ashbel, der bildenden Künstlerin Alona Rodeh und einer internationalen Gruppe von Künstlern und Performern. Das Stück wird von HAU Hebbel am Ufer (Berlin) und vom Forum Freies Theater (Düsseldorf) koproduziert.

 

Floating University

Ein Offshore-Campus für Städte in Transformation
raumlaborberlin

Inmitten der Auseinandersetzung um die Zukunft der Stadt Berlin entsteht 2018 an einem „vergessenen Ort“, einem riesigen Betonbecken für Regenwasser am Tempelhofer Feld, ein öffentlicher Campus auf Zeit. Als künstliche Insel öffnet die Floating University (FUB) einen Raum, der alle zum Mitdenken einlädt. Die FUB ist ein internationaler Ort des Austauschs zu Strategien von Raumgestaltung und ein Labor für urbane transdisziplinäre Experimente. Mit Vorträgen, Workshops, Laboren und performativen Interventionen.

 

Hitze Kälte Apparate

Bauhaus – Versuche am Gleichgewicht
Kunstfest Weimar

Das Kunstfest Weimar erforscht mit diesem Projekt, wie das Bauhaus inmitten der „konstitutiven Gleichgewichtslosigkeit“ (Helmut Lethen) der Weimarer Republik sein dynamisch-konstruktives Programm der neuen Gleichgewichte und eines utopischen Alltags entwickelte. Dafür werden zeitgenössische Künstler/innen eingeladen, auf historische Materialien, Dokumente, Objekte und Modelle im Dialog zu reagieren.

 

Heimo Zobernig. Demonstrationsraum

Szenarien für Kunst und Kommunikation heute
Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Ausgehend von Raumentwürfen des Bauhaus, der De Stijl-Bewegung und des russischen Konstruktivismus wirft dieses Projekt einen Blick auf aktuelle Raum- und Ausstellungskonzepte der heutigen Museumspraxis. In einem ergebnisoffenen Arbeits- und Rechercheprozess des Künstlers Heimo Zobernig werden Ideen für zukünftige Sammlungspräsentationen und architektonische Lösungen im Albertinum Dresden entwickelt und modellhaft umgesetzt.

 

Modell und Ruine

Werkleitz Festival 2019
Werkleitz Gesellschaft e.V.

Das Werkleitz Festival 2019 findet unter dem Motto „Modell und Ruine“ in Dessau statt: Das Modell als Vorbild für eine zu schaffende Zukunft, die Ruine als Zeugnis einer meist idealisierten Vergangenheit. Ziel des Festivals ist die Verortung des Bauhaus in einem weiter gefassten historischen Kontext. Durch die Konfrontation und Interaktion aktueller künstlerischer Positionen mit den städtebaulichen und historischen Gegebenheiten Dessaus wird ein neuer Blick auf das Erbe des Bauhauses geworfen. Für dieses Projekt werden bis zu 15 international renommierte Künstler/innen eingeladen, die sich aus gegenwärtiger Sicht den Kraftpolen Modell und Ruine widmen und mit den vorgefunden Orten in Dessau umgehen.

 

Projekt Bauhaus: Wissen, Technik, Fortschritt

Eine temporäre Akademie
ARCH+ Verein zur Förderung des Architektur- und Stadtdiskurses

Dieses Projekt unterzieht die Bauhaus-Ideen einer kritischen Inventur und prüft deren utopisches Potenzial für die Gegenwart und Zukunft. Über zwei Jahre hinweg werden mit Wissen, Technik und Fortschritt zentrale Themenfelder des Bauhauses und der klassischen Avantgarden theoretisch reflektiert und durch Gestaltungsexperimente praktisch untersucht. Im letzten Schritt wird kritisch Bilanz gezogen und das Bauhaus im Rahmen einer Feier „beerdigt“, die es würdigt und sich zugleich von seinem Erbe befreit.

 

Vom Bauhaus zum AppHaus

Kreative Spielräume gestern und morgen
Neues Museum in Nürnberg

Der Glaube an die menschliche Kreativität als ultimative kulturelle und ökonomische Ressource hat sich in den vergangenen Jahren immer stärker etabliert. Die Ausstellung entwickelt die These, dass ein maßgeblicher Impulsgeber für viele der weltweit implementierten Kreativräume und -methoden die spielerische Kultur des Bauhauses ist. Ihren Ausgang nimmt die Schau bei Alma Siedhoff-Buschers polyfunktionalem Spielzimmer im Weimarer Musterhaus „Am Horn“. Neben historischen Spielzeugen und deren heutigen Adaptionen stehen Sets von Prototyping-Tools und Spielzeuge, die Motorik, Wahrnehmungsvermögen und gemeinschaftliche Interaktion fördern sollen, im Mittelpunkt. Weiterhin nehmen Arbeiten zeitgenössischer Künstler/innen Bezug auf das Projekt.

 

[NF 2017]