Im Bauhaus Dessau fand am 8. November 2017 ein Netzwerktreffen zu 100 jahre bauhaus statt. Zahlreiche Mitglieder des Bauhaus Verbundes 2019 präsentierten einen ersten Arbeitsstand der geplanten Aktivitäten im Jubiläumsjahr.

Netzwerktreffen des Bauhaus Verbunds 2019 im Bauhaus Dessau 2017 / Foto: Doreen Ritzau
Netzwerktreffen des Bauhaus Verbunds 2019 im Bauhaus Dessau 2017 / Foto: Doreen Ritzau

Die Reihen im Werkstattflügel des Dessauer Bauhaus-Gebäudes waren gut gefüllt, als Rainer Robra, der diesjährige Kuratoriumsvorsitzende des Bauhaus Verbundes 2019 sowie Chef der Staatskanzlei und Minister für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt, zum ersten Netzwerktreffen der Programmmacher von 100 jahre bauhaus begrüßte. Zahlreiche Mitglieder des Jubiläums-Verbundes waren vertreten: von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) über die Kulturstiftung des Bundes (KSB) bis hin zu Vertretern aus mehreren Verbundländern, Berlin, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Nach einer kurzen Einführung durch Dr. Claudia Perren, Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau und diesjährige Vorsitzende der Bauhaus Kooperation, die das Jubiläum aus der Sicht der drei sammlungsführenden Institutionen in Berlin, Dessau und Weimar betrachtete, verwies Dr. Sigrid Bias-Engels (BKM) auf die deutschlandweite Relevanz des hundertjährigen Bauhaus-Jubiläums. Der Beitrag von Friederike Zobel (KSB) betonte die zeitgenössischen Aspekte der von der KSB geförderten Programme. Den Abschluss der Begrüßungsrunde bildete die Darstellung der zentralen Programmkoordination und Kommunikation des Jubiläumsprogramms durch den Leiter der Geschäftsstelle 100 jahre bauhaus in Weimar, Christian Bodach.

Die Programme der Bauhaus Kooperation

Den ersten programmatischen Teil des Netzwerktreffens bestritten vier Programmacher der Bauhaus Kooperation: Den Auftakt machte die international renommierte Dramaturgin und Kuratorin Bettina Wagner-Bergelt, die erst vor zwei Wochen zur künstlerischen Leiterin des Eröffnungsfestivals 2019 in Berlin berufen wurde. Ihr Ziel sei es, vor allem das künstlerisch-performative Erbe des Bauhauses wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu holen und dessen Relevanz für die gegenwärtige und zukünftige künstlerische Praxis zu befragen.

Die internationale Tragweite der Moderne als globales Projekt stellte die Co-Kuratorin von Bauhaus Imaginista, Marion von Osten, dar; das von ihr und Grant Watson kuratierte Ausstellungs- und Forschungsprojekt nimmt 2018 ihren Lauf um die Welt und wird sich der Moderne gleich von Station zu Station absichtsvoll verändern. Ihren Abschluss findet die Schau im Herbst 2019 im Berliner Haus der Kulturen der Welt. Dort werden die Ergebnisse des mit dem weltweiten Netzwerk der Goethe-Institute realisierten Ausstellungskonzepts der deutschen Öffentlichkeit präsentiert.

Friederike Zobel (KSB) spricht auf dem Netzwerktreffen des Bauhaus Verbundes 2019 / Foto: Nicolas Flessa
Friederike Zobel (KSB) spricht auf dem Netzwerktreffen des Bauhaus Verbundes 2019 / Foto: Nicolas Flessa

Dr. Silke Feldhoff stellte anschließend die Ziele der „Bauhaus Agenten“ dar: Neben der Entwicklung der drei neuen Bauhaus-Museen in Berlin, Dessau und Weimar zu lebendigen und besucherorientierten Orten ginge es ihr vor allem darum, gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern der 35 teilnehmenden Projektschulen Bauhaus-Vermittlung neu zu denken. Erste Zwischenergebnisse wie das „Formlabor“ für die Weimarer Prologausstellung „Gerhard Marcks. Wege aus dem Bauhaus“ wurden bereits dieses Jahr umgesetzt.

Prof. Werner Durth widmete sich abschließend der wissenschaftlichen Konzeption der „Grand Tour der Moderne“. Von der „Akropolis der Künstler“ auf der Darmstädter Mathildenhöhe, die mit modernen Gemeinschaftsateliers und Meisterhäusern die künstlerische Revolution des Bauhauses vorwegzunehmen scheint, bis hin zu den Bauten im Hansaviertel (Berlin-West) und im zweiten Bauabschnitt der Ost-Berliner Stalinallee sind die Spuren der Moderne in Deutschland vielfältig und ganz und gar nicht auf die Wirkungsstätten des Bauhauses beschränkt. Eine Fachjury wird 100 Orte dieser „Route der Moderne“ auswählen.

Zentrale Ausstellungen in den Verbundländern

Das Nachmittagsprogramm widmete sich ausgewählten Projekten in den Verbundländern, die von der Kulturstiftung des Bundes gefördert werden. Den Anfang machte das Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung in Berlin. Dr. Nina Wiedemeyer stellte die zentrale Ausstellung des Jubiläumsjahres mit dem Titel „Bauhaus Produktion – Reproduktion“ vor. Sie gliedert sich in vier Themenfelder: Ikone werden, Geschichte schreiben, Schule machen und „Don’t do it yourself!“, eine augenzwinkerne Hommage an die Expertise. Aufgrund des Umbaus des Bauhaus-Archivs im Zuge der Errichtung des neuen Museumsbaus wird diese von September 2019 bis Februar 2020 in der Berlinischen Galerie stattfinden.

Das Bundesland Hessen war gleich mit drei Projekten vertreten: Dr. Wolfgang Voigt vom Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main stellte das geplante Ausstellungsprojekt „Neuer Mensch Neue Wohnung“ vor, das sich mit der Architektur des Neuen Frankfurt in den Jahren 1925 bis 1933 auseinandersetzt. Frankfurt galt damals mit seinen groß angelegten Siedlungsprojekten nicht nur seinen Machern als musterhafte Großstadt der Moderne. Stadtbaurat Ernst May versammelte zu diesem Zweck nicht nur ein internationales Team von Architekten (darunter die Erfinderin der Einbauküche, Schütte-Lihotzky, und der niederländische Architekt Mart Stam), sondern gab auch in regelmäßiger Abfolge eine weithin rezipierte Zeitschrift zum Neuen Bauen heraus. Den hessischen Beitrag rundeten die Präsentationen von Grit Weber (Museum Angewandte Kunst) zum Thema „Moderne am Main“ und von Susanne Gesser (Historisches Museum Frankfurt) mit dem Titel „Wie wohnen die Leute?“ ab.

Zahlreiche Pressevertreter informierten sich über das Programm von 100 jahre bauhaus / Foto: Nicolas Flessa
Zahlreiche Pressevertreter informierten sich über das Programm von 100 jahre bauhaus / Foto: Nicolas Flessa

Niedersachsen war in Form zweier Institutionen vertreten: das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg und das Sprengel Museum Hannover. Gloria Köpnick präsentierte für das erste Haus das Konzept zur Ausstellung „Zwischen Utopie und Anpassung – das Bauhaus in Oldenburg“, das die zum Teil sehr unterschiedlichen Lebenswege von vier Bauhäuslern zum Gegenstand hat. Neben Hin Bredendiek sind dies auch unbekanntere Namen wie Karl Schwoon, der sich nach Kriegsende vom erfolgreichen Galeristen zum Bildredakteur einer großen Publikumszeitschrift verwandelte. Auch in Hannovers Beitrag von Dr. Inka Schube geht es um das Wirken und den Nachlass eines Bauhäuslers: Umbo, der nach seiner Zeit am Bauhaus zu Berlins führendem People-Fotografen wurde, bevor er in der späten Bundesrepublik eher als Surrealist wiederentdeckt wurde.

Weitere Beiträge in den Verbundländern waren das einzige nicht-institutionell gebundene Projekt MIK e.V. von Christiane Lange (NRW), die von Jörg Meißner skizzierte Typografie-Ausstellung „einfach grotesk“ im Gutenberg Museum Mainz (Rheinland-Pfalz) und das Projekt „Rekonstruktion der Zukunft“ durch Héctor Solari für das HELLERAU-Europäische Zentrum der Künste (Sachsen). Den Abschluss dieser Sektion bildete der Beitrag von Dr. Regina Bittner über die Jubiläumsausstellung der gastgebenden Stiftung Bauhaus Dessau zur „Versuchsstätte Bauhaus“ im neuen Bauhaus-Museum Dessau sowie der Vortrag von Dr. Ulrike Bestgen zum Ausstellungskonzept des dritten Kooperationspartners, der Klassik Stiftung Weimar mit dem Titel „100 Jahre Bauhaus, Moderne, Gegenwart“, die im April 2019 das bauhaus museum weimar eröffnen wird.

Gespräche mit Pressevertretern, eine Besichtigung der Programme aller Verbundländer und ein gemeinsames Gruppenbild aller Teilnehmer für die Presse rundeten dieses erste Netzwerktreffen zum Jubiläumsprogramm 100 jahre bauhaus ab. Wie das abschließende Gespräch im Club des Bauhauses verriet: Nicht nur die zum Wein gereichten Horsd’œuvres galten an diesem Tag als gelungene Appetithappen für das kommende Jubiläumsjahr.

 

[NF 2017]