Vor genau einer Woche startete der Film „Vom Bauen der Zukunft – 100 Jahre Bauhaus“ bundesweit in den Kinos. Er weist auf gesellschaftliche Herausforderungen der heutigen Zeit hin und präsentiert dabei Menschen, die mit ihren Visionen im Geiste des Bauhaus auf diese Herausforderungen antworten möchten.

Auf der Suche nach der perfekten Raum-Körper-Konstellation: Torsten Blume (Stiftung Bauhaus Dessau). © Neue Visionen Filmverleih
Auf der Suche nach der perfekten Raum-Körper-Konstellation: Torsten Blume (Stiftung Bauhaus Dessau). © Neue Visionen Filmverleih

Vor beinahe hundert Jahren wurde eine radikale künstlerische Utopie in die beschauliche Stadt Weimar hineingeboren: das Bauhaus. Ihre Auswirkungen prägen unsere Lebenswelt bis heute. Vor dem Hintergrund des 100. Bauhaus-Jubiläums erzählt dieser Dokumentarfilm nicht nur Kunst-, sondern Zeitgeschichte. Von Beginn an fragten die Architekten und Künstler des Bauhauses, darunter Walter Gropius, Wassily Kandinsky oder Paul Klee: Wie zusammenleben? Was bedeutet „zusammenleben“? Wie lassen sich Räume so gestalten, dass alle Menschen am gemeinsamen Leben teilhaben?

Mit dem Bauhaus wurden Kunst, Gestaltung und Architektur politisch. Es entstand eine Raumkunst, die sich ebenso wenig zu schade war, über den Abstand zwischen Badewanne und Toilette nachzudenken wie über den idealen Stuhl. Der Dokumentarfilm „Vom Bauen der Zukunft – 100 Jahre Bauhaus“ geht zurück zu den Anfängen der ersten Bauhaus-Gruppe um Walter Gropius, deren Ausbildungskonzept zwischen Feiern und Forschen revolutionär war. Vom Bauhaus als gesellschaftlicher Utopie ausgehend fragen die Regisseure Niels Bolbrinker und Thomas Tielsch nach ihrer Evolution, ihrem Wandel und ihrer Inspirationskraft im Lauf der letzten hundert Jahre.

Wie können die Ideen des Bauhaus den Herausforderungen des globalen Kapitalismus und seiner Umwälzung der Wohnungsmärkte begegnen? „Vom Bauen der Zukunft – 100 Jahre Bauhaus“ führt uns vom legendären Bauhausgebäude in Dessau zu visionären Wohnprojekten in lateinamerikanischen Favelas, von den Kursen der Bauhaus-Meister Kandinsky, Klee und Schlemmer zu skandinavischen Schulen ohne Klassenräume, von der Berliner Gropius-Stadt zur Vision einer autofreien Metropolis.

Der Film von Niels Bolbrinker und Thomas Tielsch ist mehr als eine Geschichte des Bauens; vielmehr geht es den Regisseuren um eine Kulturgeschichte des modernen Raumdenkens. „Vom Bauen der Zukunft – 100 Jahre Bauhaus“ zielt darauf ab, seine Zuschauer zu staunenden und begeisterten Flaneuren zwischen den Räumen der Moderne zu machen. Dabei war das Bauhaus Dessau immer wieder Drehort und Protagonist zugleich.

Die radikalen Ideen der Bauhäusler, über die im Film vor allem der wissenschaftliche Mitarbeiter Torsten Blume berichtet, sind für die Filmemacher Ausgangspunkt, um die heutige Relevanz des Bauhauses international zu erkunden. So führt der Film seine Zuschauer von Dessau unmittelbar in die internationale, zeitgenössische Kunst- und Architekturszene, um zu erzählen, wie die künstlerischen und gesellschaftlichen Utopien des Bauhauses unser globales Zusammenleben bis heute geprägt haben.