Auf Grand Tour: Ein Streifzug durch die Architekturgeschichte der Moderne

Die Hutfabrik in Luckenwalde

Lange Zeit war das südlich von Berlin gelegene Luckenwalde einer der wichtigsten Standorte der deutschen Hutfabrikation. Erich Mendelsohn hat für die Hutfabrik Steinberg Herrmann & Co. 1923 eine Anlage geschaffen, die durch ein markantes Dach, das an einen Hut erinnert, zum Wahrzeichen Luckenwaldes wurde. Sein Einsatz von Stahlbeton, Glas und Holz war für die damalige Zeit ebenso innovativ, wie der Aufbau der 10.000 qm großen Halle. Er unterteilte sie in vier Schiffe, die durch Fenster in den spitz zulaufenden Dächern in Tageslicht getaucht werden.

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Thomas Kemnitz
Hutfabrik Luckenwalde

Das Musikheim in Frankfurt an der Oder

Das „Staatliche Musikheim Frankfurt“ wollte mit Tanz, Schauspiel und Musik die Gemeinschaft fördern. Die Architektur des reformpädagogischen Projekts stammte von Otto Bartning. Als das Gebäude 1929 eröffnet wurde, beherbergte jeder Gebäudeteil eine Funktion: In langgestreckten Riegelbauten befand sich der Wohntrakt. Eine helle, kubische Halle mit großen Fensterflächen wurde als Theatersaal genutzt. Die Seminarräume befanden sich in einem flurartigen Gebäudeteil und im Erdgeschoss eines Turmes konnten die Studenten in der Mensa essen und „Rundgespräche“ führen. Dazwischen war viel Raum, um sich „frei und rhythmisch“ zu bewegen.

 

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Sebastian Wallroth (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Musikheim_Frankfurt_Oder_2016-04_004.JPG) lizensiert unter CC BY 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.en)
Musikheim Frankfurt (Oder), Brandenburg, Deutschland

Der „Aktivist” in Eisenhüttenstadt

Die ehemalige HO-Gaststätte „Aktivist“ in Eisenhüttenstadt vereint Moderne und Vergangenheit. Zu DDR-Zeiten kamen Erwachsene aus ganz Ostdeutschland, um dort zu essen und zu feiern. Kurt W. Leucht baute von 1950 bis 1960 an dem Wohnkomplex I bis III, zu dem auch die Großgaststätte gehörte. Die Gebäude waren Teil einer „Sozialistischen Planstadt“, die im repräsentativen Stil des „Sozialistischen Klassizismus“ erbaut wurde. Mehr als 20.000 Frauen und Männern, die an den Hochöfen und in der Verwaltung des Eisenhüttenkombinats arbeiteten, fanden dort eine neue Heimat.

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Städtisches Museum für Eisenhüttenstadt / Foto: Bernd Geller
Ehem. Kinderkrippe im Wohnkomplex II, 1953 erbaut, in der sich heute das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR befindet.

Das Arbeitsamt in Dessau

Den Auftrag für das Amt erhielt Gropius wenige Tage bevor er aus der Leitung des Bauhauses ausschied. Mit seinem Entwurf hatte er sich gegen Arbeiten von Hugo Häring und Max Taut durchgesetzt. Die Effizienz des Gebäudes erfüllte die Bedürfnisse der damaligen Zeit: Die Massenarbeitslosigkeit sorgte für volle Arbeitsämter, und Gropius reagierte darauf 1929 mit einem Halbrundbau, den er in sechs Sektoren mit separaten Eingängen unterteilte. Die innere Organisation des Amtes definierte seinen Grundriss. So mussten zum Beispiel die Glücklichen, die einen Job erhielten, nicht mehr an den Wartenden vorbei, sondern verließen das Amt auf einem anderen Weg. Nur eine von vielen Feinheiten eines damals völlig neuen Bautypus.

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Ein Krematorium in Hamburg

Die hoch aufragende Feierhalle mit trapezförmigem Giebel steht im Zentrum des symmetrisch aufgebauten Krematorium in Ohlsdorf. Der beeindruckende Bau entstand 1932 und ist ein Paradebeispiel für den norddeutschen Backsteinexpressionismus. Entworfen hat ihn der Architekt und Werkbund-Mitbegründer Fritz Schumacher. In einem Brief an seinen Bruder formulierte er sein Ziel: „Neben das Schmerzvolle, dem der Bau dient, muss man das Feierliche zu stellen versuchen." Sakral ist vor allem das Innere der Halle, deren hohe, schmale Fenster vom ungarischen Expressionisten Ervin Bossányi farbig gestaltet wurden.  

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Hamburger Friedhöfe -AöR- 2013
Hamburg, Friedhof Ohlsdorf, Krematorium Fritz Schumacher, 1933

Ein Weingut in Rheinland-Pfalz

In den Weinbergen von Kindenheim treffen Architektur und Weingenuss aufeinander:  1929 entwarf der Architekt Otto Prott das Hauptgebäude im Stil der Neuen Sachlichkeit. Knapp achtzig Jahre später fügte der Architekt Heribert Hamann einen Anbau hinzu, der die Architekturelemente der klassischen Moderne zeitgenössisch weiterentwickelt. Das Weingut Kreutzenberger ist Teil der Kulturdenkmalliste von Rheinland-Pfalz und ein einzigartiges Beispiel für den Einfluss des Bauhauses auf die Weingutarchitektur.

Mehr über das Weingut
Tillmann Franzen, tillmannfranzen.com / © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Weingut Kreutzenberger (1928/30), Architekt: Otto Prott

Der Teepott in Warnemünde

Wenn Sie schon einmal in Warnemünde waren, dann haben Sie bestimmt zwischen Strandpromenade und Mole das Wahrzeichen der Stadt entdeckt: Mit dem Rundbau haben Ulrich Müther und Erich Kaufmann 1968 unter Mitwirkung von Carl-Heinz Pastor und Hans Fleischhauer ein bedeutendes Zeugnis der DDR-Moderne geschaffen. Leicht und expressiv stellt er eine Alternative zur Plattenbauweise dar. Müthers Konstruktion wurde zum Exportschlager: In 36 Berufsjahren schuf er 70 Betonschalenbauten im In- und Ausland.

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Joachim Kloock/TZRW
Teepott Warnemünde

Das Dieselkraftwerk in Cottbus

Der Architekt Walter Issel hat mehr als 70 Kraftwerke entworfen – eines davon steht in Cottbus. Es zählt zu seinen eindrucksvollsten Bauten. Beide Bauteile der Anlage illustrieren bis heute die großen architektonischen Stile der 1920er-Jahre. Das Maschinenhaus steht mit seiner nüchternen Ästhetik für die Neue Sachlichkeit. Das spielerische Schalthaus ist vom Backsteinexpressionismus geprägt. Heute beherbergt das 1927 entstandene Ensemble ein überregional angesehenes Museum für moderne Kunst.

Mehr über das Dieselkraftwerk
BLKM / Foto: Marlies Kross
Dieselkraftwerk, Cottbuss: Das Cottbuser Dieselkraftwerk beheimatet seit 2008 das Brandenburgische Landesmuseum für Moderne Kunst.
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