Bauhaus und Industrie in Krefeld

Ausstellung in einem Pavillon von Thomas Schütte

Michael Dannenmann
Krefeld Pavillon von Thomas Schütte

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Dokumentarfilme und -ausstellung, Vorträge und Führungen zur langjährigen Verbindung des Bauhauses zur Samt- und Seidenindustrie.

 

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Oskar Schlemmer, Maler und früherer Bauhaus-Meister, staunte nicht schlecht, als er während des Zweiten Weltkriegs Krefeld besuchte und nicht nur seinen früheren Kollegen Georg Muche antraf, sondern auch mehrere seiner ehemaligen Schüler. Sie lehrten an der örtlichen Schule für Textildesign, waren als Architekten bei Stadt und Industrie tätig oder entwarfen Dessins für eine der vielen Textilfabriken der Stadt. Insgesamt waren es rund 25 „Bauhäusler“, die in Krefeld als Designer und Architekten seit 1927 eine Anstellung gefunden oder Aufträge erhalten hatten. Und das, obwohl das Bauhaus, die legendäre Kunstschule und Keimzelle der Avantgarde, den Nationalsozialisten schon vor 1933 als „bolschewistisch“, „jüdisch“ und „undeutsch“ verhasst war.

Zum Bauhaus-Jubiläum 2019 wird dieses Kapitel rheinische Kultur- und Industriegeschichte von Projekt MIK e.V. in Kooperation mit dem Land NRW und der Stadt Krefeld erstmals erlebbar und erfahrbar gemacht:

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Sehen und hören: Ausstellung im Pavillon von Thomas Schütte

In einem eigens für das Jubiläum von 100 jahre bauhaus errichteten ungewöhnlichen Ausstellungsort, einer begehbaren Skulptur des renommierten Künstler Thomas Schütte, erzählen Filme, Zeitdokumente und Führungen den Besuchern und Besucherinnen von der Geschichte des Bauhauses und über 25 Bauhäuslern die in Krefeld lebten, lehrten und arbeiteten.

Suchen und entdecken: Spuren der Geschichte des Bauhauses in Krefeld

Ein digitaler Architekturguide mit Spaziergängen und Rundfahrten durch die Stadt führt die Besucher und Besucherinnen zu den raren Bauten des letzten Bauhaus-Direktors Ludwig Mies van der Rohe und den Bauhaus-Schülern Erich Holthoff und Hans Volger,  zu den Architekturen von Egon Eiermann und Bernhard Pfau, zu den vergessenen Stätten der Textilindustrie.

Mit Hilfe sachkundiger Guides oder einem digitalen Architekturführer auf dem eigenen Handy folgen die Besucher und Besucherinnen den Spuren der Bauhaus-Angehörigen, den Studienfreunden die sich hier wiedertrafen. Sie lernen die Unternehmer und städtischen Vertreter kennen, die ihnen den Weg bereiteten.

Luise Heuter
Thomas Schütte, Pavillon (Modell 1:25), 2016, Kupfer, MDF, Holz 37 x 80 x 80 cm, Foto: Luise Heuter

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Ludwig Mies van der Rohe (1886 – 1969) und Lilly Reich (1885 – 1947)

Der vielleicht wichtigste Erneuerer der Architektur, von 1930 bis 1933 Direktor des legendären Bauhauses, war vor seiner Übersiedlung in die USA 1938 rund zehn Jahre lang für Auftraggeber aus Krefeld tätig. Gemeinsam mit der Designerin Lilly Reich schuf er bahnbrechende Architekturen und Ausstellungsbauten für die Krefelder Seidenindustrie

Drei erhaltene Bauten sind lebendige Zeugnisse dieser Blüte der Avantgarde-Architektur in Krefeld. Die Villen Haus Lange und Haus Esters (1927-1930), erbaut für die Gründer der größten Seidenstoffweberei der Zeit, werden seit Jahrzehnten von den Kunstmuseen Krefeld für Ausstellungen genutzt. Beide Häuser mit ihren weitläufigen Gärten werden 2019 fachgerecht saniert zu besichtigen sein.

Auch Ludwig Mies van der Rohes einziger Industriebau ist in Krefeld zu sehen. Das in Fachkreisen als „Färberei und HE-Gebäude“ der Verseidag bekannte Fabrikgebäude aus dem Jahr 1930 ist schon von außen als herausragendes Beispiel des Neuen Bauens erkennbar – Vergleiche mit dem Bauhausgebäude in Dessau sind erlaubt.

Michael Dannenmann
Krefeld Pavillon von Thomas Schütte, Foto: Michael Dannenmann

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Egon Eiermann (1904 – 1970) und Bernhard Pfau (1902 – 1989)

Die Hauptverwaltung der Verseidag trägt die Handschrift eines anderen bedeutenden Avantgardisten: Der Architekt Egon Eiermann entwarf sie auf Empfehlung Mies van der Rohes in den 1950er Jahren.  Gleichzeitig realisierte Bernhard Pfau den Neubau der Textilingenieurschule, die Kaderschmiede der Textilindustrie, zu deren Absolventinnen auch die Modedesignerin Jil Sander zählt.

Öffnungszeiten. Mi - Fr: 15.00 -21.00 Uhr,  Sa, So und Feiertage: 12.00 - 20.00 Uhr (Sonderöffnungen für Gruppen und Schulen nach Vereinbarung)

Kurzeinführung: Freitag und Samstag um 17.00 Uhr, Sonntags um 15.00 Uhr

Michael Dannenmann
Krefeld Pavillon von Thomas Schütte, Foto: Michael Dannenmann
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