Benediktiner, Bücher und Bogler

Im Fokus: Rheinland-Pfalz

Weingut Kreutzenberger (1928/30), Architekt: Otto Prott

Highlight 1

Die Benediktinerabtei Maria Laach liegt verwunschen in der hügeligen Landschaft der Eifel. Im Hochmittelalter erbaut, zieht die Klosteranlage noch heute Besucher an, die die Ruhe und Achtsamkeit genießen. Die Mönche arbeiten in der Gärtnerei, der Klosterfischerei, der Schreinerei und dem Obstgarten. Maria Laach war und ist aber auch ein Ort, der immer von Kunst und Kunsthandwerk geprägt wurde. Kunstschmiede, Bildhauerei und Buchbinderei zeugen ebenso davon, wie die Keramikmanufaktur. Die klösterliche Werkstatt steht für neue Formen, bewahrt aber auch das Erbe des Bauhaus-Künstlers und Laacher Mönches Pater Theodor Bogler. Es gibt einen großen Bestand von Skizzen, Entwürfen und auch Originalen von Bogler. Die Keramikmanufaktur nutzt diesen großen Schatz und arbeitet mit exakt den Techniken, die schon Bogler am Bauhaus erprobt hatte: traditionell an der Scheibe und im Gussverfahren. Die Ausstellung „Asche oder Feuer – Bauhaus-Keramiker und ihre Erben“ dokumentiert noch bis zum 20. Februar 2020 Entwicklungsabschnitte des Bauhauses anhand von Originalen und Repliken von Theodor Bogler und Otto Lindig und kombiniert sie mit neuen Arbeiten zeitgenössischer Künstler*innen. Das Schöne daran ist, dass Sie die einzelnen Stücke in die Hand nehmen können: Anfassen ist ausdrücklich erlaubt! 
 

Zur Ausstellung
Grau-brauner Krug, entworfen von Christiane Bernstiel

Highlight 2

In der Pfalzbibliothek in Kaiserslautern dreht sich bis zum 12. Oktober alles um das „Bauhaus in Büchern“. Die Bibliothekar*innen haben ihren Bestand für Sie nach allem durchsucht, was zur Moderne passt. Sie zeigen anhand der Literatur auf, wie Kunst, Architektur, Industriedesign, Typografie und Layout am Bauhaus gelebt und gelehrt wurden.

Zur Ausstellung
Bauhaus-Signet ab 1922, entworfen von Oskar Schlemmer

Highlight 3

Wenn Sie schon mal in Kaiserslautern sind, dann lohnt sich der Abstecher ins nahe Eselsfürth, dem ehemaligen Luftkurort nordöstlich der Stadt. In Eselsfürth, verborgen hinter Laubbäumen, steht die Villa Max Gläser. Der streng kubische Baukörper ist eines der wenigen Zeugnisse des Neuen Bauens in Kaiserslautern. Der Auftraggeber Max Gläser war ein bekannter Emailfabrikant. Gläser beauftragte den Stuttgarter Architekten Hans Herkommer, für ihn ein Wohnhaus zu errichten, das man auch als Gemäldegalerie nutzen konnte. So entstanden klar voneinander abgetrennte Bereiche: Kunst und Repräsentation, Wohnen und Schlafen und Bewirtschaftung. Ein dreigeschossiger Turm beherbergte die Wirtschaftsräume. Den Herrschaftsbereich bildete der dahinter liegende zweigeschossige Mittelblock. Mehr als über den Gartenzaun schauen können Sie nicht, trotzdem lohnt sich der Ausflug zu diesem Zeugnis des Neuen Bauens, das unter Denkmalschutz steht und leider in einem recht schlechten Zustand ist.

Mehr Infos zum Bau
saai | Südwestdeutsches Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Werkarchiv Hans Herkommer
Villa Glaeser in Eselsfürth, die 1927/28 von Hans Herkommer aus Stuttgart für den Industriellen und Kunstsammler Max Glaeser errichtet wurde und sich heute in einem desolaten Zustand befindet.

Highlight 4

Kraftvoll strahlend kommt das Weingut J. Kreutzenberger daher, das eine Station der „Grand Tour der Moderne“ ist. In den Weinbergen von Kindenheim gelegen, lockt es viele Besucher an, die sich für Architekturklassiker der Moderne interessieren. 1929 hat es der Architekt Otto Prott in der modernen und klaren Formensprache der Neuen Sachlichkeit entworfen. Das zweigeschössige Gebäude ist weiß verputzt, die Hauskante abgerundet und mit zwei übereinanderliegenden geschwungenen Fensterbändern versehen. Das offene Flachdach mit Dachterrassen, der Balkon und ein breiter, der Straße zugewandter Fassadenvorsprung strukturieren den kubischen Körper. 

Zum Bau
Tillmann Franzen, tillmannfranzen.com / VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Weingut Kreutzenberger (1928/30), Architekt: Otto Prott

Highlight 5

Ebenfalls zur Grand Tour zählt die Verwaltungshochschule in Speyer. Der Universitätscampus entstand Ende der 1950er-Jahre in einer Grünzone am Stadtrand. Entworfen wurde er von Sep Ruf, dem Architekten des Kanzlerbungalows in Bonn. Mit seinen eleganten, verglasten Flachdachbauten bezieht er sich auf das Bauhaus und die Neue Sachlichkeit der 1920er-Jahre. Ruf war die fließende, harmonische Wechselbeziehung zwischen Architektur und Natur besonders wichtig. Große Glaswände und vorkragende Dächer heben förmlich die Grenze zwischen der umliegenden Parklandschaft und dem Gebäude auf. Das Grün ist Teil der Architektur, dafür sorgen auch die drei atriumartigen Innenhöfe.

Zum Bau
© Tillmann Franzen, tillmannfranzen.com
Verwaltungshochschule Speyer (1959-1960), Architekt: Sep Ruf
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