Drei Mal Leben in der Moderne

Im Fokus | Kulturstiftung des Bundes

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Anlässlich von 100 jahre bauhaus haben sich in der hessischen Metropole drei hochkarätige Institutionen zusammengeschlossen, um das „Neue Frankfurt“, jenes legendäre Großstadtprojekt der Moderne, mit aufeinander abgestimmten Sonderausstellungen zu würdigen: das Museum Angewandte Kunst, das Deutsche Architekturmuseum und das Historische Museum Frankfurt. In ihrer Gesamtheit machen die drei Ausstellungen den ganzheitlichen Anspruch des Neuen Frankfurts deutlich, alle Bereiche des Lebens in der Großstadt zu erfassen und neu zu denken. Vom weithin bekannten Wohnungsbauprogramm über Mode-, Produkt- und Kommunikationsdesign bin hin zu gesundheitlichen und wirtschaftlichen Themen.

Den Anfang macht das Museum Angewandte Kunst mit seiner Schau „Moderne am Main 1919-1933“, die am 19. Januar eröffnet wird. Sie illustriert die Einbettung des „Neuen Frankfurts“ in eine forcierte Industrialisierung und den Ausbau kommunaler Bereiche mit der Absicht, das traditionsreiche Frankfurt in eine moderne urbane Gesellschaft zu verwandeln. Verantwortlich für diesen visionären Aufschwung waren Persönlichkeiten aus Politik und Kultur wie Oberbürgermeister Ludwig Landmann, sein Städtebaurat Ernst May, aber auch Fritz Wichert, Direktor der Städelschule und Mitherausgeber der Zeitschrift neues frankfurt.

Der Beitrag des Deutschen Architekturmuseums mit dem Titel „Neuer Mensch, Neue Wohnung“ widmet sich ab 23. März explizit den Siedlungen und ausgewählten Bauten der Moderne, wie ihr Untertitel „Die Architektur des Neuen Frankfurt 1925-1933“ verrät. In ihrem Zentrum steht die gemeinsame Vision von May und Landmann, die sich jedoch nie in baulichen Maßnahmen erschöpfte, sondern eine gesamtkulturelle Erneuerung anstrebte. Ihre Impulse führten zur Entwicklung von bis heute geltenden Standards wie der Einbauküche, funktionalem Mobiliar und der integrierten Stadt- und Grünplanung.

Das Historische Museum Frankfurt stellt die gesellschaftlichen Aspekte des modernen Siedlungsbaus ins Zentrum ihrer Veranstaltungen. Das Interesse an der zeitgenössischen Relevanz moderner Konzepte zeigt sich schon im Titel der Ausstellung: „Wie wohnen die Leute? Mit dem Stadtlabor in den Ernst-May-Siedlungen“ Ein Jahr lang beschäftigten sich Planer, Wissenschaftler, Künstler und heutige Bewohner der Siedlungen mit Fragen nach dem „Leben in der Utopie von gestern“ und sozial gerechtem Wohnen in einem „Neuen Frankfurt der Zukunft“. Ab 16. Mai sind die Ergebnisse dieser Feld- und Visionsforschung im Stadtlabor des Historischen Museum Frankfurt zu sehen.

Alle drei Ausstellungen werden durch Mittel der Kulturstiftung des Bundes, des Landes Hessen sowie der Stadt Frankfurt am Main gefördert. Die Koordination übernahm die eigens dafür eingerichtete Geschäftsstelle „Forum Neues Frankfurt“, die von der ernst-may-gesellschaft e.v. geführt wird.

Außerhalb des Bauhaus-Verbunds 2019, aber ebenfalls von der KSB gefördert, findet ab dem 1. Februar die Ausstellung „Reflex Bauhaus“ in der Neuen Sammlung München statt.  In dieser Schau treffen historische Objekte, darunter Textilien von Anni Albers und Gunta Stölzl, Grafiken von Herbert Bayer und Lászlo Moholy-Nagy, Metallarbeiten von Wilhelm Wagenfeld und Spielzeug von Alma Siedhoff-Buscher, auf zeitgenössische Rezeptionen. Mit dabei: Die Architektin Anupama Kundoo und der Komponist Junya Oikawa.

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