Futuristische Klänge und Probesitzen in der Moderne

Im Fokus | Sachsen

Tillmann Franzen, tillmannfranzen.com

Nikolaischule

Angefangen vom Eröffnungsfestival in Berlin bis hin zum Performa Festival in New York feiern 2019 zahlreiche Institutionen Oskar Schlemmer als genialen Leiter der Bauhausbühne. Dass der lebenslang als Maler aktive Bauhausmeister auch im Bereich der freien Kunst und der Innenraumgestaltung Außergewöhnliches leistete, lässt sich aktuell in der Leipziger Alten Nikolaischule nachvollziehen. Das im Zentrum einer Ausstellung stehende, von Adolf Rading erbaute Haus Rabe im sächsischen Zwenkau gilt nicht umsonst als „Höhepunkt der Bauhaus-Architektur“. Seine futuristische Innenraumgestaltung geht auf Schlemmers Entwürfe zurück, der auch schon für den legendären Treppenaufgang im Weimarer Bauhaus verantwortlich zeichnete.

Kulturstiftung Leipzig/Durth

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Ausstellung Hellerau

Die Ausstellung „Hellerau – Die Idee vom Gesamtkunstwerk“ über den auch vom Bauhaus vertretenen modernen Dreiklang von Arbeiten, Leben und Kunst geht ursprünglich auf eine Initiative des traditionsreichen Deutschen Werkbunds Sachsen zurück. Sie wurde 2006 zu Ehren von „100 jahre hellerau“ iniitiiert und wird seither laufend erweitert und aktualisiert. Anlässlich des großen Bauhausjubiläums hat sie nun einen festen Platz auf dem Hellerauer Festspielhausgelände gefunden, wo sie täglich bis 18 Uhr kostenfrei zu besichtigen ist.

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Lesesaal Leipzig

Dass die Moderne mit dem Ende des Bauhauses auch in Deutschland kein abruptes Ende fand, zeigt eine wahre Perle moderner Gestaltung, der sogenannte Bauhaus-Lesesaal in der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig. Der 1937 unter Federführung des Propagandaministeriums eröffnete Lesesaal besticht durch elegante Stahlrohr-Möbel von Mart Stam und Schirmleuchten im Stile der Kaiser Idell. Im Bauhausjahr lässt sich der Raum im Rahmen einer einstündigen Führung erforschen – Probesitzen in den zeitlosen Möbeln inklusive.

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Zukunftsräume

Dass das traditionsreiche Elbflorenz zu einem wahren Eldorado für Liebhaber moderner Kunst werden konnte, war unter anderem der Verdienst einer ganzen Reihe richtungsweisender Ausstellungen in den 1920er Jahren. Die aktuelle Schau „Zukunftsräume“ holt die abstrakt-konstruktive Avantgarde zurück nach Dresden und lässt die Lust der Sachsen auf den gestalterischen Aufbruch der Gesellschaft – teilweise mit virtuellen Rekonstruktionen – wieder greifbar werden. Abgerundet wird die historische Ausstellung durch Werke des zeitgenössischen Künstlers Heimo Zobernig, der sich mit den Entwürfen Piet Mondrians für eine Dresdner Villa auseinandersetzt.

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Buch- und Schriftmuseum Leipizig

Eine Ausstellung im Deutschen Buch- und Schriftmuseum in Leipzig widmet sich dem durch und durch modernen Thema der Typographie. Die Erforschung des  Zusammenhangs von Gestaltung und Kommunikation spielte schon in der Reklameabteilung des Bauhauses eine zentrale Rolle. Und so verwundert es nicht, dass Jan Tschichold, einer der wichtigsten Typografen des 20. Jahrhunderts, zwar nie am Bauhaus war, sein 1925 erschienenes Standartwerk „Elementare Typographie“ aber dennoch starke Einflüsse seiner Dessauer Kollegen aufweist. Wie viele der Bauhäusler musste er Deutschland 1933 verlassen – doch sein Werk verbreitete sich über sein Schaffen im Exil in die ganze Welt. In Leipzig sind auch seine legendären Cover für den Penguin Verlag zu sehen.

Deutsche Nationalbibliothek

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MDR Kammerkonzert

Last but noch least spürt ein Kammerkonzert des MDR der „Musik von Künstlern mit Bauhaus-Verbindung“ nach. Im Leipziger Kino UT Connewitz sind Ende des Monats Werke von Stefan Wolpe, Arnold Schönberg und Lyonel Feininger zu hören – interpretiert von acht Musikern des MDR-Sinfonieorchesters. Das Bauhaus, ein Ohrenschmaus!

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    [NF 2019]

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