Gehört das Bauhaus ins Museum?

Die historische Bauhaus-Sammlung

Jan Keler
Peter Keler, Kinderwiege, 1922, Klassik Stiftung Weimar

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Das erste Objekt, das die Staatlichen Kunstsammlungen im Gründungsjahr des Bauhauses für die Schule verzeichneten, war die Studierendenzeitschrift „Der Austausch“. Die Schülervertretung hatte sie dem neuen Museumsdirektor Wilhelm Köhler überreicht und dieser integrierte sie nicht nur in den Museumsbestand, sondern abonnierte sie auch für die Bibliothek. Er war überaus interessiert an der Kunst der Moderne und versuchte, das Weimarer Publikum dafür zu begeistern. Das Bauhaus wirkte dabei wie ein Multiplikator. Als das Bauhaus 1925 Weimar verlassen musste, regte der Museumsdirektor Wilhelm Köhler an, Bauhaus-Objekte in die Kunstsammlungen zu übernehmen. Außerdem sollten Drucksachen und Fotografien als "Bauhaus-Archiv" in den Kunstsammlungen aufbewahrt werden und zukünftig "für alle Nachfragen und Nachforschungen … zur inneren Geschichte des Bauhauses" zur Verfügung stehen. Eine kritische Sicht auf das Bauhaus wurde schon bei Sammlungsbeginn eingeplant, denn Köhler wollte neben den Leistungen auch Beispiele für die "Irrwege der Werkstatten und der Leitung" bewahren.

Hersteller der Nachbildung: Naef Spiele AG
Alma Siedhoff-Buscher, Kleines Schiffbauspiel, 1923
Klassik Stiftung Weimar
Eberhardt Schrammen, Fünf Handpuppen, um 1923, Dauerleihgabe der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität von Köln an die Klassik Stiftung Weimar
Vereinigung der Benediktiner zu Maria Laach e.V.
Theodor Bogler, Vorratsdosen, 1923, Klassik Stiftung Weimar
Klassik Stiftung Weimar © Friedemann und Renate Löber
Wilhelm Löber, Drachenkrug, 1923/25

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Gemeinsam suchten Walter Gropius und Köhler circa 170 Werkstattarbeiten für das Museum aus. Damit bestimmten sie auch, welches Bild der Nachwelt vom Bauhaus in Weimar vermittelt werden sollte. Die so entstandene Sammlung ist bis heute die älteste und von Gropius autorisierte museale Bauhaus-Kollektion. Während Werke unter anderem von Paul Klee, Wassily Kandinsky und Gerhard Marcks 1937 der Beschlagnahme durch die Reichskammer der bildenden Künste zum Opfer fielen, überstand sie die Zeit des "Dritten Reiches" fast verlustfrei. Unausgepackt und in einem Seitenraum des Stadtschlosses verborgen, wurde sie erst in den 1950er Jahren inventarisiert. Bis heute ist sie vollständig erhalten und wird nun als Herzstück des Museums gezeigt. Die Frage nach der Museumstauglichkeit des Bauhauses beantwortet Gropius also selbst mit einem deutlichen JA.

unbekannt
Marcel Breuer, Klubsessel B3 Wassily, 1925, Dauerleihgabe der Ernst von Siemens Kunststiftung an die Klassik Stiftung Weimar
Klassik Stiftung Weimar, © unbekannt
Marcel Breuer, Lattenstuhl, 1922/24,
unbekannt
Marcel Breuer, Viersatztische B9, 1925 – 1926, Dauerleihgabe der Ernst von Siemens Kunststiftung an die Klassik Stiftung Weimar

Das Bauhaus kommt aus Weimar und kehrt im Frühjahr 2019 in ein neues Haus zurück. Im neu errichteten Bauhaus-Museum Weimar werden erstmals die Schätze der ältesten Bauhaus-Sammlung der Welt geschlossen gezeigt. Der Band präsentiert jedoch nicht nur Design-Ikonen, sondern ermöglicht anhand einer Vielzahl weiterer Objekte einen Blick hinter die Fassade des Mythos Bauhaus.

Hg. Wolfgang Holler, Ulrike Bestgen, Ute Ackermann

Beiträge von U. Ackermann,  U. Bestgen, A. Blümm, M. Götze, H. Hanada, J. Siebler,  V. Stephani

ISBN: 978-3-7774-3272-4 
HIRMER-Verlag


Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2017
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