Im Labor der Möglichkeiten

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„Die Frage nach meiner Lieblingsveranstaltung ist leicht beantwortet: alle! Ich freue mich auf die ‚Radiolounges‘ im Festivalzentrum, bin glücklich über die ‚Studio Visits‘ bei zwei Architekten, einem Ausstellungsgestalter und einer Modedesignerin, die ihre Arbeit mit und fürs Bauhaus erläutern. Ich will jeden Film der Reihe ‚Bauhaus und Film‘ sehen, insbesondere die Dokumentarfilme. Die beiden Konzerte im Musikinstrumenten-Museum sind vorgemerkt, vor allem das Vortragskonzert zur ‚Musik am Bauhaus‘ mit dem Musikwissenschaftler Michael Henke. Ich bin sehr gespannt auf den Autor Bernd Polster, der im Bröhan-Museum aus seiner neuen Gropius-Biografie liest. Besonders aber freue ich mich auf die vielen Workshops: auf die Druckworkshops in der historischen Druckerei im FHXB-Museum, auf die Keramikworkshops in der KPM und die Workshops von ‚zukunftsgeraeusche‘ im Festivalzentrum, dem bauhaus reuse, bei denen die Themen Nachhaltigkeit und Transdisziplinarität verhandelt werden. Wie viel ich davon schaffen werde? Zu wenig!“

Christoph Tempel, Leiter der bauhauswoche berlin 2019

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„Wenn ich an das Bauhaus und die Zwanzigerjahre denke, denke ich an Swing-Musik, rauschende Feste und tolle Tanz-Outfits. Ob Gropius und Co. wirklich eine flotte Sohle aufs Parkett gelegt haben, das weiß ich nicht. Aber klar ist, dass Charleston und Swing auf den Festen der Bauhäusler gespielt wurden. Wer sich in dieses Lebensgefühl hineinversetzen möchte und die Original-Tanzschritte lernen will, der sollte am Samstag, den 7. September zum Tanzkurs mit ‚Lottas Jitterbugs‘ kommen. Open Air, auf einem Holztanzboden draußen vor dem Festivalzentrum wird Lotta zu Schellackplatten von DJ Wuthe und Swingin’ Swanee eine Einführung in die Grundschritte des Charleston geben. Und anschließend wird getanzt, mit Live-Musik der Bigband ‚Kind of Dukish‘. Eine einmalige Gelegenheit in außergewöhnlicher Kulisse!“

Hanna Belz, bis Juli 2019 Projektmanagement

Unbekannter Fotograf, National Photo Company
Frank Farnum und Pauline Starke, Filmstill aus „Bright Light“ (1925)

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„Ich freue mich darauf, auf Dachterrassen zu turnen und den Blick über die Stadt schweifen lassen zu können. Die Schaufensterausstellung rund um den Savignyplatz und in der Potsdamer Straße, die mir die wichtigsten Köpfe und Designer*innen des Bauhauses vorstellt, werde ich mit der ganzen Familie ansehen. Und der Keramik-Workshop bei KPM ist natürlich toll für die Kinder. Ganz bestimmt werde ich das Festivalzentrum auf dem Ernst-Reuter-Platz besuchen – ich bin neugierig auf diesen Ort, den ich so häufig umrundet, aber kaum betreten habe. Die Radiolounge am Abend im gläsernen Festivalzentrum oder die Lichtinstallation ‚your point of view‘ auf dem Platz umspült vom Rauschen der Stadt reizen mich sehr. Die ebenfalls dort stattfindende Vortragsreihe ‚bauhaus – praxis – gegenwart‘ werde ich mir nicht entgehen lassen.“

Julia Wachs, 100 jahre bauhaus in berlin

Ricarda Schüller
Yoga auf Dachterrassen: Die Yogalehrerin und Kulturjournalistin Sarah Elsing vor moderner Kulisse.

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„Ein besonderes Highlight ist für mich die Vorstellung des Gemeinschaftsprojekts ‚Gesehen von/Seen by Stefan Berg‘ von Fotograf Stefan Berg und Harald Theiss, Kurator und Herausgeber des Buches. Außerdem möchte ich mir auf keinen Fall den Vortrag in der Kunstbibliothek ‚typografie aktuell. vom bauhaus in die gegenwart‘ entgehen lassen, bei dem vier namhafte Gestalter*innen dieselbe Frage diskutieren: Wohin geht die typografische Entwicklung? Zeitlose Themen werden beleuchtet, hinterfragt und von Ausstellungen unterstrichen. Da weiß man gar nicht, wo man anfangen soll.

Cornelia Eisendle, Praktikantin der bauhauswoche berlin

Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin
László Moholy-Nagy, Wohin geht die typographische Entwicklung, Tafel 1, Fotografie, 1929

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„Mein Highlight wird die Open-Air-Kinoreihe ‚bauhaus und film‘ sein: Eine Woche lang Kino unterm Blätterdach im lauschigen Garten des Podewil. Aus fast 100 Jahren Filmgeschichte werden Joachim von Vietinghoff und Christina M. Schachtschabel fast Vergessenes, jüngst erst Digitalisiertes, selten Aufgeführtes und gerade erst Produziertes vorstellen und dazu mit tollen Gästen ins Gespräch kommen. Ich freue mich besonders auf Erik Spiekermann und Martin Koerber, die über die Emanzipation des Films von der Fotografie sprechen werden, auf Dominik Graf und Martin Gressmann, die ihren Dokumentarfilm über Philip Rosenthal vorstellen werden und auf das Filmteam des ZDF-Mehrteilers ‚Die Neue Zeit‘, der an zwei Abenden in voller Länge im Podewil Berlin-Premiere haben wird. Die Eröffnungsparty im Festivalzentrum lasse ich mir natürlich auch nicht entgehen, und nach sechs Kinonächten freue ich mich auf die Yogasession Sonntagfrüh auf dem Ernst-Reuter-Platz, bevor ich mir auf dem Nachhauseweg noch schnell bei C. Adolph und im Bücherbogen die Bauhaus-Schaufenster ansehen werde.  Das alles wird’s ganz gewiss so schnell nicht wieder geben!“

Corinna Scheller, Leiterin der Abteilung Kulturförderung, Museumsdienste und Beratung, Organisation der Filmreihe

Hans Richter
Rhythmus 21, Filmstill

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„Wie soll ich einen Liebling aussuchen unter diesen vielen wunderbaren Angeboten? Ich denke, am meisten freue ich mich auf das ‚Yoga auf dem Dach‘. Ich liebe es, den Körper durch Bewegung aufzuwecken … wie wunderbar die Vorstellung, dies mit einem weiten Blick über Berlin zu tun. Ich wäre neugierig, wie der Blick damals für die Schüler vom Bauhaus war.“

Helene Altenstein, Projektmanagement

Hanna Belz
Yoga vor Bauhaus: Mies van der Rohe Haus.

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„Wer Lust auf eine andere Art der Auseinandersetzung mit dem Bauhaus hat, kann dies bei einem Schaufensterbummel in der Kantstraße rund um den Savignyplatz und in der Potsdamer Straße tun. Hier präsentieren wir die Geschichte der Avantgarde-Schule anhand ihrer Werkstätten in 15 Auslagen von Einzelhandelsgeschäften und in einem Fenster der Staatsbibliothek. Große gemalte Collagen der Theatermalerin Jacque Teschner bilden den Hintergrund zu jedem Kapitel. Wer – wie ich – nicht bummeln will, sondern durch die Geschichte des Bauhauses geführt werden möchte, hat dazu täglich zweimal die Möglichkeit, um 16 und um 18 Uhr starten die kostenlosen Führungen alternierend am Stilwerk in der Kantstraße 17 und bei ‚hering berlin‘ in der Potsdamer Straße 98.“

Antonia Krieg, Projektmanagement

VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Foto: Alexander Schippel
Der Bauhaus-Gründer und erste Direktor Walter Gropius (1883–1969). Collage, Dispersionsfarbe auf Baumwollnessel, 191 x 232 cm. Entwurf: Eckhard Gruber, künstlerische Umsetzung: Jacqueline Teschner.

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„Mein Favorit: die Emanzipation in über 100 Jahren Moderne – vom Frauenwahlrecht bis zur Gender-Debatte. Das ganztägige Symposium ‚Modern Emancipation‘ beschäftigt sich mit der emanzipatorischen Entwicklung in Mitteleuropa: von der Jahrhundertwende zur Zwischenkriegszeit, von 1919 bis zum Ende der Weimarer Republik, von der Nachkriegsmoderne bis heute. Welche Entwicklungen waren gesellschaftlich maßgebend? Wo steht die Debatte aktuell? Referent*innen aus Forschung, kultureller und aktionistischer Praxis stellen Protagonist*innen der Moderne vor, im Kontext von Frauenbewegung, Urbanisierung, Architektur-Moderne und modernen Staatsgründungen. In offenen Table-Talks vergleichen sie die Entwicklung in Ost und West und diskutieren den heutigen Stand der Gleichstellung gemeinsam mit dem Publikum im bauhaus reuse. Mit u. a. Christina Thürmer-Rohr (Pionierin der Frauenbewegung), ‎Sabine Hark (ZIFG – Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung an der TU Berlin), Mary Pepchinski (Kuratorin der Ausstellung ‚Frau Architekt‘), Birte Förster (Historikerin und Autorin von ‚1919. Ein Kontinent erfindet sich neu‘), Martina Pachmanová (Gender und Moderne, Kunstakademie Prag), Priya Basil (Autorin von ‚Gastfreundschaft‘), Kateřina Lišková (Autorin von ‚Sexual Liberation, Socialist Style‘) und einem Live-Konzert der Rapperin EBOW: Sie rappt gegen Sexismus, Rassismus und Homophobie, für eine offene, solidarische und gleichgestellte Gesellschaft.“

Robert K. Huber, Kooperationspartner BHR OX bauhaus reuse/ zukunftsgeraeusche

Festivalzentrum: BHR OX, bauhaus reuse, Ernst-Reuter-Platz (Mittelinsel), 10587 Berlin

Den Rahmen der bauhauswoche berlin bilden die Lange Nacht der Museen und der Tag des offenen Denkmals 2019 zum Motto »Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur«.

Mehr zur Veranstaltung

Berlin feiert 100 Jahre Bauhaus: auf der Straße, im Festivalzentrum, auf den Flachdächern der Stadt. Mit einer Schaufensterausstellung zur Geschichte des Bauhauses, mit einem breitgefächerten Veranstaltungsprogramm, mit urbaner Morgengymnastik.

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