Learning From Neues Sehen?

Courtesy of Anne Wilson and Rhona Hoffman Gallery
bauhaus imaginista / Anne Wilson, Disintegration Grid, detail, 1975, Paper ruh, raffia.

headline

Rund 35 Kilometer liegen zwischen Jena, wo 1930 die erste größere Werkschau Aenne Biermanns zu sehen war, und dem Museum für Angewandte Kunst Gera, das sich seit einigen Jahren besonders um das Werk dieser Fotografin des Neuen Sehens verdient macht. Denn ein Jahr vor dem großen Bauhausjubiläum jährt sich auch der 120. Geburtstag der schon 1933 verstorbenen Künstlerin. Ihr Œuvre umfasst zahlreiche Aufnahmen mit Nahansichten, extremen Ausschnitten und Beleuchtungskontrasten, was sie nicht nur mit den Bauhaus-Fotografen, sondern auch mit den Protagonisten der Neuen Sachlichkeit in Verbindung bringt.

Die Entwicklung von einem Vertreter der Neuen Sachlichkeit, dessen „Löberschale“ bis heute reproduziert und vertrieben wird, hin zu einem klassischeren, dekorativeren Gestaltungsansatz lässt sich in einer umfassenden Ausstellung des Berliner Keramik-Museums zum Schaffen des Töpfers und Bildhauers Wilhelm Löber nachvollziehen. Der am Bauhaus Weimar ausgebildete und an der noch heute bestehenden Kunsthochschule Halle Burg Giebichenstein mit dem Meistertitel ausgezeichnete Marcks-Schüler gilt als ein zu unrecht etwas in Vergessenheit geratener Bauhäusler. Sein Werk wie sein Leben reflektiert die fruchtbare Suche wie die politischen Irrungen eines deutschen Künstlers des 20. Jahrhunderts, der aufgrund persönlicher Unbestechlichkeit sowohl aus der SA wie auch aus der SED ausgestoßen wurde.

An Bekanntheit stand das „Neue Frankfurt“ dem Bauhaus schon zu dessen Lebzeiten in nichts nach: Unter Stadtbaurat Ernst May wurde die traditionsbewusste Kaiserstadt in den goldenen Zwanzigern zu einem international beachteten Hotspot für zukunftsorientierte Architekten. Die Siedlung Höhenblick beheimatete viele seiner Protagonisten in großzügigen, hochmodern eingerichteten Häusern: Im Rahmen einer Führung durch diese exklusive Wohnsiedlung der Moderne sind die einstigen Häuser von Ernst May, Martin Elsässer und Willi Baumeister öffentlich zugänglich und besichtigbar.

18 Jahre nach dem Ende des Bauhauses gründete die Architektin Lina Bo Bardi in São Paulo die von der Hochschule für Gestaltung inspirierte Designschule „Instituto de Arte Contemporânea“ (IAC). In einem wichtigen Werk der Schulgründerin findet nun das neue Kapitel „Learning From“ der bauhaus imaginista Reihe statt. Die Ausstellung im Kulturzentrum SESC Pompéia behandelt eine der wichtigsten Fragestellungen internationaler Designpädagogik: Welche ethischen Dimensionen besitzt die kulturelle Aneingnung der moderne in Ländern wie Brasilien – damals wie heute? Das öffentliche Programm zur Ausstellung findet im Goethe-Institut São Paulo statt.

Zum Seitenanfang