Liebling Haus is open!

Foto: Yael Schmidt

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Rund 4000 Gebäude umfasst die Weiße Stadt, ein herausragendes Ensemble von Gebäuden der Moderne in Tel Aviv. Die in den 1930er und 1940er Jahren errichtete Wohnstadt ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Zahlreiche Häuser stehen unter Denkmalschutz, zahlreiche werden derzeit saniert.

Eines davon ist das Max-Liebling-Haus, in dem nun das White City Center eröffnet wird. 1936 wurde es nach den Entwürfen des Architekten Dov Karmi von Max und Tony Liebling errichtet. Seit Herbst 2017 wurde es umgebaut zu einem Zentrum für Architektur, Stadtentwicklung und Denkmalpflege. In mehreren Workshops arbeiteten rund 90 Handwerker und Lehrlinge aus Deutschland, darunter Schreiner, Verputzer und Experten für Terrazzo-Böden, gemeinsam mit israelischen Handwerkern an der Neugestaltung. Mit einem Café, einer Galerie und einem Studio für Kinder lädt es ein zum Dialog rund um die Weiße Stadt.

Foto: Yael Schmidt
Liebling Haus - The White City Center

Die Ausstellung

Bei den Sanierungsarbeiten des Liebling-Hauses platzte im Treppenhaus eine Kachel von der Wand. Unter dem Putz war der Name des Fabrikanten zu lesen: Villeroy und Boch – Made in Germany.  Die Verwendung der Baumaterialien aus Deutschland basierte auf dem Ha’avara-Abkommen, einem Vertrag zwischen Zionisten in Palästina und Nationalsozialisten in Deutschland. 

Die Ausstellung „Transferumbau“ im Liebling Haus – The White City Center betrachtet dieses Transferabkommen aus künstlerischer, architektonischer und politischer Perspektive. Zur Triennale der Moderne wird sie parallel im Bauhaus Dessau gezeigt.

Foto: Yael Schmidt
Liebling Haus - The White City Center, Treppenaufgang

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Das umstrittene Abkommen zwischen der Jewish Agency, der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und Nazideutschland galt von 1933 bis 1938. Es sollte ein Anreiz sein für deutsche Juden, auszuwandern, indem es ihnen ermöglichte, einen Teil ihres Besitzes nach Palästina zu transferieren. Dafür zahlten sie ihr Vermögen bei einer der Transferbanken in Deutschland ein. Lokale Importeur*innen kauften von diesem Geld Waren wie Baumaterialien in Deutschland und verkauften sie in Palästina. Bei Ankunft in Palästina erhielten die Auswanderer ihre Gelder dann nach Abzug von Kosten wieder zurück. Über 50.000 deutsche Juden wanderten über das Ha’avara-Abkommen aus. Geschätzte 150 Millionen Reichsmark sollen transferiert worden sein. Ein regelrechter Bauboom setzte durch die Masse an Baumaterialien ein, die die Weiße Stadt Tel Aviv  – vom Zement bis hin zur Fliese – mit prägte.

Foto: Yael Schmidt
Liebling Haus - The White City Center

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Das Team um die Künstler Ilit Azoulay, Lou Moriah, Nir Shauloff und Jonathan Touitou, die Kuratorin Hila Cohen-Schneiderman und die Denkmalpflegerin Sharon Golan-Yaron setzt den Fokus auf das Konzept der „Societies on the Move”: die Bewegung von Menschen, Materialien und Kulturen als zentrales Element moderner Architektur und deren Einfluss auf die Stadtentwicklung. Das Projekt wird historische und zeitgenössische Beziehungen erforschen und dabei fragen, wie sich Migration und Mobilität auf Individuen, Städte und Kulturen auswirken, während sie ihre Identitäten neu gestalten.

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Die Ausstellung Transferumbau wird im Rahmen der Triennale der Moderne in Dessau präsentiert.

 

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Fotobeitrag: Yigal Shalhevet via. Lizenziert unter Wikimedia Commons. CC0 BY 1.0: https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de https://www.pikiwiki.org.il/image/view/4802 https://commons.wikimedia.org/wiki/File:PikiWiki_Israel_4802_Haifa_1930.jpg https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Pikiwikisrael
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