Was allem Werden zugrunde liegt

Bewegung am Bauhaus

Foto: G. Riebicke, aus: Fritz Giese: Körperseele, Gedanken über persönliche Gestaltung, München ca. 1924
Labanschule: Paargruppierung, Foto: G. Riebicke, aus: Fritz Giese: Körperseele, Gedanken über persönliche Gestaltung, München ca. 1924

Bewegung als neues Lebensgefühl

„statt sich, zu verhängen, einzuschließen, öffnet sich der heutige mensch. alles strebt nach licht und luft, nach befreiender weite.“ – László Moholy-Nagy1

„Wir verändern unsere Lebensformen in rascherer Folge als in früheren Zeiten. Es ist nur selbstverständlich, daß auch unsere Umgebung entsprechenden Veränderungen unterliegen muß. Wir kommen also zu Einrichtungen, zu Räumen, zu Bauten, welche in möglichst allen ihren Teilen veränderlich, beweglich und verschieden kombinierbar sind.“ – Josef Albers2

„Wir tanzen die ganze Nacht. Wir arbeiten auch die ganze Nacht, wenn wir am Tag nicht fertig werden.“ – Xanti Schawinsky3

Gestaltung in Bewegung

„Bewegung liegt allem Werden zugrunde. (…) Die bildnerische Form überhaupt beginnt beim Punkt der sich in Bewegung setzt.“ – Paul Klee4

„Das geistige Leben, zu dem auch die Kunst gehört und in dem sie eine der mächtigsten Agentien ist, ist eine komplizierte aber bestimmte und ins Einfache übersetzbare Bewegung vor- und aufwärts. Diese Bewegung ist die der Erkenntnis.“ – Wassily Kandinsky5

„Die Freiheit des Schaffens beruht nicht auf der Grenzenlosigkeit der Ausdrucks- und Gestaltungsmittel, sondern auf freier Bewegung innerhalb ihrer strengen gesetzmäßigen Begrenzung.“ – Walter Gropius6

„Die Bühne als Stätte zeitlichen Geschehens bietet hingegen die Bewegung von Form und Farbe; zunächst in ihrer primären Gestalt als bewegliche, farbige oder unfarbige, lineare, flächige oder plastische Einzelformen, desgleichen veränderlicher beweglicher Raum und verwandelbare architektonische Gebilde. Solches kaleidoskopisches Spiel, unendlich variabel, geordnet in gesetzmäßigem Verlauf, wäre – in der Theorie – die absolute Schaubühne.“ – Oskar Schlemmer7

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In der Ausstellung „Bauhaus in Bewegung“ des Bauhaus-Archives in Berlin können bis zum 8. Januar 2018 Arbeiten aus dem Vorkurs sowie allen Werkstätten des Bauhauses entdeckt werden. Anhand von Fotografien lassen sich zudem die Ortswechsel nachvollziehen, die die Bauhäusler u. a. durch die Umzüge der Institutionen oder aus politischen Gründen vornehmen mussten.

Auch die Zeitschrift Bauhaus N° 8 der Stiftung Bauhaus Dessau veranschaulicht, wie bewegt die Zeit der Moderne und des Bauhauses war. Das Heft schlägt immer wieder den Bogen zum Hier und Jetzt, indem es an zeitgenössische Positionen von Gestaltern, Künstlern, Choreografen oder Fotografen anknüpft. So bietet die Ausstellungsmacherin und Autorin Marion von Osten bspw. Einblick in die Internationalität des Bauhauses und verweist damit auf die von ihr co-kuratierte internationale Ausstellungstournee bauhaus imaginista, die als Jubiläumsprojekt 2018 starten wird. In Kürze mehr dazu. 

  1. Quellen:
  2. [1] Moholy-Nagy, László (1929): Von Material zu Architektur, München, S. 206.
  3. [2] Albers, Josef (1928): metallmöbel und moderne räumlichkeit, in: Das neue Frankfurt 21, S. 11.
  4. [3] Schawinsky, Xanti (1924): Junger Bauhäusler, in: Walter Hammer (Hg.): Junge Menschen. Monatshefte für Politik, Literatur und leben aus dem Geiste der jungen Generation. 5. Jg., H. 8, S. 190.
  5. [4] Klee, Paul (1920): Schöpferische Konfession, in: Tribüne der Kunst und der Zeit. Eine Schriftensammlung, Band XIII, Berlin, S. 32.
  6. [5] Kandinsky, Wassily (1911): Über das Geistige in der Kunst. Insbesondere in der Malerei, München.
  7. [6] Gropius, Walter (1923): Idee und Aufbau des Bauhaus, in: Staatliches Bauhaus Weimar.
  8. [7] Schlemmer, Oskar (1925): Mensch und Kunstfigur, in: O. Schlemmer, L. Moholy-Nagy, F. Molnár (Hg.): Die Bühne im Bauhaus (= Bauhausbücher 4), München, S. 7.
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