Zeugnis der Lebensfreude

Die Feste am Bauhaus

Klassik Stiftung Weimar.
Bauhausfest im Ilmschlösschen bei Weimar, Foto: Louis Held, 29.11.1924.

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Die Liste der Feste am Bauhaus ist lang: Geburtstagsfeste, herbstliche Drachenfeste, Lampionfeste zur Sommersonnenwende, Weihnachstfeste, nächtliche Umzüge durch den Park an der Ilm, Laternenfeste, Faschingsfeste. Aber auch der Abschluss eines gelungen Teppichs oder die Geburt eines Kindes waren oft Anlass, um zu feiern. Damit entsprach man den Grundsätzen des Bauhauses, nach denen Feste zu einem Bestandteil des schulischen Lebens am Bauhaus gehörten. In seinem Manifest von 1919 schrieb Gropius: „Pflege freundschaftlichen Verkehrs zwischen Meistern und Studierenden außerhalb der Arbeit, dabei Theater, Vorträge, Dichtkunst, Musik, Kostümfeste, Aufbau eines heiteren Zeremoniells bei diesen Zusammenkünften.“

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Damit wurde die bereits an der ehemaligen Kunstschule in Weimar begründeten Tradition der Künstlerfeste am Staatlichen Bauhaus fortgeführt. Solche Aktivitäten wurden von städtischer Seite strikt abgelehnt. So wies der Weimarer Oberbürgermeister Martin Donndorf bereits 1919 darauf hin, dass das Betreten von öffentlichen Straßen und Plätzen in Maskenkostümen aus „sicherheitspolizeilichen Günden“ verboten sei. Ein beliebter nicht-öffentlicher Ort, der das Feiern in ausgelassener Atmosphäre erlaubte, war die Gaststätte „Zum Ilmschlößchen“. Hier kamen Bauhaus-Studenten spontan und informell zusammen, feierten Lampionabende im Garten und die Bauhaus-Kapelle spielte auf. Diese Feste, auf denen man tanzte, Sketche aufführte und Felix Klee auf seinem Puppentheater improvisierte, gelten als „Zeugnis der Lebensfreude, die sich trotz der … Armut der Studenten einstellte“ (Ulrike Bestgen). Andor Weininger, seit 1921 am Bauhaus, beschrieb sie auch als Ventil: „Wenn alle hart gearbeitet hatten und es Depressionen und Spannungen gab, schlugen einige von uns vor …, wir könnten mal wieder ein Tanzfest gebrauchen. (…) Die Tanzfeste waren wie ein Barometer. (…) Sie brachten alle zusammen.“

Klassik Stiftung Weimar / Arnulf Lutz
Unser Spiel. Unser Fest. Unsere Arbeit, Autor: Rudolf Lutz, 1919.

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Während Feste in Weimar oft noch spontan waren und, wie Oskar Schlemmer 1928 rückblickend in seinem Tagebuch festhielt, „der Expressionismus seine tollsten, phantastischsten Blüten trieb“, nahmen sie in Dessau einen zunehmend professionelleren Charakter an, wurden zum „kulturellen Ereignis“ (Mercedes Valdivieso). Oskar Schlemmer übernahm in oft wochenlanger Arbeit und unter Beteiligung fast aller Werkstätten ihre Konzeption und Organisation. Die Bauhaus-Kapelle, die meist bei den Festen auftrat, spielte mondänen Jazz statt – wie noch zu Weimarer Zeiten – auf der Ziehharmonika und die Feste standen nun hinsichtlich Kostümierung und Raumgestaltung oftmals unter einem bestimmten Motto.

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Flyer, Einladungen und Eintrittskarten für Feste und ähnliche Veranstaltungen im Postkartenformat sind die am weitesten verbreiteten Druckgrafiken aus dem Bauhaus. Dabei handelte es sich zumeist um von Meistern und Schülern entworfene Lithografien. Als Vorbild dienten die seit der Jahrhundertwende beliebten Künstlerpostkarten. In Weimar wurden diese Karten nur in kleiner Auflage gedruckt und waren meist von Hand koloriert, in Dessau sorgten Einladungskarten, Programme und Plakate in höheren Auflagen für eine gezielte Bewerbung der Feste am Bauhaus.

Bauhaus-Archiv Berlin / VG Bild-Kunst, Bonn 2016
Postkarte zum Laternenfest am 21. Juni 1922, Lithografie, Autor: Lyonel Feininger, 1922.

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Als Höhepunkt aller Bauhaus-Feste gilt das „Metallische Fest“, das am 9. Februar 1929 unter dem neuen Bauhaus-Direktor Hannes Meyer stattfand. Über eine mit Weißblech beschlagene Rutsche gelangten die Gäste in die Festräume. Alles glänzte metallisch: An den Decken hingen Silberkugeln und die ebenfalls mit Weißblech ausgekleideten Wände spiegelten die Tanzenden wider.

Nach 1929 nahmen Feiern und Feste am Bauhaus vor dem Hintergrund der politischen Verhältnisse zunehmend ab. Unter Ludwig Mies van der Rohe, ab 1930 Direktor am Bauhaus, fand das Faschingsfest von 1931 mehr oder weniger unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Am 18. Februar 1933 beging das Bauhaus seine letzte große Feier.

 

Text: Saskia Helin (erstmals erschienen unter dem Titel "Pflege des freundschaftlichen Verkehrs" auf bauhaus-online.de am 22. Februar 2011)

  1. Literatur:
  2. Bestgen, Ulrike (2009): Unser Spiel – Unser Fest – Unsere Arbeit. Bühne, Fest und Spiel am frühen Bauhaus, in: Ackermann, Ute & Ulrike Bestgen (2009): Das Bauhaus kommt aus Weimar, Berlin, München, S. 144-179.
  3. Valdivieso, Mercedes (2009): „Sage mir, wie Du Feste feierst, und ich werde Dir sagen, wer Du bist“ (Oskar Schlemmer). Bauhaus-Feste in Dessau, in: Modell Bauhaus, hg. v. Bauhaus-Archiv Berlin/Museum für Gestaltung, Stiftung Bauhaus Dessau und Klassik Stiftung Weimar (2009), Ostfildern, S. 229-232.
  4. Weber, Klaus (1999): Punkt. Linie. Fläche. Druckgraphik am Bauhaus, Berlin 1999, S. 243-249, Abb. S. 256-265.
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