Ein neuer Kontakt mit der materialen Umgebung

Prologausstellung Dessau

Foto: Yvonne Tenschert (Stiftung Bauhaus Dessau)
„Handwerk wird Modern. Vom Herstellen am Bauhaus“, Bauhaus Dessau, 12. April 2017 / Foto: Yvonne Tenschert (Stiftung Bauhaus Dessau)

Regina Bittner (Dr. phil.) ist Stellvertretende Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau und Leiterin der Akademie. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten in Forschung und Lehre gehören: internationale Architektur- und Stadtforschung, Moderne und Migration, Kulturgeschichte der Moderne und heritage studies. Die studierte Kulturwissenschaftlerin und Kuratorin unterrichtete im Bauhaus Kolleg sowie am Dessau Institute of Architecture. Die Ausstellung „Handwerk wird modern” hat sie gemeinsam mit Renée Padt kuratiert.

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Die drei sammlungsführenden Bauhaus-Institutionen in Berlin, Dessau und Weimar veranstalten 2017 je eine Bauhausschau, die die Ouvertüre zur großen Jubiläumsveranstaltung 2019 bildet. Wir haben uns mit Dr. Regina Bittner, der stellvertretenden Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau, über die Inhalte und Schwerpunkte der ersten Ausstellung mit dem Titel „Handwerk wird modern. Vom Herstellen am Bauhaus“ in der Stiftung Bauhaus Dessau unterhalten.

Wie geht Ihre Ausstellung mit dem im Titel anklingenden Wider­spruch zwischen Handwerk und Moderne um?

Leitfaden der in fünf Themen gegliederten Ausstellung ist die Suche nach einer Neubestimmung des Handwerks am Dessauer Bauhaus. Gleichwohl als Laboratorien für die Industrie entworfen, bildete das Handwerk in den Werkstätten eine Art kulturelle Chiffre, mittels derer die veränderten Verhältnisse zwischen Kunst, Kunstgewerbe und industrieller Produktion verhandelt wurden. Deshalb stehen nicht fertige Objekte, sondern kontroverse Geschichten über das Machen und Herstellen im Zentrum der Schau. Mit dem Blick auf das Handwerk wird ein anderes und wesentlich hybrideres Dessauer Bauhaus sichtbar, das hoffentlich dazu beiträgt, das gängige Bild eines funktionalistischen Bauhauses ein wenig zu irritieren.

Ihr aktuelles Jahresthema lautet „Substanz“: Welche Rolle spielten Materialien im Dessauer Bauhaus?

Das Lernen mit und am Material bildete die Grundsäule der Bauhauspädagogik. Neben das Entlernen „toter Konventionen“ trat das sinnliche Begreifen als Fundament des Neubeginns nach den erschütternden Erfahrungen des 1. Weltkriegs. Im kreisförmig angeordneten Bauhaus-Curriculum geht es um Materialien wie Holz, Gewebe, Metall, Ton und nicht um Disziplinen. Josef Albers und László Moholy-Nagy stellten die Erforschung taktiler Eigenschaften des Materials ins Zentrum ihres Vorkurses in Dessau. Von hier aus konnten die Bauhäusler neu in Kontakt mit ihrer materialen Umgebung treten.

Werden die Besucher der Ausstellung selbst mit Herstellungsprozessen in Kontakt treten können?

Wir haben in den Eingangsbereich der Ausstellung, in welchem aktuelle internationale Positionen zum Handwerks-Design gezeigt werden, bewusst einen Werkraum integriert, in dem die Ausstellung quasi weiterfabriziert werden soll. Diese Ausstellungsmanufaktur ist ein offenes Angebot für die Besucher, mit Materialien, Fotografien und Reproduktionen einen eigenen Katalog zum Handwerk herzustellen. Und im Rahmen des Begleitprogrammes wird zum internationalen Museumstag u.a. die Goldschmiedin Erika Schäfter, Schwiegertochter des Werkmeisters Alfred Schäfter, an der Silberschmiedebank ein paar glänzende Stücke herstellen.

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Vielen Dank für das Gespräch!

[NF 2017]

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