Fünf Hämmer und eine Wiege

Richtfest des neuen bauhaus museums weimar

Foto: Nicolas Flessa
Thüringens Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Die Linke) beim Richtfest des bauhaus museums weimar

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Die Temperaturen waren wie zu erwarten eher frostig, als der Polier des neuen Museums-Baus die oberste Etage des mächtigen Gerüsts erklomm. Nur wenige Meter neben ihm hing eine außergewöhnliche Richtkrone vor dem Weimarer Himmel herab: Ein mit Bändern und Kränzen geschmückter Nachbau der berühmten Bauhaus-Wiege von Peter Kehler schaukelte sanft im Wind, als der Handwerker seine weihevollen Zeilen verlies: „Fährt nun nach alter Handwerkssitte das Glas herab in eure Mitte, so sei es mit dem Wunsch, der gilt: dass dieses Haus seinen Zweck erfüllt.“

Das Publikum war trotz der winterlichen Temperaturen zahlreich erschienen: Bewohner der Stadt Weimar, aber auch angereiste Gäste aus dem ganzen Bundesgebiet wollten am 30. November 2017 die Gelegenheit nutzen, im Rahmen der Veranstaltung einen ersten Bilck in das Innere des imposanten Neubaus zu werfen. Nach einer Ansprache des Minister für Kultur-, Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei des Freistaats Thüringen, Benjamin-Immanuel Hoff (Die Linke), der auf die Bedeutung des neuen Museums als Ort der Begegnung, Offenheit und Diskussion verwies, tauschte er das Mikrofon gegen einen Hammer aus. 

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Gemeinsam mit Weimars Oberbürgermeister Stefan Wolf (SPD), dem Präsidenten der Klassik Stiftung Weimar, Hellmut Seemann, dem Generaldirektor der Museen der Stiftung, Wolfgang Holler, dem Direktor der Weimarer Schlösser, Gärten und Bauten, Johann Philipp Jung, sowie der federführenden Architektin Heike Hanada trieb er die obligatorischen Stahlstifte (in Ermangelung eines echten Dachstuhls) in die Holzdecke eines Museums-Modells. Dass diese nur in einem Fall lotrecht versenkt wurden, darf als charmanter Schönheitsfehler einer ansonsten rundherum gelungenen Veranstaltung gewertet werden.

Foto: Nicolas Flessa
Der Rohbau des bauhaus museums weimar Ende November 2017 / Foto: Nicolas Flessa

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Nach einem Sektempfang mit echter Bauhaus-Band in der benachbarten Weimarhalle ging es für die Gäste in kleinen Gruppen zurück in Richtung Museum. Abwechselnd führten Hanada, Jung und andere Verantwortliche die neugierigen Besucher durch den mit Holzverschalungen winterfest gemachten Rohbau. Der Anblick der riesigen Räume mit ihren klaren Grundrissen und mehretagigen Sichtachsen beeindruckte bereits auf den ersten Blick. Das Highlight der Touren aber war die Himmelsleiter, die den post-modernen Museumsbau in eine Reihe mit altägyptischen Tempeln wie Dendera oder Edfu stellt.

An die Stelle kosmischer Götter tritt dem Konzept der Klassik Stiftung Weimar zufolge jedoch nicht einfach ein Heroenkult für die Heldinnen und Helden des frühen Bauhauses. Schließlich sei es nie die Absicht der Bauhäusler gewesen, mit ihrem Schaffen einen Kult anzuregen – allem Bezug auf die Bauhütte des Mittelalters zum Trotz. Und so soll der neue Bau vor allem eine Funktion erfüllen: Die weltweit bewunderte Innovationsfähigkeit der berühmten Hochschule auf Herz und Nieren zu prüfen, historisch zu kontextualisieren und ihre Impulse bis in die Gegenwart hinein ebenso neugierig wie kritisch zu hinterfragen.

Wie brüchig die Traditionen der Moderne selbst am Geburtsort ihrer wohl wichtigsten Institution sind, illustrieren die baulichen Zeugnisse des 1937 errichteten „Gauforums“ in unmittelbarer Nachbarschaft des neuen bauhaus museums. Dieser durch und durch moderne und zugleich anti-modernistische Gebäudekomplex der Nationalsozialisten dominiert bis heute das Quartier zwischen Goetheplatz, Nordvorstadt und Bahnhofsviertel. Einen Anspruch der Öffentlichkeit an den im Frühjahr 2019 zu eröffnenden Bau hat das bauhaus museum weimar bereits erfüllt: Die mit 22,6 Millionen Euro veranschlagten Kosten wird es wohl nicht überschreiten.

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[NF 2017]

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