Symphonie eines Museums

Neue Bauhaus Museen

Foto: Stiftung Bauhaus Dessau
Projektleiter Frank Assmann (Stiftung Bauhaus Dessau) ist regelmäßig auf der Baustelle des neuen Museums.

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Die Stadt Dessau fast 90 Jahre nach der Schließung des Bauhauses um ein weiteres Bauhausgebäude zu bereichern, mag für die einen wie ein Sakrileg, für die anderen wie ein überflüssiger Mumpitz angemutet haben. Stehen doch trotz Nationalsozialismus, Weltkrieg und Formalismusstreit die meisten Bauhausbauten noch immer in der ehemaligen anhaltinischen Residenzstadt.

Im Vorfeld des großen Jubiläums aber wurde klar: Weder im Bauhausgebäude noch in den Meisterhäusern oder gar in der Siedlung Dessau-Törten steht ausreichend Raum zur Verfügung, um im Jubiläumsjahr 2019 und darüber hinaus die weltweit zweitgrößte Bauhaussammlung der wachsenden Besucherzahl angemessen zu präsentieren. Die Lösung, ein eigener Museums-Neubau, lag auf der Hand. Am Donnerstag den 14. Juni 2018 ist dessen Rohbau erstmals im Rahmen einer Architektenführung öffentlich zu besichtigen.

Foto: Stiftung Bauhaus Dessau
Im Obergeschoss wird derzeit noch am Rohbau gearbeitet.

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Die Baustelle des neuen Bauhaus Museums Dessau ist derzeit selbst so etwas wie eine Lehrstätte baulicher Logistik. Dieser Umstand ist dem zeitlichen Druck geschuldet, unter dem der Bau derzeit aus dem Boden des Dessauer Stadtparks schießt. Um rechtzeitig zum großen Eröffnungsfeier im Bauhausjahr 2019 betriebsbereit zu sein, entschloss sich der Bauherr, die Stiftung Bauhaus Dessau, zu einer ungewöhnlichen Symphonie der einzelnen Gewerke.

Und so kommt es, dass derzeit in einigen Räumen des Untergeschosses die Technikinstallation schon vollendet ist, während im Obergeschoss noch Beton gegossen wird und die Glasfassade bereits kurz vor der Montage steht. Aufregend oder gar hektisch geht es trotz allem – oder gerade deshalb – nicht zu auf dieser vielleicht elegantesten Baustelle der deutschen Gegenwart.

Foto: Nicolas Flessa
Die lichtdurchfluteten Seitenflügel des zukünftigen Bauhaus Museums Dessau sind für Verwaltung und Veranstaltungen reserviert.

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Grund für das hohe ästhetische Vergnügen ist nicht etwa der Versuch, dem Bauhaus auch architektonisch ein neues Denkmal im Herzen der Stadt zu errichten. „Wir bauen hier keine Neue Nationalgalerie“, antwortet Projektleiter Frank Assmann routiniert auf die Frage der Besucher, wie viel von dem Wunsch des Architekten Roberto Gonzáles von addenda architects (Barcelona) übrig geblieben ist, Mies van der Rohe zu aktualisieren und gewissermaßen weiterzutreiben.

„Sowohl Herr Gonzáles als auch unser Haus waren sich rasch einig, dass es hier um einen funktionalen Museumsbau gehen muss, der sich auch gestalterisch in erster Linie an den Bedürfnissen der Sammlungspräsentation orientiert“, so der Leiter der Bauabteilung der Stiftung Bauhaus Dessau. Dass dieser pragmatische Ansatz nicht zu einer Minderung des ästhetischen Genusses führen muss, ist am Ende vielleicht mehr Bauhaus als das Zitat einzelner Bauteile oder vermeintlicher Stilelemente der berühmten Hochschule für Gestaltung.

Foto: Stiftung Bauhaus Dessau
Das zentrale Erdgeschoss dient ab September 2019 als Eingangs- und Verteilerraum, aber auch als Foyer, Cafe und Ort für wechselnde Ausstellungen und Events.

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Wie der Rundgang durch das derzeit noch von zahlreichen Stützen getragene Museumsskelett offenbart, ist nicht nur die Lage des Neubaus vis a vis der Dessauer Ratsgasse das Ergebnis äußerster Rationalität und Effizienz: So wie die gläserne Eingangshalle auch nach Eröffnung des Museums die kostenlose Passage in den Stadtpark ermöglichen wird, sind auch die einzelnen Bauteile flexibel bis zur architektonischen Demut.

Große, individuell aufteilbare und damit vielseitig bespielbare Räume mit einer monumentalen Deckenhöhe vermitteln dem Besucher schon jetzt den Eindruck eines intelligenten Dialogs zwischen dem Mythos und der Mission des zukünftigen Museumsgegenstands. Die Umkehrung von hermetischer Unterwelt (Black Box im Obergeschoss) und lichtdurchfluteter Transparenz (Bauhaus Arena im Erdgeschoss) verleiht dem schlichten Bau eine zusätzliche räumliche Dynamik.

Wer die Führung am 14. Juni verpasst, hat ab Juli übrigens jeden 1. Sonntag im Monat die Chance, sich persönlich den Baufortschritt vor Augen führen zu lassen. Assmann und weitere Guides stehen dann den ganzen Tag über in mehreren Führungen den Fragen der Baustellenbesucher zur Verfügung.

[NF 2018]

Foto: Nicolas Flessa
Noch sind Helme und Baustellenschuhe im Bauhaus Museum Dessau für Besucher obligatorisch.

Termine:
1. Juli, 5. August, 2. September, 7. Oktober, 4. November, 2. Dezember 2018

Jeweils:
10.00 – 11.15 Uhr, Gruppenführung

11.30 – 12.45 Uhr, Öffentliche Führung nach Voranmeldung

13.00  – 14.15 Uhr, Öffentliche Führung nach Voranmeldung

Tickets:
12 Euro pro Person

Eine Teilnahme ist nur nach verbindlicher Buchung im Vorfeld möglich. Eine frühzeitige Buchung ist empfehlenswert. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 Personen begrenzt. Treffpunkt ist der Eingang des Baufeldes an der Friedrichstraße/Ecke Antoinettenstraße, 06844 Dessau- Roßlau. Die Besichtigung der Baustelle erfordert ein besonderes Maß an Sicherheitsvorkehrungen. Sicherheitsschuhe und Helme werden gestellt. Die Teilnahme ist erst ab 16 Jahren möglich. Die Führungen finden in deutscher Sprache statt. Leider ist die Baustelle nicht barrierefrei.

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