Wege aus dem Bauhaus: Gerhard Marcks und sein Freundeskreis

Prologausstellung Weimar

Foto: Arnold Newman, 1950 / Arnold Newman Collection, Getty Images
Der Bildhauer Gerhard Marcks (1889 - 1981) in seinem Studio in New York, Foto: Arnold Newman, 1950 / Arnold Newman Collection, Getty Images

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Der Bildhauer Gerhard Marcks (1889–1981) gehörte nicht nur zu den ersten Lehrern am neu gegründeten Bauhaus, er vertrat auch wie kaum ein zweiter Künstler die ursprüngliche Idee einer Erneuerung aller Künste durch das Handwerk. Am Bauhaus entstand ab 1919 ein Netzwerk treuer Mitstreiter, die diese künstlerische Haltung über Schulen, Gemeinschaften und Freundeskreise bis weit über Europa hinaus weitergaben. Erstmals widmet sich eine Ausstellung diesem einzigartigen Künstlerkreis und eröffnet damit einen neuen Blick auf ein Bauhaus jenseits von Industrie und Typisierung.

Charakteristisch für Marcks und seine Schüler, wie die Keramikerin Marguerite Friedlaender-Wildenhain (1896–1985), den Silberschmied Wolfgang Tümpel (1903–1978) oder den Maler Johannes Driesch (1901–1930), ist das Festhalten an einem traditionellen handwerklichen Ethos. Wie über 200 hochkarätige Exponate zeigen – darunter Skulpturen, Zeichnungen, Gemälde und Keramiken – blieb diese Herangehensweise zeitlebens der Ausgangspunkt ihres künstlerischen Selbstverständnisses.

Die Ausstellung spannt einen großen Bogen vom Kennenlernen der Bauhäusler in Weimar über ihre Zeit an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle (Saale) bis nach Kalifornien, wo die vor den Nationalsozialisten geflohene Künstlerin Marguerite Friedlaender-Wildenhain die Kunst- und Keramikschule „Pond Farm“ gründete. Zahlreiche Korrespondenzen, fotografische und filmische Dokumentationen sowie eine interaktive Medienstation beleuchten den künstlerischen Ideentransfer des Freundeskreises bis weit in das 20. Jahrhundert hinein.

„Wege aus dem Bauhaus. Gerhard Marcks und sein Freundeskreis“ ist eine Kooperation der Klassik Stiftung Weimar mit dem Gerhard-Marcks-Haus in Bremen sowie dem DFG-Projekt „Bewegte Netze. Bauhaus-Angehörige und ihre Beziehungsnetzwerke in den 1930er- und 1940er-Jahren“ der Brandenburgisch Technischen Universität Cottbus-Senftenberg und der Universität Erfurt. Sie wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, den Freistaat Thüringen, die Art Mentor Foundation Lucerne, die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und die Sparkasse Mittelthüringen.

Die Veranstaltung ist Teil des Weimarer Sommers 2017.

Wege aus dem Bauhaus. Gerhard Marcks und sein Freundeskreis.
17. August – 5. November 2017
Neues Museum Weimar

Kontakt

info@klassik-stiftung.de
T 0 36 43 / 545 – 400
www.klassik-stiftung.de

Vorträge mit anschließendem Ausstellungsrundgang

„Vorbei am Christentum kommt man nicht.“

Bezugspunkte zur christlichen Tradition bei Gerhard Marcks, Johannes Driesch, Wolfgang Tümpel und Theodor Bogler. Als Referentin spricht Anke Blümm von der Klassik Stiftung Weimar.

„Kunst kommt nicht vom Denken, sonst hieße es Dunst“.

Gerhard Marcks und sein Netzwerk. Als Referent spricht Arie Hartog vom Gerhard-Marcks-Haus in Bremen.

„Lydia Driesch-Foucar – Überleben mit Formgebäck“

Als Referentin spricht Magdalena Droste von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg.

Formlabor

Gestalten und experimentieren Sie selbst! Im Formlabor können Besucher ausgehend von den Ausstellungsobjekten eigene Kannen, Becher und Vasen entwerfen. Das Formlabor in Weimar ist ein Projekt des Programms Bauhaus Agenten – eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes und der Klassik Stiftung Weimar / bauhaus museum weimar, der Stiftung Bauhaus Dessau und des Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, Berlin.

Gesprächsrundgänge mit Experten

„Bildhauerei heute – Standpunkte“

Begleiten Sie in drei thematischen Rundgängen Künstler, Kunsthistoriker und Handwerker durch die Ausstellung im Neuen Museum Weimar. Liz Bachhuber, freie Künstlerin und Professorin für Freie Kunst an der Bauhaus-Universität Weimar, und Walter Sachs, Weimarer Bildhauer, Maler und Grafiker reflektieren aus heutiger Sicht Werke der Bauhaus-Künstler.

„Wie modern geht Handwerk?“

Das frühe Weimarer Bauhaus ist bezeichnend für einen in vielerlei Hinsicht kontrovers diskutierten Begriff des (Kunst-)Handwerks zwischen Tradition und Moderne. Wie stark diese Kontroverse gerade gegenwärtige Debatten um das Handwerk prägt, erörtern Regina Bittner, stellv. Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau und Kuratorin der Ausstellung »Handwerk wird modern. Vom Herstellen am Bauhaus«, und Wolfgang Holler, Generaldirektor Museen der Klassik Stiftung Weimar.

„Kunst und Handwerk: eine neue Einheit?“

Constanze Unger, freie Künstlerin und Leiterin der Akademie für Handwerk Münster, und Laura Straßer, Produktdesignerin mit Schwerpunkt auf Porzellan und Keramikgestaltung, erklären in der Ausstellung, wie sie diese Einheit auf ganz unterschiedliche Weise lehren und praktizieren.

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