360 Grad Bauhaus

Artifical Rome / Interactive Media Foundation
Das Totale Tanz Theater 360

Als Direktorin der Interactive Media Foundation beschäftigen Sie sich quasi tagtäglich mit der schon die Bauhäusler faszinierenden Beziehung von Mensch und Maschine. Was ist ist der Mensch im technisierten Zeitalter, im Zeitalter Künstlicher Intelligenz?

Nun, der Mensch ist ein Mensch. Und kommuniziert heute scheinbar fast ununterbrochen mit Maschinen. Das Wissen dieser Maschinen hatte bisher seinen Ursprung beim Menschen. Künstliche Intelligenz verspricht, neues Wissen maschinell zu generieren und vorhandenes Wissen besser auszuwerten. Dass wir hier noch ganz am Anfang stehen, zeigen auch die Reaktionen der Menschen, die das ganze Spektrum abdecken: Von Untergangsangst bis zur Heilserwartung.

Wie ermöglicht man einem Nutzer digitaler Medien das so oft zitierte „immersive“ Erlebnis?

Den Betrachter, Leser oder Zuschauer ganz in den Bann des jeweiligen Kunstwerkes zu ziehen, scheint mir das Ziel vieler Künstler zu sein, gestern wie heute. Und auch die „Grundzutaten“ scheinen identisch, ob reale oder virtuelle Welt: Idee und Umsetzung müssen stimmen.

Welche Rolle spielt der Zufall, ein für die Erfahrung der Wirklichkeit so wesentliches Element, in der virtuellen „Realität“?

In einer digitalen Welt selbst können sie aktuell den Zufall nur simulieren. Das eigentliche Element des Zufalls kommt durch den „Faktor Mensch“ und die Unberechenbarkeit seines Verhaltens. Menschen verhalten sich in virtuellen Welten genauso unterschiedlich wie in der realen Welt. Und das ist Teil der Faszination.

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Ein Höhepunkt des Eröffnungsfestivals von 100 jahre bauhaus ist die Virtual Reality Installation „Das Totale Tanz Theater“. Sie hatten die Idee zu diesem Stück. Wie kam es dazu?

Die Idee, zum Bauhaus-Jubiläum ein mehrteiliges Projekt zu machen, entstand bei Filmtank. Thomas Tielsch gab den Anstoß mit seinem Plan, einen Kinodokumentarfilm zu entwickeln. Entstanden ist dann das crossmediale Projekt BAUHAUS SPIRIT, das in seinen verschiedenen Bestandteilen den Geist und die Haltung der Bauhäusler in Gegenwart und Zukunft transponiert.

Wir haben uns im Team verschiedene Aspekte des Bauhaus angeschaut. Die Bühne und die Entwicklungen dort schienen uns auch heute noch relevant: Gropius’ Idee des totalen Theaters und die künstlerische Auseinandersetzung Oskar Schlemmers mit dem Thema Mensch-Maschine. Was sich jetzt so einfach auf der Ideenebene anhört, war damals kein Selbstläufer. Irgendwann habe ich mir all die losen Enden angeschaut und bin mit einer Ideenskizze zurück ins Büro. Daraus ist dann „Das Totale Tanz Theater“ entstanden.

Richard Siegal hat, basierend auf Ihrer Idee, eine Choreographie für das „Totale Tanz Theater“ entwickelt. Warum haben Sie diesen Künstler ausgewählt und wie hat die Zusammenarbeit konkret funktioniert?

Als wir von der Idee so überzeugt waren, dass wir die weiteren Schritte gehen wollten, war schnell klar, dass wir – erstmalig – mit einem Choreographen arbeiten werden. Für uns eine aufregende Sache, einfach weil wir uns in dieser Welt gar nicht auskannten. Wir haben dann das Gespräch mit mehreren Choreographen gesucht und waren positiv überrascht, mit welcher Aufgeschlossenheit uns und dem Projekt  begegnet wurde.

Richard mit seiner If/Then-Methode schien gut zu unserem Vorhaben zu passen. Wir stellten uns schließlich  keine durchgehend lineare Choreographie vor, sondern eine Choreographie, die sich immer wieder neu zusammensetzt. Der erste Schritt war dann, dass sich das Team mit seinen so heterogenen Gewerken, Hintergründen und „Sprachen“ besser kennenlernte. Hier trafen ja völlig unterschiedliche Arbeitsweisen aufeinander, und es war sicher eine Herausforderung für jeden im Team, damit umzugehen.

„Das „Totale Tanz Theater“ ist nur eines von vier Stücken, die Sie und Ihre Kollegen entwickelt haben und die im Rahmen 100 jahre bauhaus gezeigt werden. Welche Themen und Medien finden in den anderen Produktionen statt?

Gut, dass Sie fragen, denn die anderen Produktionen sind ebenfalls hochspannend: Da ist zunächst Thomas Tielschs Kino-Dokumentarfilm „Vom Bauen der Zukunft“.  Er erzählt die Geschichte des Bauhauses und fragt nach seiner aktuellen Bedeutung als künstlerische und gesellschaftliche Haltung. Das binaural produzierte Hörkonzeptalbum „Audio.Space.Machine“ der Künstler Wittmann/Zeitbloom definiert Impulse des Bauhauses akustisch, inhaltlich und technisch neu für die Gegenwart. Last but not least haben wir ein 360ºMusik-Video mit dem Titel „Das Totale Tanz Theater360“ produziert, das den Betrachter in die Welt und Szenographie des Totalen Tanz Theaters, Richard Siegals Choreographie und einen neuen Song der Einstürzenden Neubauten eintauchen lässt.

Das Totale Tanz Theater 360
Artifical Rome / Interactive Media Foundation
Das Totale Tanz Theater 360

Am Bauhaus galt die Symphonie aller Gewerke – Gestaltung, Kunst, Bühnenarbeit – der Architektur; welche Gewerke und welches Ziel müssten ein gegenwärtiges Bauhaus lehren, um „up to date“ zu sein?

Wenn ich als Nicht-Bauhaus-Expertin auf das Bauhaus schaue, scheint mir die Faszination des Bauhauses bis heute auch Folge seiner Heterogenität und Radikalität zu sein. Vieles, was am Bauhaus radikal neu gedacht und umgesetzt wurde, hat bis heute Bestand oder ist „Mainstream“. Ein Bauhaus heute würde sich vermutlich das Wissen, die Werkzeuge und Mittel der digitalisierten Welt zusätzlich zu Eigen machen.

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