Zusammen sammeln

Stiftung Bauhaus Dessau / Foto: Thomas Meyer / OSTKREUZ
Glasfassade Bauhaus Museum Dessau

Absatz 2 – 3

Kurz vor Konferenzbeginn sprachen wir mit Dr. Florian Strob, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bauhaus Dessau und Projektleiter der Konferenz. Wir waren neugierig zu erfahren, was den Blick auf Bauhaus-Sammlungen so interessant macht. „Die Bauhaus-Objekte haben mitunter hochspannende Geschichten, sie sind durch viele Hände gegangen, standen in unterschiedlichen Kontexten“, erklärt Florian Strob. Und das ist auch das Ziel der Konferenz, diese drei Aspekte zu vertiefen und zu verbinden: die einzelne Objektgeschichte, die Nachbarschaften und Kontexte, in denen die Objekte sich auf ihren Wegen befanden, und die Vermittlung und Abbildung dieser Zusammenhänge.

Es ist ein internationales Museumsnetzwerk, das anlässlich der Konferenz in Dessau zusammenkommt. Steckt da auch ein bisschen Bauhaus in diesem Austauschwillen? „Es ist auch ein Anknüpfen an das, was das Bauhaus auch schon in dessen aktiver Zeit vor der Schließung durch die Nationalsozialisten 1933 geprägt hat“, erklärt Florian Strob. „Das Bauhaus war und ist einmal mehr ein Knotenpunkt im Netzwerk der Moderne. Heute wie damals reichte die Strahlkraft der Bauhaus-Idee weit über seinen Ursprungsort hinaus und inspirierte Austausch und Zusammenarbeit.“

Glücksfall Exil? Das Bauhaus in der Welt

New York, Zürich, Rotterdam, Hangzhou – die Liste der an der Konferenz beteiligten Museen und Sammlungen ist eindrucksvoll und macht neugierig: Welche Überraschungen hat das Bauhaus-Jahr gebracht, wo hat die Bauhaus-Idee starke Wurzeln? „In den USA wurde die Bauhaus-Idee besonders stark aufgenommen“, erläutert Florian Strob. „Mit Walter Gropius und Marcel Breuer kamen zwei der bekanntesten Bauhäusler an die Harvard Graduate School of Design und Ludwig Mies van der Rohe holte mit Ludwig Hilberseimer und Walter Peterhans weitere Bauhaus-Professoren ans IIT in Chicago, nachdem schon László Moholy-Nagy dort das New Bauhaus gegründet hatte. Martino Stierli vom MoMA in New York ist unser Keynote-Sprecher. Das Museum of Modern Art hatte schon sehr früh an eine starke Verbindung zum Bauhaus.“

In der kurzen Zeit hat das Bauhaus spürbare Impulse gesetzt. Wie weit reichte der Einfluss und welche regionalen Überraschungen gab es im Bauhausjahr? „Australien“, antwortet Strob, ohne zu zögern. „Mit der Migration aus Europa reichte der Einfluss des Bauhauses bis Australien und wir freuen uns, mit Prof. Isabel Wünsche eine Expertin für das dortige Bauhaus auf der Konferenz zu haben.“

IIT Institute of Design (ID)
Die neue Bauhaus-Frontstufe 1937, Fotograf: Herbert Matter 1140x640 cm

Das Bauhaus weiter neu entdecken

Wie geht es weiter nach einem so reichen Jubiläumsjahr? Was erwartet Bauhaus-Interessierte, die so richtig Lust an den vielfältigen Themen bekommen haben? „Im Grunde geht es jetzt erst so richtig los“, berichtet Strob begeistert. „Statt eines Tagungsbandes wird es im Anschluss an die Konferenz eine Online-Plattform geben, deren Herzstück eine globale Bauhaus-Karte mit einzelnen Objektgeschichten sein wird. Darüber hinaus wird es auch Hintergründe und Videos von der Konferenz geben.“

Es scheint, dass ein neues Bauhaus-Kapitel seinen Anfang nimmt. Der Reichtum an Themen stimmt zuversichtlich, dass über das Bauhaus noch längst nicht alles gesagt ist. Was gibt es noch zu entdecken? „Die Anzahl bekannter Bauhaus-Originale auf dem Kunstmarkt ist recht klein. So langsam rücken auch bisher unbekanntere Schülerinnen und Schüler in den Fokus von Sammlungen und Forschung. Ein interessantes Thema, das wir vertiefen werden, sind die Texte des Bauhauses. Neben den bekannteren, wie den Bauhaus-Zeitschriften, gibt es vielfältige schriftliche Werke zu entdecken. Dass Hannes Meyer etwa einen Text zum Bauen in Gedichtform veröffentlicht hat, ist doch hoch spannend. Warum? Und ist es wirklich ein Gedicht? Überhaupt, wie viele Baushäusler*innen tatsächlich geschrieben haben.“

Das sind schöne Aussichten. Und wer ganz aktuell noch Lust auf eine Portion Bauhaus-Jubiläum hat, dem sei das öffentliche Festprogramm anlässlich des Bauhaus-Geburtstages am 4. Dezember ans Herz gelegt. Dem Tag, an dem 1926 die Bauhaus-Schule in Dessau offiziell eröffnet wurde. In Lesungen und Führungen heißt es dann einmal mehr: Bauhaus erleben.

    [MBK 2019]

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