Die Welt neu denken

© Stan Hema, 2019

Intro 2

100 jahre bauhaus zielt daher nicht auf eine Feier großartiger Bauten und stilprägender Möbel, sondern auf die Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe seiner Protagonistinnen und Protagonisten. Gegenstand dieses Jubiläums kann und darf nicht allein das historische Bauhaus sein, sondern das, was von dem Ansatz, den Errungenschaften, aber auch den Irrwegen der ehemaligen Hochschule für Gestaltung noch heute greifbar und erlebbar ist.

In einer idealen Welt heißt die Welt mit Bauhaus-Augen zu sehen: Sie in bester Absicht neu zu denken und aktiv zu gestalten, immer ausgehend von den Bedürfnissen und Lebenswirklichkeiten der Menschen, für die sie einmal ein besserer Ort zu leben sein soll. So wie unsere gegenwärtigen sozialen und politischen Herausforderungen schon lange den Rahmen nationaler Lösungsansätze sprengen, muss diese Perspektive, in bester Bauhaus-Tradition, stets eine globale sein.

Im Rahmen von 100 jahre bauhaus befragen wir Architekt*innen und Gestalter*innen, Performer*innen und Künstler*innen, Pädagog*innen und Soziolog*innen nach ihren Perspektiven auf die Welt von morgen. Welche Themen des Bauhauses sind heute noch aktuell, aus welchen Fehlern gilt es zu lernen und welche Visionen können, vorausschauend aktualisiert, zur Grundlage einer besseren Zukunft werden.

Architektur

Michael Sorkin über die Relevanz architektonischer Überzeugungen des Bauhauses

Die drei Bauhausdirektoren laden zum Stelldichein: Geladen ist Michael Sorkin, einer der profiliertesten Architekten und Architekturjournalisten der Gegenwart. Sie wollen wissen, was man 100 Jahre nach der Gründung ihrer Schule von den Ideen der Bauhäusler hält. Michael steht ihnen Rede und Antwort.

Michael Sorkin ist ein weltweit bekannter Architekt und Autor. Seine Arbeit umfasst Design, Forschung und Lehre. Er ist Präsident von Terreform.

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Friederike Hantel

Carme Pinos über moderne und gegenwärtige Architekturen der Ausbildung

Für Gropius war die Bauhütte ein Ideal, beim Bau der Sagrada Familia in Barcelona wurde sie Wirklichkeit. Just in den Jahren, als das Bauhaus seinem Ende entgegenging, entstand in der spanischen Metropole eine Ausbildungsstätte ähnlicher und doch ganz anderer Art. Im Herbst 2017 hat sie ein neues Quartier bezogen. Wir haben mit der Architektin der Escola Massana gesprochen.

Carme Pinós ist Architektin und Architekturpädagogin. Ihre Bauten wurden mehrfach ausgezeichnet. Sie unterrichtete u. a. an der Harvard Graduate School of Design.

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© Estudio Carme Pinós

Gestaltung

Don Norman über die Vorbildfunktion der Bauhaus-Gestaltung

Die in den Jahren 1919 –1933 in Deutschland aktive Bauhaus-Bewegung markierte einen Wendepunkt in der Entwicklung des Designs und seiner gesellschaftlichen Funktion. Sie hatte einen starken Einfluss auf den künstlerischen Stil jener Zeit. Heute ist sie für viele Designer eher von historischem Interesse. Don Norman, der Autor von „Things That Make Us Smart“, stellt die berechtigte Frage: Was hat sich geändert?

Don Norman ist Kognitionswissenschaftler und Gründungsdirektor des Design Lab der University of California.

Schema zum Aufbau der Lehre am Bauhaus, Autor: Walter Gropius, 1922, Veröffentlicht in: Staatliches Bauhaus Weimar, 1919 – 1923. Bauhaus-Archiv Berlin, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Jessica Brillhart über die Gestaltung virtueller Welten

Viele meiner Erfahrungen hat sie nach eigenem Erkunden dadurch gewonnen, dass sie in die komplett entgegengesetzte Richtung von dem sah, was ihr vorgesetzt wurde. Die Filmemacherin und VR-Virtuosin Jessica Brillhart über Meditation in mentalen Räumen, die Wahrnehmung der Zukunft und radikales Experimentieren im Sinne des Bauhauses.

Jessica Brillhart ist Theoretikerin und Anwenderin im Bereich VR. Bis vor Kurzem war sie Mitglied des VR-Teams von Google.

© Jessica Brillhart, jessicabrillhart.com

Gesellschaft

Saskia Sassen über globale Städte der Zukunft

Die Städte der Welt werden nicht nur immer mehr – ihr Wandel hat auch gesellschaftliche Folgen, die bislang kaum abzusehen sind. Während die Mittelklasse durch diese „globalen Städte“ zunehmend marginalisiert wird, nimmt deren Potenzial für eine politisch bislang völlig unterschätzte Klasse diskret, aber stetig zu – als Machtbasis der Machtlosen.

Saskia Sassen ist Professorin für Soziologie an der Columbia University. Die Globalisierungstheoretikerin prägte den Begriff der „Global City“.

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© Mustafah Abdulaziz, mustafahabdulaziz.com

Austin Zeiderman über Städte zwischen Sicherheit und Gerechtigkeit

Spätestens seit den Anschlägen vom 11. September 2001 ist das Thema Sicherheit zurück auf der globalen Agenda. Was aber macht Städte wirklich sicherer – und welche Voraussetzungen brauchen Architekten und Stadtplaner für ihre Arbeit? Wir haben mit dem Autor von „Endangered City: The Politics of Security and Risk in Bogotá.“ über echte und vermeintliche Quellen urbaner Unsicherheit gesprochen.

Austin Zeiderman ist außerordentlicher Professor für Geografie an der London School of Economics und wissenschaftlicher Mitarbeiter im LSE-Cities-Programm

© Johannes Bauer (Tokyo, 2017), studiojohannesbauer.com

Performance

Jan Bartoszek über zeitlose Impulse der Bauhausbühne

Inspiriert durch die moderne Kunst des Bauhauses ist „Futura”, die neueste Arbeit von Hedwig-Gründerin Jan Bartoszek, eine lebendige und farbenfrohe Erkundung, wie der Tanz im 21. Jahrhundert Gesellschaft, Kunst, Architektur und Design prägt und von ihnen geprägt wird. Das multidisziplinäre Werk, das der in einer wegweisenden Zusammenarbeit zwischen Hedwig Dances, dem Bauhaus Dessau, dem IIT Institute of Design (vor 80 Jahren als „New Bauhaus” gegründet) und Leviathan entstanden ist, feierte Anfang November 2018 seine Premiere in Chicago.

Jan Bartoszek ist künstlerische Leiterin und Gründerin von Hedwig Dance, ein in Chicago ansässiges, modernes Tanztheaterensemble.

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© IIT Institute of Design, Chicago

RoseLee Goldberg über Performancekunst mit Zukunft

Das artnet Magazin kürte sie neulich zur „weltweit aktivsten Performance-Kuratorin“. Eines ist die Gründerin des New Yorker Performa Institutes mit Sicherheit: eine Ausnahmeerscheinung. Ihre Expertise für gegenwärtige Kunst basiert auf einer tief greifenden Auseinandersetzung mit der Bühne der Moderne. RoseLee Goldberg über 100 jahre bauhaus und die kommende Performa-Biennale.

RoseLee Goldberg ist Kunsthistorikerin, Autorin, Kritikerin und Kuratorin, spezialisiert auf moderne und zeitgenössische Performancekunst. Im Jahr 2004 gründete Goldberg Performa. Sie betreute Performanceprogramme für das Museum of Modern Art und das Guggenheim Museum in New York.

© Kenta Nakamura, kentanakamura.com

Kunst

Isabel Allende über Frauen als Innovationstreiber

Isabel Allende ist eine chilenisch-US-amerikanische Bestsellerautorin. In ihrem Werk wie mit ihrer Stiftung setzt sie sich für die Gleichberechtigung der Geschlechter ein. Fortschritt, so die Autorin, ist eine Frage der Emanzipation.

Isabel Allende ist Bestsellerautorin und Gründerin einer Stiftung für die Unterstützung von Frauen und Mädchen.

© Stan Hema, 2017

Signe Pierce über Reality Art in der digitalen Sphäre

Inmitten einer Ära hypermedialer Vernetzung vollzieht auch die Kunst einen grundlegenden Wandel. Klassisches Schauspiel und analoge Performances werden auch in Zukunft nicht einfach verschwinden – doch die sozialen Netzwerke sind längst dabei, die Definition der Bühne zu revolutionieren. Ein Blick in die Werkstatt der Reality Art und ihren Anspruch, im Geiste des Bauhauses zu agieren.

Signe Pierce arbeitet in den Bereichen Performance, Fotografie, Video und digitale Kunst. Sie war mit ihren Werken im Museum of Modern Art in New York, im Museum der Schönen Künste in Leipzig und im Palais de Tokyo in Paris zu sehen.

© Signe Pierce / Eli Rezkallah

Pädagogik

Rathna Ramanathan über Gestaltungspädagogik im postkolonialen Kontext

Die moderne Besessenheit von uns selbst, die dem Journalisten und Schriftsteller Will Storr zufolge die Ursache für unsere gesellschaftlichen Probleme bildet, ist nicht nur die Folge überforderter Erziehungsberechtigter. Für Rathna Ramanathan, Studiengangsleiterin am Royal College of Art, ist sie auch das Ergebnis einer kulturellen Egozentrik im Rahmen unserer Ausbildung an Schulen und Universitäten.

Rathna Ramanathan ist Designforscherin mit den Schwerpunkten interkulturelle und experimentelle Kommunikation. Sie ist Leiterin der School of Communication am Royal College of Art in London.

© Anna Beil, annabeil.tv

Jan Boelen über die Vorbild des Bauhauses für eine zukünftige Schule der Schulen

Hundert Jahre nach seiner Gründung ist das Bauhaus, das antrat, das Lernen zu revolutionieren, selbst zur heiligen Kuh der Designpädagogik erstarrt. Um das magische Moment der Disruption wieder freizulegen, verwandeln der Kurator Jan Boelen und sein Team die diesjährige Design-Biennale in Istanbul in ein riesiges Experimentierfeld einer notwendigerweise rast- wie ratlosen Bildungsoffensive.

Jan Boelen ist künstlerischer Leiter des Z33 House für zeitgenössische Kunst und Leiter des Master Departments Social Design an der Design Academy Eindhoven. 2018 kuratierte er die 4. Design-Biennale in Istanbul.

© Luis Alberto Rodríguez, luisalbertorodriguez.com, Instagram: @luisalbertorodriguezstudio
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